Mit dem Auto zum Angeln: MeckPomm statt Madagaskar!

Florian Pippardt und Michael Werner waren mit dem Auto zum Angeln in Mecklenburg-Vorpommern unterwegs. Ihr Ziel: Hechte finden und fangen!

Die Weltkarte haben wir schnell weggepackt – im Indischen Ozean gibt’s eh keine Hechte. Unser Fokus lag auf Mecklenburg-Vorpommern, genauer gesagt auf Gewässern, die wohl niemand beangelt. Und deren Zufahrtswege findet man eher auf alten Karten statt auf Google Maps … Foto: F. Pippardt

Bild: F. Pippardt

Die Weltkarte haben wir schnell weggepackt – im Indischen Ozean gibt’s eh keine Hechte. Unser Fokus lag auf Mecklenburg-Vorpommern, genauer gesagt auf Gewässern, die wohl niemand beangelt. Und deren Zufahrtswege findet man eher auf alten Karten statt auf Google Maps …

Take me hooooome, country ­roaaaad …“ – Schlagloch! Ui ui ui, das hat geknallt. Ich ­drehe das Radio leiser und halte das Lenkrad des Sorento ordentlich fest. „Konzentration, Florian!“ ermahne ich mich selbst. Michaels kritischen Blick vom Beifahrersitz kann ich aus dem Augen­winkel sehen. Tut mir ja auch leid, aber ich will angeln! Nicht mit 30 km/h über eine Landstraße eiern, die wohl vor 80 Jahren von alliierten Bombern als taktisches Ziel zerstört und seitdem ihrem Schicksal überlassen wurde. Zugeben, dass wir zum Hechtangeln in Mecklenburg-Vorpommern so einen Roadtrip vor uns haben, hätte ich nicht gedacht. Obwohl, „Roadtrip“ passt nicht ganz: Häufig fahren wir eher offroad! Wann hier zuletzt wohl jemand mit dem Auto zum Angeln langgefahren ist?

Der Weg auf der Suche nach dem perfekten Hecht-See führte immer wieder vorbei an alten Dorfkirchen. Und unser Auto zum Angeln, ein KIA Sorento, durfte immer wieder über Kopfsteinpflaster donnern! Selbst, wenn wir verraten hätten, wo wir waren – Sie hätten es mit Sicherheit nicht erkannt. Foto: F. Pippardt

Bild: F. Pippardt

Der Weg auf der Suche nach dem perfekten Hecht-See führte immer wieder vorbei an alten Dorfkirchen. Und unser Auto zum Angeln, ein KIA Sorento, durfte immer wieder über Kopfsteinpflaster donnern! Selbst, wenn wir verraten hätten, wo wir waren – Sie hätten es mit Sicherheit nicht erkannt.

Planquadrat 36 bei Faulenrost

Die Country Road bringt uns nicht home, sondern (hoffentlich) an einen kleinen See im Herzen Mecklenburgs. Mitten auf dem Feld. Ob es da Hechte gibt? Wir wissen es nicht, denn wir haben hier noch nie geangelt. Etliche kleine, flache Seen von etwa zwei bis acht Hektar haben Michael und ich herausgesucht und auf der Karte markiert. Dafür haben wir nicht länger als eine Stunde gebraucht, denn von diesen Toteislöchern gibt es in Mecklenburg eine ganze Menge.

Kein Netz, kein Standort und keine Orientierung – der See hier ist ganz schön flach! Und hat ziemlich festen Boden. Der sah auf Google Maps aber anders aus … Foto: F. Pippardt

Bild: F. Pippardt

Kein Netz, kein Standort und keine Orientierung – der See hier ist ganz schön flach! Und hat ziemlich festen Boden. Der sah auf Google Maps aber anders aus …

Sie sind sozusagen Pfützen der letzten Eiszeit und blieben übrig, als die gefrorenen Wassermassen wieder schmolzen. Wobei – einige (hoffentlich nicht alle!) dürften doch gefroren sein, denn wir haben Januar. Es sind so viele Seen, dass manche noch nicht einmal einen Namen haben. Die meisten liegen irgendwo zwischen Planquadrat 36 und 39 einer militärgeografischen Geländeaufzeichnung von 1919 zwischen Bülow, Faulenrost und Woggersin. Wie echte Entdecker fühlen wir uns, Kolumbus-Style!

Noch einmal zusammengefasst: Wir fahren also mit dem Auto zum Angeln quer durch Mecklenburg-Vorpommern. Im Januar. Offroad, also über miese Feldwege und durch nicht vollständig kartografiertes Gebiet im ehemaligen Ostpreußen. Das klingt doch wahnsinnig erfolgsversprechend, finden Sie nicht?

Nach einiger Suche und etlichen Wendemanöver entdeckten wir ein wunderschönes Gewässer! Auto zum Angeln nah am Wasser geparkt, Bellyboote aus dem Kofferraum geholt, drei Köder in die Box gepackt und schnell die Wathose angezogen – keine 10 Minuten später waren wir einsatzbereit. Foto: F. Pippardt

Bild: F. Pippardt

Nach einiger Suche und etlichen Wendemanöver entdeckten wir ein wunderschönes Gewässer! Auto zum Angeln nah am Wasser geparkt, Bellyboote aus dem Kofferraum geholt, drei Köder in die Box gepackt und schnell die Wathose angezogen – keine 10 Minuten später waren wir einsatzbereit.

Hecht-Hopping!

Unser Auto zum Angeln ist ganz schön vollgestopft: Wir haben zwei Bellyboote im riesigen Kofferraum des Sorento. Das ideale Fortbewegungsmittel für die kleinen Gewässer, die wir beangeln ­möchten! Richtig, Mehrzahl, Gewässer: Denn sollte an See 1 nichts gehen, ziehen wir die „Bellys“ einfach aus dem Wasser, werfen sie in den Kofferraum und fahren zu See 2. Und dann morgen zu See 3, oder vielleicht auch zu See 4? Mal gucken. Je nachdem, wo wir auf beißwillige Fische treffen. Mit dem Bellyboot ist man unglaublich ­flexibel! Man erreicht Stellen, die für Uferangler völlig außerhalb der Reichweite liegen. Außerdem sind Bellyboote auch noch an Gewässern erlaubt, auf denen der klassische Angelkahn nicht getrailert werden darf. Und, ebenfalls nicht zu verachten: Bellyboote sind sehr leise.

Wir erreichen den See, ziehen die Boote aus dem Kofferraum des Sorento und werfen sie ins Gras. In die Seitentaschen kommt je eine Box mit Brot und eine Box mit Gummi­ködern. Einige Ersatz-Stahlvorfächer, etwas Mono und eine Schere stecke ich mir in die Tasche meiner Wathose. Fertig, ab in den Teich. Ein Echolot brauchen wir nicht, die ungefähre Tiefe ermitteln wir über die erste Absinkphase unserer Gummiköder am geschlossenen Rollenbügel. Einige Würfe später wissen wir: Es ist sauflach. Und zwar überall. Ich finde das super, denn so müssen wir die Fische nicht ewig suchen. Sie können schließlich nicht in die Tiefe abhauen, wenn es keine Tiefe gibt.

Gesucht und gefunden: Bereits nach vier Würfen inhalierte dieser hungrige Winterhecht den Shaker von Flo. Das ging ja schnell! Foto: M. Werner

Bild: M. Werner

Gesucht und gefunden: Bereits nach vier Würfen inhalierte dieser hungrige Winterhecht den Shaker von Flo. Das ging ja schnell!

Wendiger Gummireifen mit eingebautem Bugmotor – gut, dass unser Auto zum Angeln so geräumig ist …

Noch ein Vorteil des Bellybootes: Sie haben Ihren Bugmotor mit GPS-Anker­funktion automatisch an Bord! Der wendige Gummireifen lässt sich nämlich mit den Flossen sehr leicht manövrieren und am Platz halten. Ich paddle während des Angelns immer gegen den Wind, um möglichst ruhig zu stehen. So habe ich die allerbeste Bisserkennung in der Absinkphase. Würde ich auf den Köder zutreiben, wäre meine Schnur ständig schlaff, ich würde vorsichtige Bisse gar nicht bemerken. Bei starkem Wind muss ich die ganze Zeit paddeln, bei einer leichten ­Brise reichen einige Schläge mit den Flossen. Mit etwas Übung hat man diese Bewegung im Unterbewusstsein gespeichert und konzentiert sich ganz aufs Angeln.

Florian benutzt sehr gern Baitcastruten vom Bellyboot, denn die Rolle liegt „oben auf“ und schlägt nicht ständig gegen das Boot oder die Wathose. Außerdem entfällt das Umklappen des Bügels, und man hat sofort Kontakt zum Köder. Trotzdem ist eine leichte Stationärrolle immer dabei. Denn damit lassen sich auch kleine Köder weit werfen, die auf der Baitcaster für nervige Perücken sorgen würden. Foto: F. Pippardt

Bild: F. Pippardt

Florian benutzt sehr gern Baitcastruten vom Bellyboot, denn die Rolle liegt „oben auf“ und schlägt nicht ständig gegen das Boot oder die Wathose. Außerdem entfällt das Umklappen des Bügels, und man hat sofort Kontakt zum Köder. Trotzdem ist eine leichte Stationärrolle immer dabei. Denn damit lassen sich auch kleine Köder weit werfen, die auf der Baitcaster für nervige Perücken sorgen würden.

Apropos Angeln – kurz zum Thema Hechtköder: Ich fische einen Shaker-­Gummifisch von Lunker City in braun/chartreuse. Nur mit einem leichten Bauchgewicht ausgestattet, läuft der 15 Zentimeter lange Köder sehr flach. ­Genau das möchte ich auch! Ein hungriger Hecht hat kein Problem, sich den auffällig flankenden Köder aus größerer Tiefe oder Entfernung zu greifen. Den Shaker benutze ich meistens an unbekannten Gewässern, denn er bringt fast immer Fisch.

Die Hechte an diesem Gewässer sind aber leider nicht meiner Meinung, denn ich bekomme keinen Biss. Michael schon, aber der Hecht erwischt den Haken seines ­Streamers nicht. Also schleifen wir die Boote aus dem See, werfen sie wieder in den Kofferraum des KIA Sorento und markieren uns auf ­Google Maps den nächsten See. ­Kolumbus hatte es nicht so leicht! Aber der eine Balken E-Netz lacht uns vom Handydisplay höhnisch aus. Na gut, wahrscheinlich wurde der Telekom-Mast hier vor 80 Jahren gemeinsam mit einem Großteil des Asphalts weggesprengt …

Outdoor vom feinsten: gemütlich ist anders! Die Hechte stört so ein Wetter aber gar nicht, solange es die Tage vorher keinen heftigen Temperatursturz gab. Foto: F. Pippardt

Bild: F. Pippardt

Outdoor vom feinsten: gemütlich ist anders! Die Hechte stört so ein Wetter aber gar nicht, solange es die Tage vorher keinen heftigen Temperatursturz gab.

Hier links, da wenden, GPS-Signal verloren, ­Hilfe!

So sehr ich Mecklenburg liebe, so sehr fluche ich jedes Mal über die schlechte Netzabdeckung. Deshalb kümmere ich mich auch immer zu Hause um die Angelkarten und erledige das nicht am Wasser. Outdoor ist das eine reine Qual. Auch, wenn ich dazu die Möglichkeit hätte – dem LAV MeckPomm sei Dank. Denn alle Verbandsgewässer darf man mit einer Angelkarte beangeln. Entweder bekommen Sie diese „Mecklenburg-Marke“ über Ihren Verein für einen Zehner (!) pro Jahr – wenn Sie in einem Verein in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg oder Westfalen-Lippe organisiert sind. Falls nicht, dann online. Da sind die Karten aber etwas teurer…

Die Strecke, die wir mit dem Auto zum Angeln am nächsten Gewässer (natürlich wieder offroad) zurücklegen müssen, ist gar nicht lang. Wir brauchen trotzdem eine Ewigkeit. Gefühlt fahren wir nie länger als einen Kilometer gerade aus. Ständig meldet sich das Navi im KIA: Hier links, da rechts, dort wenden, GPS-Signal verloren, Hilfe. Aber so bekommen wir wenigstens eine unbeabsichtigte Führung durch MeckPomms schönste Dörfer! Dorfkirchen, Kopfsteinpflaster, schöne alte Fachwerkhäuser und sogar ein Schloss sehen wir.

Wir haben Glück, denn auch See ­Nummer 2 ist nicht zugefroren. Ich kann überall ­totes Kraut am Grund erkennen.Wir sind uns einig: Hier muss was gehen! Und die Hechte stimmen uns auch zu: Bereits nach vier Würfen „tockt“ es in meiner Rute, als ich dem Shaker gerade eine Spinnpause gönnen wollte. Anhieb, ich sehe ein grüne Flanke im klaren Wasser aufblitzen. Das Wasser vor mir schäumt, ich grinse. Da isser, endlich! Der Fisch ist etwa 55 Zentimeter lang und sehr träge, schnell habe ich ihn in der Hand. Keine fünf Minuten später erwischt auch Michael noch einen Räuber auf einen pinken Streamer! Er grinst: „Ich wusste, da geht noch was. Fliege klappt immer!“

Die restlichen Seen erkunden wir an diesem kurzen Wintertag gar nicht mehr. Es fängt an zu schneien, außerdem ist es schon 15 Uhr – in einer Stunde wird es dunkel. Zufrieden stiefeln wir zurück zum Sorento und verstauen alles im Kofferraum. Das Jahr ist noch lang, und die richtig gute Zeit kommt ja erst noch …

Karten? Die gibt’s hier!

Der LAV Mecklenburg-Vorpommern bietet seinen Gastanglern tollen Service. Alle Verbandsgewässer (Küste und Salmonidengewässer ausgeschlossen) können mit einer Karte beangelt werden. Falls Sie Mitglied vom LAV Brandenburg, Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Westfalen-Lippe sind, bekommen Sie die Jahreskarte für 10 Euro oder 20 Euro (Westfalen-Lippe) – das ist fast geschenkt!

Alle, die nicht in den genannten LAV organisiert sind, müssen aber nicht den Kopf hängen lassen. Denn Sie bekommen die Karten auch online! Sie bezahlen dann aber etwas mehr: Die Tageskarte kostet 12, die Wochenkarte 70 Euro.

Außerdem können Sie sich alle Gewässer in einer digitalen Karte anzeigen lassen. Für viele Seen gibt es sogar eine Tiefenkarte!

Das Auto zum Angeln war top ausgestattet – und hatte ordentlich Platz im Kofferraum

Für eine Angeltour mit allem drum und dran (gerade so ein Schlauchboot frisst ja ganz schön Platz) war das Auto übrigens perfekt geeignet. Es muss kein großer Transporter sein, wenn man den Raum nur richtig nutzt. Machen Sie sich ein Bild davon, wie geräumig das von außen recht kompakt wirkende Auto ist: Blick nach vornBlick nach hinten

1 Kommentar1 Antwort

  1. Profilbild von A. Fritzsche

    Sehr geehrter Herr Pippardt,
    wenn Sie auf der Linie Bülow, Faulenrost, Woggersin unterwegs waren, haben Sie Mecklenburg besucht. Bis ins ehemalige Ostpreußen hätten Sie noch ca. 400 Kilometer in Richtung Sonnenaufgang zurücklegen müssen. Falls Ihnen da Textzeilen aus einem der kommenden Berichte hineinkopiert wurden, freue ich mich schon jetzt auf die Schilderung Ihrer Angelerlebnisse vom Spirdingsee, Mauersee oder Löwentinsee.
    Freundliche Grüße
    Arndt Fritzsche

    • Profilbild von Florian Pippardt

      Sehr geehrter Herr Fritzsche, danke für Ihr Feedback!

      Und natürlich haben Sie völlig Recht – mein Geographie-Lehrer hätte mir für den Text keine 1 gegeben. Ich habe diesen Teil überspitzt dargestellt, um dem Artikel etwas Witz zu verleihen. Schade, dass mein Augenzwinkern wohl nicht klar herauskommt. Ich hoffe, der Artikel hat Ihnen (abseits davon) trotzdem gefallen! Viele Grüße aus der Redaktion, Florian Pippardt.

      P.S.: Eine Reise an die südfinnischen Masuren ist eine hervorragende Idee… 😉


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