Abgezockt!

Hecht am Zocker, das ist der Hauptgewinn.

Im Spielkasino stehen Zocker meistens auf der Verlierer­seite. Beim
Angeln sieht die Sache ganz anders aus. Hier kann man als Zocker
richtig absahnen – in Form von ­Barschen, Hechten, Forellen und anderen
Räubern.

Kunstköder gibt es wie Sand am Meer, jedes Jahr kommen neue hinzu. Manche von ihnen setzen sich durch und halten sich über Jahre und Jahrzehnte, andere dagegen verschwinden schnell wieder vom Markt. Zu den Klassikern unter den Kunstködern, mit denen schon seit Generationen geangelt und gefangen wird, zählt sicherlich der Zocker. Trotzdem sind mir nur wenige Angler bekannt, die diesem Köder vertrauen und regelmäßig mit ihm fischen. Dabei können Zocker es in puncto Fängig­keit locker mit anderen Kunstködern aufnehmen. In tiefen Gewässern sind sie gegenüber Blinkern, Wobblern oder Spinnern sogar deutlich im Vorteil: Zocker sinken aufgrund ihrer kompakten Form schnell ab und dringen so auch in Wassertiefen jenseits der 10- oder 20-Meter-Marke vor dorthin, wo sich viele Räuber mit Vorliebe aufhalten. Meistens wird man solche tiefen Stellen nur vom Boot oder Belly-Boat erreichen, was aber nicht heißt, dass sich Zocker nicht für das Uferangeln eignen. Kleiner Köder, große Wirkung Denn Zocker haben noch eine andere Stärke: sie lassen sich wegen ihres hohen spezifischen Gewichts sehr gut werfen und eignen sich dadurch auch für das Spinnfischen auf Distanz egal, ob an großen Flüssen, Seen oder an der Küste. Die Bandbreite der Fischarten, die sich mit diesen Ködern fangen lassen, ist erstaunlich groß: Barsche, Hechte, Zander, Forellen, Saiblinge, Rapfen oder Quap­pen sie alle lassen sich mit den Mini-Pilkern verführen. Und obwohl Zocker meist nur zwischen fünf und acht Zenti­meter lang sind, kann man mit ihnen auch größere ­Fische überlisten. Der Leitspruch Große Köder, große Fische mag ja in vielen Fällen zutreffen. Beim Zocken habe ich aber immer wieder das Gegenteil feststellen können. Von fingerlangen Barschen bis zu Hechten jenseits der 15 Pfund-Marke ist alles möglich. Beim Zocken ist man also nie vor Über­raschungen sicher. In Verbindung mit dem relativ leichten Gerät, dass bei dieser ­Angelart Verwendung findet, kann das Zocken eine Menge Spaß bereiten und gute Fänge bescheren. Obwohl viele Angler auf geflochtene Schnüre schwören, verwende ich zum Zocken ausschließlich (dehnungsarmes) Monofil, meistens in der Stärke 0,25 Millimeter. Das Gefühl für den Köder geht durch die leichte Dehnung zwar etwas verloren, allerdings ist die Aussteiger-Quote geringer als bei der Verwendung von geflochtener Schnur. Die Rute darf ruhig etwas straffer sein, mit einem Wurfgewicht von maximal 40 Gramm. Ob Sie mit einer Stationär- oder Multirolle fischen, ist Geschmackssache. Beides hat Vor- und Nachteile.

BLINKER-Redakteur Matze Wendt hat richtig gezockt!

BLINKER-Redakteur Matze Wendt hat richtig gezockt!

Vorsicht, Hecht! In den von mir befischten norddeutschen Seen besteht die Zocker-Beute meistens aus Barschen bis etwa 30 Zentimeter. Die größeren Exemplare sind eher die Ausnahme, kommen aber immer wieder vor. Weitaus häufiger als große Barsche gehen mir jedoch Hechte an den Zocker. Normalerweise vergeht kaum ein Angeltag, an dem nicht ein Hecht im Boot liegt. Deshalb fische ich grundsätzlich mit hecht­sicherem Gerät. Die klassischen Stahlvorfächer sind für diese Zwecke allerdings völlig ungeeignet, da sie oft zu plump und auffällig sind. Die besten Erfahrungen habe ich mit Hard­mono- bzw. Fluorocarbon-Vorfä­chern in den Stärken 0,30 bis 0,35 gemacht, die wesentlich unauffälliger sind und aufgrund ihrer Abriebfestigkeit auch Hecht­zähnen einige Zeit widerstehen. Am besten fangen Zocker, wenn man sie mehr oder weniger vertikal führt, ähnlich dem Pilken im Salzwasser. Der Köder wird zum Grund gelassen, anschließend werden ein oder zwei Meter Schnur aufgenommen und man fängt an zu zocken. Man könnte auch sagen zucken, denn darum geht es eigentlich bei dieser Angelart: Man muss dem Köder mit zuckenden Bewegungen Leben einhauchen, damit er für die Räuber interessant wird. Besonders gut lässt sich vom verankerten oder bei wenig Drift auch vom treibenden Boot aus zocken. Vor allem Kanten und Barschberg-Hänge können auf diese Weise gezielt abgearbeitet werden.
Auch Barsche haben Zocker zum Fressen gern, und manchmal geht auch - wie hier -  ein Kapi­taler an den Haken.

Auch Barsche haben Zocker zum Fressen gern, und manchmal geht auch – wie hier –  ein Kapi­taler an den Haken.

Immer bergab Um solche Stellen zu finden, kommen Sie um ein Echolot nicht herum. Dabei geht es in erster Linie nicht darum, einzelne Fische zu orten, sondern die Bodenstruktur zu erforschen. Doch aufgepasst: Um beim Angeln vom Boot lästige Hänger und Köderverluste zu vermeiden, sollte man solche Stellen immer bergab befischen, sich ­also vom Flachen ins Tiefe treiben lassen. Auch das Zocken im Mittelwasser kann sich lohnen. Vor allem, wenn die Räuber unter oder in Kleinsch­schwärmen rauben. Auch für die Ortung der Schwärme ist es natürlich von Vorteil, wenn einem ein Echo­lot zur Verfügung steht. Die Klein­fischschwärme erscheinen auf dem Display meist als dichte ­Wolken, die Raubfische als sichelartige Anzeigen. Hat man die Kleinfische erst einmal gefunden, ist es eigentlich nur eine Frage der Zeit, wann sich der erste Räuber meldet. Sind die Räuber nicht sehr aktiv, zum Beispiel bei niedrigen Wassertemperaturen, kann man ihnen auch noch mit einer anderen Methode auf die Schuppen rücken. Ich nenne das punkten. Die Voraussetzungen für diese Methode sind eine geringe (Wind-) Drift, ein Echolot und ein Angelkollege im Boot, der das Rudern übernimmt. Den Ruderer können Sie auch durch einen E-Motor ersetzen Hauptsache, dass Sie das Boot auf der Stelle halten. Zuerst muss man versuchen, mit Hilfe des Echolots einzelne Fische zu orten, die direkt am oder kurz über dem Grund stehen. Am besten funktioniert das, wenn Sie sich mit dem Wind treiben lassen oder sich direkt gegen den Wind bewegen, Seitenwind ist ungünstig. Sobald das Echolot eine Sichel anzeigt, müssen Sie versuchen, das Boot wieder genau auf diese Stelle zu bewegen. Wenn Sie dann statt der Sichel einen durchgezogenen Strich auf dem Echolot-Display sehen, haben Sie alles richtig gemacht. Das Boot ist höchstwahrscheinlich direkt über dem georteten Fisch. Spätestens jetzt kommt der Ruderer bzw. der Motor zum Zuge, denn Sie müssen das Boot auf der Stelle halten. Der Rest ist einfach: den Zocker ­direkt am Boot absinken lassen und ver­suchen, damit den am Grund stehenden Räuber zu provozieren.

Tipp zum Thema

Wer zwischen Zocker und Einzelhaken ein Stück Monofil (510 cm) schaltet und den Haken mit einem Fischfetzen (Hering oder Makrele) oder mit einem Stück Watt- bzw. Seeringelwurm beködert, hat eine fängige Kombination nicht nur für Dorsch und Wittling, sondern auch für Platt­fische ­aller Art.

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