Zielfisch Rapfen: So klappt’s mit den rasenden Räubern!

Der Rapfen gilt eher als Mittelklasse-Räuber. Mit großen Rapfen in der Strömung hat Peter Schmidt aber andere Erfahrungen gemacht. Unter den erschwerten Bedingungen wählt er deshalb auch sein Gerät eher schwer.

„Es geht darum, Tempo zu machen“ Um Rapfen zu fangen, ist es besonders wichtig, sich mit ihrer Lebensweise auseinanderzusetzen. Rapfen fressen und jagen ihre Futterfische sehr selektiv. Das bedeutet, dass sie sich bevorzugt auf eine gewisse Ködergröße je nach Jahreszeit stürzen. Dementsprechend halten sich Rapfen auch vor allem dort auf, wo sie Futterfische im jeweiligen Beuteschema finden. Das unterständige Maul zeigt uns eindeutig, dass unser Zielfisch ein Topwater-Spezie ist, und gerne oberflächennah jagt. Dazu kommt allerdings, dass er sehr misstrauisch und scheu ist und auf starken Beanglungsdruck empfindlich reagieren. Das macht das Rapfenangeln gerade sehr speziell und spannend. Nach der Laichzeit, die bis etwa Mitte/Ende Mai dauert, jagen Rapfen bevorzugt auf Fischbrut. Meistens hat man es dann mit ziemlich kleinen Rapfen zu tun. Aber man darf immer auch mit einem guten Fisch rechnen. Experten präsentieren im Bereich kleiner Fischbrut immer auch einmal einen größeren Topwater-Köder, um einen besseren Rapfen ans Band zu bekommen. Die beste Rapfenzeit ist von Juni bis in den Herbst, Wird es kälter, verlassen die Futterfische meist die Flachwasserbereiche, und die Rapfen ziehen mit in tieferes Wasser. Diese Stellen in kleinen Flüssen sollten Sie beim Rapfenangeln im Sommer und Herbst unbedingt im Auge behalten: Wehrschüsse, Unterläufe von Wehren, Wasserkraftwerke, Buhnenspitzen, Betonvorsprünge, Strömungskanten im Fluss.

Kleine Wobbler sind beliebte Rapfenköder – und fast immer fängig!

 

Schnelle Köderführung 

Die Köderführung beim Rapfenangeln unterscheidet sich von der auf andere Raubfische im Fluss. Es geht in erster Linie darum, mit dem Kunstköder Tempo zu machen – auch in der schnellen Strömung. Eine Angelweise, auf die man sich erst umstellen muss, wenn man es gewohnt ist, andere Raubfische langsam zu beangeln, das Tempo zu variieren, Spinnstops einzulegen oder zu twitchen. Auch der Biss eines Rapfens unterscheidet sich prinzipiell von fast allem, was man von anderen Raubfischen kennt. Der Rapfen knallt in den Köder, und das merkt man eindeutig am harten Schlag in der Rutenspitze. Über das Jagdverhalten gibt es viele Meinungen und Theorien und bei einigen Anglern hat der Rapfen wegen der vielen Fehlbisse den Ruf, beim Jagen nicht der effektivste Raubfisch unserer Flüsse zu sein. Ich sehe das anders. Durch die enorm hohe Geschwindigkeit, mit der ein Rapfen auf den Beutefisch zuschießt, reicht wahrscheinlich allein der brutale Aufprall aus, um den Beutefisch aus dem Gleichgewicht zu bringen oder zu verletzt. Und dann kann er leicht gefressen werden, wenn der Beutefisch nicht direkt ins Maul passt. Das erklärt die relativ vielen Fehlbisse und die Tatsache, dass viele Rapfen außen gehakt sind. Daher ist es wichtig, neben dem richtigen Köder scharfe und stabile Drillinge zu verwenden. Denn nur so hat man eine realistische Chance, den Rapfen erfolgreich zu haken. Da größere Rapfen manchmal in kleineren Trupps jagen, folgt nach dem ersten guten Rapfen häufig noch ein zweiter oder dritter.

Wer Rapfen fangen will, muss den Köder schnell bewegen!

Das legendäre Rapfenblei aus Ungarn war nicht umsonst Jahrzehnte lang der Topköder. Ein einfaches längliches Blei, das nur durch die schnelle Köderführung zum Rapfenfänger wird. Heute sind es zum eine Topwater-Köder und flach laufende Wobbler, mit denen gezielt Rapfen gefangen werden. Wichtig ist, dass man mit den Kunstködern in der Lage ist, Tempo zu machen und dass der Köder dabei sauber in der Strömung liegt.

Attacke an die Strömungskante

Ich bin sicher, dass jeder Raubfischangler, der Rapfen in seinem Gewässer hat, auch leicht die Top-Plätze findet. In meinem Hausgewässer ist es eindeutig der Wehrschuss unterhalb der Wehranlagen. Es ist zwar schwer vorstellbar, aber Rapfen stehen unter dem Wehr oft direkt in der Wehrkrone, dort, wo das Wasser wild schäumt. Hier können Rapfen von den Futterfischen nicht schnell genug erkannt werden. Dieser schäumende Wasserbereich ist deshalb top, weil der Rapfen unseren Kunstköder dort nicht so gut inspizieren kann und besonders gute Chancen zum Fang bestehen. In der Strömung geht natürlich alles etwas schneller als in den beruhigten Bereichen. Das bedeutet, die Raubfische müssen in der Strömung blitzschnell sein und auch gegen den massiven Strömungsdruck jagen. Ich rechne mir besonders gute Chancen bei erhöhtem Wasser aus, wenn die Weißfische in Richtung Wehrkrone ziehen, also dahin, wo das tosende Wasser schäumt, um im umgewälztem Wasser Futterpartikel zu ergattern. Am Wehr stellte ich mein Gerät zusammen. Eine 0,30er Mono-Schnur, kurzes Stahlvorfach, falls ein Hecht meinen Wobbler attackiert, und 120 Meter Schnur auf der Rolle, dazu eine Spinnrute mit 40 Gramm Wurfgewicht. Nachdem sich eine gute halbe Stunde nichts tat, bekomme ich einen hammerharten Biss direkt in der Strömung. Mir gelingt es zwar, den Fisch zunächst in eine ruhige Zone zu drillen, aber die heftigen Rucke an der durchgebogenen Rute lassen mir keine Wahl, die Rollenbremse mehr zu öffnen und den Fisch in die tosende Strömung entfliehen zu lassen. Mit hoher Geschwindigkeit entleert sich die Schnur auf meiner Rolle. Der Fisch bleibt kurz stehen und setzte sich fest. Plötzlich ist der Fisch wieder frei, zieht aber wieder einige Meter von der Rolle, bis die Schnurkapazität fast am Ende ist. Mir bleibt nichts anderes übrig als die Rollenbremse zu schließen, was mit einem dumpfen Knall und dem erschlaffen der Schnurspannung quittiert wird. Ein Rapfen der 60 Meter Schnur vor der Rolle zieht? Am nächsten Tag telefonierte ich mit meinem Freund Benedict Götzfried, von Topwater Productions, einem der besten Rapfenangler aus Süddeutschland und schilderte ihm diesen ungewöhnlichen Drill. „Sicher ist,“ meinte er „dass Rapfen sehr kampfstark sein können. Oftmals hat man dieses Gefühl auch verstärkt durch den Strömungsdruck, der auf die doch recht hohen Fische einwirkt. In der schnellen Strömung können sie noch einmal alle ihre Reserven abrufen und in einer irrsinnigen Geschwindigkeit abtauchen. Ich denke, es war ein großer Rapfen, der in der Strömung richtig Tempo machen konnte. Das kenne ich von eigenen Drills zu genüge“

Wehre zählen ebenfalls zu den Hotspots für Rapfen.

 

Stärkeres Material

Ich verstärke also mein Material: 150 Meter Schnur 0,35er Mono. Das Vorfach wechselte ich auf Stahl mit 12 Kilo Tragkraft und großem Karabiner. Nicht nur  wegen der Hechte, sondern wegen des Strömungsdrills. Denn hier geht es  über Stock und Stein, und da Rapfen zum Gewässergrund flüchten, ist die Gefahr groß, dass die Schnur aufraut und im Drill gesprengt wird. Das nächste Mal am Wehr dauert nicht lange bis zum ersten Kontakt. Der Rapfen attackierte, bleibt aber nicht hängen. Nächster Versuch. Ich peitsche meinen Kunstköder jetzt noch mal 20 Meter weiter in die Strömung, kurble, was das Zeug hält, bis ein harter Einschlag und das Verbeugen meiner Rutenspitze mir signalisiert, dass der Bursche gehakt ist. Sofort zieht er in die Strömung und reist einige Meter Schnur von der Rolle. Ich halte dagegen und schließe die Bremse etwas mehr, so dass der Rapfen für jeden Zentimeter Schnurgewinn hart arbeiten muss. Jeden Moment erwarte ich das sich der Haken aufbiegt oder ausschlitzt, doch dann scheinen die Kräfte meines Gegners langsam weniger zu werden und ich kann ihn in einen Seitenarm dirigieren und landen. „Wow, was ein Fisch!“ denke ich. Bei 64 Zentimetern hat der gut und gerne 3 Kilo oder etwas mehr auf den Gräten. Als ich meine Angelsachen packe, bimmelt mein Handy und Benedict Götzfried ist am Apparat. „Na, heute Abend wolltest Du doch Rapfen fischen gehen, ging was?“ „ Logisch“ entgegnete ich und erzähle die Fanggeschichte. „Tigth lines,  aber das konnte ich mir fast denken, dass Du früher oder später gute Rapfen an Deinem Hausfluss fängst.“ Zufrieden trete ich darauf den Heimweg an in der Gewissheit, dass ich den Großrapfen in der Strömung bezwungen habe.

5 Rapfen-Tipps

1. Rapfen reagieren auf Kunstköder, wenn sie mit hohem Tempo geführt werden. Kurbeln Sie den Köder also mit hohem Tempo und ohne Stopps dicht unter der Oberfläche ein. 2. Rapfen sind eigentlich den ganzen Tag aktiv und beißen. Wenn sie nicht erkennbar rauben, fange ich sie am besten im Wehrschuss, an Turbinenausläufen, an Brückenpfeilern oder Buhnen, Strömungen. 3. In der schnellen Strömung sind schlanke, flach laufende Wobbler wie Stickbaits gute Köder. Ebenfalls sehr fängig sind schlanke Blinker, Spinner und Gummifische, wenn sie schnell genug geführt werden können. 4. Für Rapfen in starker Strömung verwende ich schweres Gerät mit einer 0,35er Monofilschnur oder Geflochtener mit 15 Kilo Tragkraft. Ein großer Rapfen geht in der Strömung ab wie die Feuerwehr. 5. Scharfe kleine, hochwertige  Drillinge oder Einzelhaken sind sehr wichtig. Denn der Biss kommt schnell und vehement. Deshalb sind viele Rapfen auch nur knapp oder von außen gehakt.

Weitere Infos zum ZIELFISCH RAPFEN finden Sie HIER

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