Angeln auf Huchen: Heiße Sommer-Huchen

Zuverlässige, starke Geräte sind Grundvoraussetzung beim Huchenangeln. Denn jederzeit kann der Große beißen.

Der Huchen gilt bei uns als ausgewiesener Winterfisch. In den Gewässern des Balkans wird er aber auch mitten im Hochsommer gefangen. Für Markus Schmidt ist der Huchen deshalb auch ein heißer Sommerfisch…

Der Schweiß rinnt mir über die Stirn, mein Hemd ist klatschnass. Die Temperaturanzeige liegt bei über 30 Grad. Ich angle auf – Sie werden es nicht erraten – Huchen. Mitten im Sommer. Wer glaubt, dass Huchenpirsch nur im Winter stattfindet, der täuscht sich gewaltig.

Schon die Gewässer sehen toll aus. Hier die Tara. Und solche Huchen wie dieser aus der Drina in Serbien leben darin.

Natürlich sind die kalten Monate von Oktober bis Februar Top-Fangzeiten. Der Grund ist aber nicht, dass Huchen nur im Winter rauben. Er liegt eher darin, dass das Nahrungsangebot dieses gewaltigen Räubers in der kalten Jahreszeit begrenzter ist als sonst im Jahr. Und damit steigen die Fangchancen. Aber auch im Sommer kann man eine spektakuläre Fischerei erleben, wenn man sich  gewisse Eigenschaften der Fische zu nutze macht. In der heißen Zeit des Jahres lässt sich der Huchen am besten in den frühen Morgenstunden oder am Abend überlisten. Zu diesen Zeiten bewegen wir uns in einer Grauzone des Tages, die wir nutzen sollten. Grundsätzlich hat man auch am Tage die Chance, Fische zu überlisten. Aber Huchen sind unglaublich schlaue Fische! Sie reagieren auf jede Veränderung außerhalb des Wassers. Nicht umsonst werden sie so groß und alt. Die alpinen Gewässer, in denen der sogenannte Donaulachs vorkommt, sind meist glasklar. Demzufolge erkennt der Fisch den Angler oft schon ehe er zum ersten Mal ausgeworfen hat. Ein bewölkter oder gar regnerischer dunkler Tag kann diese Fische in einen wahren Fressrausch versetzen. Dann ist eine außergewöhnlich gute Fischerei den ganzen Tag hindurch möglich. Sollte das Wasser dazu noch etwas angestaubt sein, steht dem Erfolg an diesem Tage nichts mehr im Wege.

Die Gewässer

Unser Autor Markus Schmidt zeigt, weshalb bei ihm auch im Sommer Huchenzeit ist.

Meine bevorzugten Huchen-Gewässer befinden sich hauptsächlich im Balkan, allen voran die Drina in Serbien, die Una in Bosnien und die Tara in Montenegro. Je natürlicher das Gewässer, desto besser. Durch ihre idealen geologischen und biologischen Voraussetzungen bieten sie eine Biomasse, die nach Menge und Größe der Fische weltweit keinen Vergleich scheuen muss. Hausgroße Felsen wechseln sich ab mit tiefen Rinnen und Schluchten unter wie über Wasser. Zweifelsohne lässt sich die später beschriebene Vorgehensweise auch auf deutsche oder österreichische Gewässer übertragen. Aber hier werden die Huchen weniger beangelt und die Fangchancen sind dementsprechend besser.Huchenpools sind meist tiefe lange Gumpen oder Kurven, oft sind sie nur schlecht oder gar nicht zugänglich. Die Wassertiefe schwankt zwischen 4 und 20 Metern. Hier lauern die Räuber in der Tiefe, um auch tagsüber den ein oder anderen Happen zu sich zu nehmen. Die Felsen sind oft metertief unterspült und bieten auch mehreren Fischen ausreichend Platz. An solchen Stellen hält sich natürlich auch die Lieblingsnahrung der Huchen auf: Es sind Nasen und Äschen. Fische bis 45 Zentimeter Länge und selbst darüber, werden ohne Probleme gejagt und gefressen. Der Huchen ist einer der schnellsten Räuber des Süßwassers. Mit 7 Metern pro Sekunde legt er ein enormes Tempo vor.

Der heiße Drill geht in die Endphase. Hoffentlich geht jetzt nichts mehr schief.

Um in die Reichweite der Fische zu kommen, benutze ich besondere Köder. Da die Stellen oft sehr tief und strömungsreich sind, fallen sie ein bisschen schwerer aus. Sogenannte Schwämme, also Mühlkoppen-Imitationen aus schwammartigem Material oder Gummi, und Silikon-Wobbler sind hier die erste Wahl. Es gibt sie in Gewichten von 20 bis 100 Gramm. Meistens setze ich hier 50 bis 70 Gramm schwere Köder ein. Sie lassen sich weit werfen und gehen schnell auf Tiefe, was wichtig ist, da man sonst am vermeintlich guten Platz schnell vorbeigeangelt hat. Hat man eine verheißungsvolle Stelle gefunden, ist es extrem wichtig, den Köder – in diesem Fall der Schwamm oder Gummifisch – direkt über den Grund hüpfen zu lassen. Besonders vielversprechend ist das an den sandigen Kanten eines Gumpens. Dort kann man perfekt eine über den Grund hüpfende Koppe imitieren. Die Anbisse sind teilweise sehr zaghaft, da man nur selten eine richtige Fressphase der Räuber erwischt. Deshalb sollte man jede verdächtige Regung des Köders sofort mit einem Anhieb quittieren. Huchen haben nämlich die Angewohnheit, alles zu begutachten und zu probieren. Doch sie riechen den Braten sofort, wenn etwas nicht stimmt. Die Rute sollte deshalb eine wirklich schnelle Aktion haben, um sofort und direkt einen Kontakt zum Fisch zu gewährleisten.

Zuverlässige, starke Geräte sind Grundvoraussetzung beim Huchenangeln. Denn jederzeit kann der Große beißen.

Das Huchenangeln in der Dämmerung und Dunkelheit ist (wenn erlaubt) ein Erlebnis besonderer Art. Im Schutz der hereinbrechenden Nacht verlässt der Huchen seinen Unterstand und kommt an die Ausläufe der Pools, um sich dort im teilweise nur oberschenkeltiefen Wasser hinter einzelnen Felsen oder Steinen zu positionieren. Von dort aus geht er auf die Jagd und schlägt urplötzlich zu. Topköder sind hier schwimmende, oberflächennah geführte Wobbler. Der Wobbler wird im Regelfall quer zur Fließrichtung ausgeworfen. Jetzt besteht die Kunst darin, den Köder so langsam wie möglich über oder an besagten Felsen vorbeitreiben zu lassen. Ein Auswurf kann dann schon mal 2 bis 3 Minuten dauern. Glaubt mir, sobald der Köder ins Wasser gefallen ist, läuten bei Freund Hucho die Alarmglocken! Er bemerkt jede Veränderung sofort und ist dann innerhalb eines Wimpernschlags am Ort des Geschehens oder auch wieder fort. Schon oft konnte ich das Schauspiel mit eigenen Augen verfolgen. Ergebnis: Gänsehautgarantie am ganzen Körper, wenn urplötzlich ein riesiger brauner Schatten den Köder verfolgt. Beim Anbiss gibt es zwei Varianten: volle Pulle oder testen und probieren. Letztere ist leider die häufigere, entsprechend schwierig ist es, den  Haken im massiven Maul des Fisches zu platzieren. Auch hier gilt: Bei jeder verdächtigen Veränderung des Köderlaufs sofort einen Anhieb setzen. Huchen nehmen manchmal den Köder auf und schwimmen mit ihm im Maul direkt auf den Angler zu. Hin und wieder wird der vermeintliche Beutefisch auch aggressiv attackiert. Also bitte die Rute fest in den Händen halten und immer konzentriert bleiben. Denn der Biss kommt oft, wenn man nicht mit ihm rechnet.

Gewinnen und verlieren

Ich erinnere mich noch genau an solch ein unerwartetes Beißen: Ich suchte den Auslauf eines riesigen Pools Wurf um Wurf nach Huchen ab. Im Zeitlupentempo bewegte sich mein bauchiger Wobbler unter der Oberfläche. Er spielte so toll, dass ich sogar durch meine schwere Rute die Bewegungen genau verfolgen konnte.

Flach laufende Wobbler, Jerkbaits und Gummifische sind Trumpf auf Sommer-Huchen.

Plötzlich spürte ich ein leichtes Zupfen. Ein Hänger an der Oberfläche, unmöglich! Das muss ein Huchen sein. Ich bin darauf gefasst, dass er jeden Moment zuschlägt. Nach zwei weiteren Würfen bestätigte sich meine Ahnung. Der Huchen hatte auch dieses Mal vorsichtig gebissen, aber mein Anhieb saß. Nach kurzem, hartem Drill lag er vor mir, mit seinen 75 Zentimetern war er noch ein Zwerg, doch die wilde Kraft des Huchens war schon zu spüren. Überglücklich hielt ich ihn in den Händen, um ihn nach ein paar Fotos wieder in sein Element zurück zu lassen. Mein Kollege Velibor meinte nach dem Fang: „Versuch’s gleich noch einmal!“ Ich staunte über diese Aufforderung, aber er hatte Recht. Die Fische schienen in höchster Alarmbereitschaft zu sein, denn schon nach zwei weiteren Würfen hatte ich den nächsten Kontakt – und der stellte alles in den Schatten, was ich vorher an der Angel hatte. Direkt nach dem Anbiss durchbrach der gewaltige Fisch die Oberfläche und schmiss sich mit wildem Kopfschütteln aus dem Wasser. Eine Situation, in der Fische häufig verloren gehen. Und auch mein Gigant ging verloren. Die ganze Aktion dauerte nicht einmal eine Minute. Aber sie ist für mich unvergesslich. Trotzdem hoffe ich, dass meine nächste Begegnung mit einem Huchengiganten länger dauert.

Hier fließen die Top-Flüsse für das sommerliche Huchenangeln im Balkan.


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