Die Freilaufrolle hat sich in den letzten Jahrzehnten von einer Nischenlösung zu einem festen Bestandteil moderner Angelausrüstung gemausert. Gerade erfahrene Angler wissen die besonderen technischen Möglichkeiten zu schätzen, die eine Angelrolle mit Freilauf bietet. Ob beim Karpfenangeln, beim Zanderansitz, oder ganz woanders – die Freilauf Angelrolle eröffnet in vielen Fällen einige taktische Vorteile.
Was macht eine Freilaufrolle aus?
Im Kern unterscheidet sich die Freilaufrolle von einer herkömmlichen Stationärrolle durch ein zusätzliches, separat schalt- und einstellbares Bremssystem. Neben der Hauptbremse verfügt eine Angelrolle mit Freilauf über eine sekundäre Freilaufbremse, die es dem Fisch ermöglicht, Schnur mit einstellbarem Widerstand von der Spule zu ziehen. Der entscheidende Punkt: Der Angler kann jederzeit – meist über einen Hebel an der Rückseite der Rolle – zwischen Freilaufmodus und normaler Bremse wechseln. Bei hochwertigen Freilaufrollen geschieht dieser Wechsel ruckfrei, präzise und fast ohne Verzögerung.

Bild: W. Krause
Das Herzstück von Freilaufrollen sitzt im hinteren Bereich der Rolle – hier wird der Freilauf am Rädchen eignestellt. Der Schalter ermöglicht das Umschalten zwischen Freilauf- und Kampfbremse.
Mechanik und Technik moderner Freilaufrollen
1. Freilaufsystem
Das Herzstück jeder Freilauf Angelrolle ist das Freilaufsystem selbst. Hochwertige Modelle arbeiten mit hochwertigen Bremsscheiben und präzisen Einstellrädern. Je sensibler der Freilauf eingestellt werden kann, desto besser lässt sich das Verhalten des Fisches kontrollieren.
2. Umschaltmechanismus
Der Wechsel vom Freilauf zur Hauptbremse muss blitzschnell stattfinden. Das Umschalten kann mit dem Freilauf-Hebel oder die Betätigung der Kurbel erfolgen. Bei modernen Angelrollen mit Freilauf genügt oft eine halbe Kurbelumdrehung, und schon wechselt die Rolle vom Freilauf in den Drillmodus. Billige Modelle zeigen hier Schwächen wie viel Spiel, Verzögerung oder ungleichmäßige Kraftübertragung.
3. Hauptbremse
Auch wenn der Fokus auf dem Freilauf liegt: Die Bremse er Rolle entscheidet natürlich auch bei Freilauf-Modellen über Erfolg oder Fischverlust. Hochwertige Freilaufrollen verfügen über fein justierbare Frontbremsen mit hohem möglichen Bremsdruck und gleichmäßigem Schnurabzug.
4. Getriebe und Lager
Gerade beim Ansitz auf kapitale oder kampfstarke Fische ist Belastbarkeit entscheidend. Eine hochwertige Freilaufrolle sollte neben einem soliden Freilauf auch sonst robust sein. Eine verwindungsfreie Achse, ein hochwertiges Getriebe und Kugellager sorgen für eine gute Performance und ein langes Leben im Angeleinsatz.
Einsatzgebiete der Freilaufrolle
Karpfenangeln – der Klassiker
Beim Karpfenangeln ist die Angelrolle mit Freilauf nahezu Standard. In Kombination mit elektronischen Bissanzeigern spielt die Freilaufrolle ihre Stärken voll aus. Nach dem Ausbringen der Montage wird die Rolle in den Freilaufmodus gestellt, sodass der Karpfen nach dem Biss zunächst mit etwas weniger Widerstand Schnur nehmen kann, bevor für den Drill der Freilauf wieder ausgeschaltet wird.

Bild: Saenger
Auf den ersten Blick sieht diese Rolle wie eine ganz normale Stationärrolle aus: Sie ist jedoch mit einer „Quick-Drag-Bremse“ ausgestattet, die die klassische Freilauffunktion ersetzt.
Eine moderne Version der Freilaufrolle ist beim Karpfenangeln die „Quick-Drag“-Bremse. Hier gibt es keinen echten Freilauf, solche Rollen haben eine Frontbremse, die sich besonders schnell verstellen lässt. Schon eine kleine Drehung am Rad auf der Spule genügt, um die Bremskraft deutlich zu erhöhen. Der Vorteil ist, dass im Gegensatz zur klassischen Freilaufrolle der Übergang von Freilauf (wenig Bremskraft) auf Drill-Bremse (mehr Bremskraft) gleichmäßiger und weniger schlagartig stattfindet, was Aussteiger verringern soll.

Bild: U. Fruecht
Fein einstellbare Freilaufrollen sind sogar für sensible Fische wie den Zander geeignet.
Zander- und Aalansitz
Auch beim nächtlichen Ansitz auf Zander oder Aal ist die Freilauf Angelrolle ein taktischer Vorteil. Besonders bei Köderfischmontagen ermöglicht der Freilauf ein kontrolliertes Abziehen der Schnur, bevor der Anhieb gesetzt wird. Für sensible Fische wie den Zander sollte der Ablaufwiderstand möglichst gering ausfallen, daher sind hier fein einstellbare Freilaufrollen ideal.
Vorteile und Grenzen der Freilaufrolle
Vorteile
- Schnurabgabe beim Biss erfolgt mit einstellbarem Widerstand
- Mehr Kontrolle bei vorsichtigen Fischen und – falls gewünscht – widerstandarmer Abzug
- Im Vergleich zum Angeln mit dem offenen Bügel läuft die Schnur nicht durch Wind oder Strömung von alleine ab
Nachteile
- Höheres Gewicht im Vergleich zu Standardrollen
- Komplexere Mechanik = höherer Wartungsaufwand und anfälliger für Defekte
- Nicht ideal für aktive Techniken wie Spinnfischen
Die richtige Einstellung – Feintuning für Profis
Eine häufig unterschätzte Komponente ist die korrekte Einstellung der Freilauf Angelrolle. Zu locker eingestellt, riskiert man Schnurverwicklungen oder unkontrollierte Fluchten. Zu straff eingestellt, verliert der Freilauf seinen Zweck.
Praxis-Tipp für Fortgeschrittene:
- Freilauf so einstellen, dass der Fisch Schnur abziehen kann, aber bei starkem Zug spürbaren Widerstand erfährt; beim Karpfenangeln direkt vor Hindernissen kann der Freilauf auch von Vorneherein etwas fester eingestellt werden.
- Hauptbremse bereits vor dem Biss auf die richtige Bremskraft einstellen
- Regelmäßig prüfen, ob der Umschaltmechanismus sauber greift
Gerade bei hochwertigen Freilaufrollen lohnt sich das präzise Feintuning, um das volle Potenzial auszuschöpfen.

Bild: N. Bremer
Ob durchgehend Monofil, oder Geflecht (mit Schlagschnur) – das richtet sich nach der Angelsituation. Eine saubere Schnurverlegung verhindert in jedem Fall Probleme, insbesondere beim Umschalten von Freilauf- auf Kampfbremse.
Schnurwahl und -management
Die Freilaufrolle stellt besondere Anforderungen an Schnur und Spule. Eine saubere Schnurverlegung ist essenziell, da es beim Umschalten des Freilaufmechanismus sonst zu Perücken oder Schnurbruch kommen kann.
Erfahrene Angler setzen häufig auf:
- Hochwertige Monofile beim klassischen Ansitz, besonders bei kleineren und mittleren Wurfdistanzen
- Geflochtene Schnur, oft in Kombination mit einer langen, abriebfesten Schlagschnur bei großer Distanz oder Hindernissen
- Weitwurfspulen, denn diese Spulen nehmen große Mengen an Schnur auf und erlauben besonders weite Würfe
Pflege und Wartung von Freilaufrollen
Durch die komplexere Mechanik benötigen Freilaufrollen mehr Pflege als einfache Stationärrollen. Regelmäßiges Reinigen, gelegentliches Nachfetten der Bremsscheiben und das Überprüfen des Freilaufsystems verlängern die Lebensdauer erheblich. Nach intensiven Sessions – insbesondere bei Regen oder Staub – sollte jede Freilauf Angelrolle zumindest äußerlich gereinigt und getrocknet werden.
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