Kanalzander

„Entweder man liebt sie, oder man hasst sie!“ Schiffahrtskanäle gehören zu den häufigsten guten Zandergewässern bei uns. Ob es der gewaltige Nord-Ostseekanal im hohen Norden, das eng verzweigte Kanalnetz

um das Ruhrgebiet oder auch der Rhein-Main-Donau-Kanal im Süddeutschen Raum ist, alle Kanäle haben ähnlich gute Zanderbestände, aber auch nennenswerte Schwierigkeiten, die Fanggeheimnisse zu knacken. An guten Tagen kann man sogar als Uferangler traumhafte Stückzahlen fangen. Im Nord-Ostseekanal sind Tagesfänge von über 10 Zandern (nur Uferangeln erlaubt!)häufig möglich. Auch in den Ruhrgebietskanälen fing ich bereits „2-stellig“ und bestens ausgerüstete Bootsangler fangen am niederländischen Amsterdam-Nordsee-Kanal sogar über 200 Fische an guten Tagen. Ich habe das Gefühl bekommen, durch den allgegenwärtigen „Flussboom“ sind unsere Kanäle anglerisch entlastet und sogar besser geworden! Eine Reihe von Dalben… Kurve im Kanalverlauf… Als Jungangler bin ich mit der Kanalangelei im Ruhrgebiet groß geworden. Zugegeben, ich habe mir jahrelang die Zähne an den Kanalzandern ausgebissen. Es schien unmöglich, dem riesigen und monotonen Gewässer seine Räuber systematisch zu entlocken. Durch diese scheinbar endlose Weite ist man als Einsteiger erst einmal verzweifelt. „Wo soll ich hier bloß anfangen?“ fragt man sich vor dieser endlosen Monotonie. Ich kann Sie beruhigen, es gibt sie, die Hot Spots mit vielen Fischen. Verengung durch Bauwerk…. Liegeplatz für Boote…. ABER: Wer die Zander an einem Tag gefunden hat und dort regelmäßig Fisch erwartet, wird vom Kanal oft enttäuscht. Zu gering sind die Strukturunterschiede und damit die Versuchung der Fische, im Wasser umherzuziehen. Ein guter Kanalangler kennt und beangelt täglich viele markante Punkte. Die Stellensuche! Die Hauptherausforderung für Kanalangler ist die täglich richtige Stellenwahl! Ich hatte damals als Jungangler dafür eine sehr gute Voraussetzung: Ein Fahrrad mit Packtaschen für einfachen Gerätetransport. Es mag sein, dass Sie über mich schmunzeln, aber Sie haben damit enorme Vorteile! Zu Fuß werden Sie meistens kurzfristig zur Kategorie „Kanalhasser“ gehören. Es ist nervtötend, wenn sie sich für einen Bereich entschieden haben, in dem die Fische momentan nicht zugegen sind. Mit diesem Problem haben alle Kanalangler umzugehen und wer sich darauf einstellt, schnell und flexibel die Stellen zu wechseln, der fängt! Angler mit Fahrrad werden schnell zu den „Liebenden“ überwechseln. In Verbindung mit einer guten Karte des Gewässers kann man recht systematisch interessante Bereiche abfahren, denn Kanäle sind diesbezüglich ideal: Sogenannte „Leinpfade“ gibt es fast überall an den Kanälen (Uferinspektion und Instandhaltung) und sind perfekte Radwege. Wer mit dem Rad am Kanal entlangfährt, findet häufig sichtbare Hinweise auf gute Stellen. Für viele Angler sind sie unscheinbar: Hinweisschilder für die Schiffahrt („Kabel“/ „Ankern verboten“ / „Düker“/“Abstand vom Ufer halten), die immer auf eine Strukturänderung unter Wasser hinweisen. Schon kleinste Unterbrechungen der Monotonie bieten einen attraktiven Standplatz, der einen Angelversuch wert ist. Übergänge von Steinpackungen zu Spundbohlen, Verbreiterungen der Fahrrinne, Kurven, Schleusen, Häfen und Wendebecken mit Dalben und und sonstigen Bauwerken, alle markanten Punkte sind potentielle Fangplätze. Sehr interessant sind sogenannte Dalben, die aus mehreren Holzpfählen konstruiert wurden. Das Holzdreieck unter Wasser bietet eine wunderbare Zanderburg, die für geübte Werfer ein Muß ist! Magische Fangplätze sind fast immer bewegte Gewässerbereiche. Dort, wo Strömung entsteht, sind Top-Plätze: Schleusen, Einläufe und Fähranlegestellen Flachwasserbereich…. Es gibt nichts Schöneres, als eine wirklich gute Stelle gefunden zu haben und „ganz allein“ zu befischen. Als Jungangler hatte ich einen solchen Platz, der immer wieder gute Fische produzierte. Auf freier, gerader Strecke gab es eine Stelle, wo es zwar den einen oder anderen Hänger gab, aber immer wieder auch einen tollen Biß und Zander. Manchmal auch zwei oder drei Fische! Diese Stelle war eine echte Bank, bis eines Tages der (schöne) Spuk vorbei war. Keine Hänger, keine Fische! Wahrscheinlich hätte ich noch lange probiert, wenn mir nicht ein Spaziergänger dort den Tipp gegeben hätte, dass dort kürzlich ein ganzer VW-Käfer geborgen wurde! Der Reiz des Kanalangelns liegt auch insbesondere darin, die unsichtbaren Strukturen zu ergründen. Auch im Bereich von Brücken liegt häufig viel Unrat im Wasser. Viele Hänger, aber auch viele Fische sind dort oft zu erwarten. Versuchen Sie, Informationen auch über die Struktur im Querschnitt zu erlangen, denn die Zander stehen nicht gleich verteilt! Als geübter Twisterangler erfühlt man sich die Struktur oft. Für die Tiefenmessung auf Distanz, oder wenn man unsicher ist, hilft der GTM 40 +auch sehr gut. Er ist ein elektronisches Tiefenmessgerät, das wie ein Köder an die Rute montiert und ausgeworfen wird. Nach dem Absinken zum Boden ziehe ich das Gerät ein und bekomme präzise Informationen über die Wassertiefe (und Temperaturverteilung) angezeigt. Wann beißt der Zander besonders gut im Kanal? Das interessante am Zander ist die Tatsache, dass er eigentlich den ganzen Tag fangbar ist. Allerdings gilt es, den Fisch erfolgreich zu lokalisieren und natürlich auch die richtigen „Appetitmacher“ dort anzubieten, wo er Zander sich auch aufhält. Angler, die die Wochenendruhe genießen möchten, haben in einigen Kanälen leider schlechtere Voraussetzungen für gute Angelei. So lange Schiffe fahren, ist für Zander die Welt in Ordnung. Sie sind an das stark bewegte Wasser gewöhnt und werden durch die Schiffahrt künstlich aktiv gehalten. Für erfahrene Kanalangler ist immer besonders viel Aufmerksamkeit angesagt, wenn ein Schiff gerade vorbeifährt. Zander scheinen den Sog der Schiffe sogar aktiv für die Jagd zu nutzen. Dort, wo die Schiffahrt am Wochenende reduziert oder gar eingestellt wird, geht die Aktivität der Fische auch gegen Null! Natürlich gibt es bessere und schlechtere Beißzeiten auch im Tagesverlauf. Wie in anderen Gewässern hängen diese von den Wassertemperaturen und der Wassertrübung ab. In der Regel sind es die frühen Morgen- und Abendstunden, die besonders viel Aktivität bringen. Aber auch in der grellen Mittagssonne kann man im tieferen Wasser (vgl. Kanalprofile) und in schattigen Bereichen (Spundbohlen, länger ankernde Schiffe, Brücken usw.) erfolgreich sein. Ist durch sehr starke Schiffahrt oder Bauarbeiten das Wasser extrem trübe, kann auch die Mittagszeit zur besten Fangzeit werden. Welche Köder sind im Kanal geeignet? Man kann an der besten Stelle zur besten Zeit stehen und trotzdem nichts fangen. Kanalzander sind häufig wählerisch in ihrem Fressverhalten. Ich meine immer, sie sind etwas zurückhaltender als in anderen Gewässern. Deshalb fische ich auch meist etwas kleinere Köder (5-10, selten 15 cm). In der Regel beginne ich mit Gummiködern, die ich über viel versprechende Grundstrukturen langsamst zupfe. Kanäle können durch ihre Steinpackungen recht viele Hänger produzieren. Die Zander scheinen das zu wissen, denn sie stehen immer dort, wo´s am gefährlichsten ist. Um das Problem zu minimieren, fische ich mit sehr leichten Bananenköpfen (5-14 Gramm). Durch ihre Frontbefestigung gibt´s deutlich weniger Hänger. In den letzten Monaten habe ich einen neuen Gummiköderfür Zander schätzen gelernt: fransige Tubenjigs mit Bananenköpfen! Tubenjigs kennen wir aus der Flying Lure – Werbung, der Haken mit Bleikopf sollte jedoch unserer Angeltechnik angepasst sein. Brauntöne sind in der Regel besser, da wir mit diesen Jigs kleine Krebse am Boden vortäuschen. Natürlich müssen wir auch unsere Zupftechnik der Beutebewegung anpassen. Kleinste Zupfer direkt über den Grund sind angesagt. Häufig sind Bisse darauf einer Explosion gleich – die Zander mögen sie wohl besonders gern. Ist die Hängergefahr zu groß und der Fisch steht in der Tiefe, haben sich etwas tiefer tauchende, kleine Schwimmwobblerbewährt. Wunderschön für ausgedehnte „Spaziergänge mit Angelrute“ eignen sich Spundbohlen-Ufer. Früher waren Zocker erste Wahl, die senkrecht unter der Rute präsentiert wurden. Heute sind alle möglichen Köder für die Vertikalanglei geeignet. Gummifische mit schwereren Erie-Köpfen (14-21 Gramm) und Einhängedrillingen sind sehr gut! Sehr gern fische ich dort auch mit den Cycadas von Marek Pokutycki(14 und 25 Gramm), die allerdings nicht senkrecht unter der Rute, sondern mit einem Schnurwinkel von ca 45 Grad nach unten gezupft werden. Man spürt wunderbar die Vibration und das regelmäßige Aufticken auf den Bodengrund. Dort, wo man in Hafenbecken große Distanzen überbrücken muß, sind diese Cycadasauch die besten Weitwurfköder! In den Dämmerungsphasen und bei Nacht schwimmen die Zander häufig nicht mehr in der Tiefe, sondern nah an der Oberfläche – sehr gern über die Steinpackung. Für diese Flachwasserjäger haben sich folgende Ködersorten als besonders fängig erwiesen: 1. „Lottos“haben diesmal nichts mit Glücksspiel zu tun, sondern sind ein Gemisch aus Wobbler und Spinner zugleich (Lotto-Spinner aus dem Hause Finlandia Uistin). Sie schweben regelrecht durch´s Wasser und das äußerst leicht rotierende Spinnerblatt reizt die Seitenlinie besonders gut! Ihr Vorteil liegt darin, dass sie ein relativ hohes Eigengewicht besitzen, aber dennoch flach zu führen sind. „Jörg Spezial“ sind getunte Wobbler, die einen steigenden Kleinfisch vortäuschen. Mein Freund Jörg hat kleine, schlanke Wobbler von den vielen eher störenden Drillingen befreit und nur am Schwanz hinten eine deutlich größeren, nadelscharfen Drilling montiert. Dadurch steigen die Wobbler nach unregelmäßigen Zupfen mit dem Kopf zur Oberfläche. Genau so verhalten sich auch die kleine Ukeleis im Oberflächenwasser. Der größere Drilling am eher kleinen Köder hilft, den Zander sicherer zu haken und zu landen. Tag- und Nacht sind die besonders „echten“ Immitationen von Ukeleis und Minibrassen sehr fängig, die auch eine Stufe tiefer eingesetzt werden können. Berücksichtigen Sie möglichst viele dieser Erfahrungen und Hinweise, so werden Sie mit Sicherheit auch zu den Kanal-Liebenden gehören. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim „neuen Fahrrad fahren“… Bericht von Uli Beyer


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