Angeln auf Madeira: Die Blumeninsel ist ein Paradies für Angler

Die portugiesische Insel Madeira liegt mitten im Atlantischen Ozean und ist als Blumen- und Wanderinsel bekannt – aber Angelinsel wäre vermutlich ebenso passend für diesen Ort. Unser niederländischer Kollege Pieter Beelen nimmt Sie mit in den Urlaub.

Angeln auf Madeira

Bild: P. Beelen

Fisch im Drill: Beim Angeln auf Madeira kann man einiges erleben.

Mit meiner Freundin Lia ging es im Juni 2024 für einen zweiwöchigen Urlaub zum Angeln auf die Blumeninsel Madeira. Obwohl vor der Küste Nord-West-Afrikas gelegen, gehört die malerische Atlantikinsel Madeira zu Portugal. Madeira ist durch schroffe Lava-Steilküsten gekennzeichnet und alleine der beeindruckenden Landschaft wegen schon eine Reise wert.

Die zerklüftete und üppig begrünte Vulkanlandschaft Madeiras lädt zu ausgiebigen Wander- touren ein und bietet auch für Nichtangler jede Menge!

Bild: P. Beelen

Die zerklüftete und üppig begrünte Vulkanlandschaft Madeiras lädt zu ausgiebigen Wandertouren ein und bietet auch für Nichtangler jede Menge!

Am ersten Tag waren wir nach der Anreise noch etwas müde und ließen uns entspannt an einigen natürlichen Pools auf den Lavafelsen nieder. Lia ging im klaren Wasser schwimmen und schnorcheln, während ich etwas weiter in den Gezeitenpools bereits den ersten Fisch der Reise fing. Ein schöner Anfang!

Am nächsten Tag mussten wir extra früh aufstehen, weil ich einen Angelcharter gebucht hatte. Ricardo von Madeira Sight Casting berichtete, dass die Köderfischschwärme vor der Küste sich normalerweise schon bald nach Sonnenaufgang wieder verziehen, sodass wir bereits um 5.15 Uhr am Yachthafen sein mussten.

Das Madeira-Abenteuer beginnt mit dem Köderfang

Noch im Dunkeln fuhren wir zum Hafen von Funchal, der Hauptstadt Madeiras, wo Ricardo und sein Kollege Sergio bereits auf uns warteten. Bevor es später auf die größeren Meeresräuber gehen sollte, mussten wir erstmal Köderfische fangen, denn die würden einen großen Teil des Erfolgs des Tages ausmachen. Ich fischte mit Sergio nach Stöckermakrelen, die zu dieser Zeit leider rar waren. Glücklicherweise gelang es uns, immerhin etwa 15 Stück zu fangen.

Sergio montierte eine Makrele als Köder und ich wurde angewiesen, die Rute in 134 m Tiefe auf den Grund abzulassen und dann 3 m hochzukurbeln. Es dauerte nicht lange, bis meine Rutenspitze einmalkurz wippte. „Einholen!“, rief Ricardo. Doch es war zu spät, leider hatte ich den Biss verpasst, der Köderfisch hing nur noch in Fetzen am Haken. „Das war eine Rosa Zahnbrasse“, versicherten mir die Skipper. Ahh! Dieser Fisch war mein Hauptziel auf dieser Reise, und nun hatte ich die erste Chance vergeigt.

Die meisten Bisse bringen Köder- fische wie Stöckermakrelen, die in der Regel an mehreren Einzelhaken montiert werden.

Bild: P. Beelen

Die meisten Bisse bringen Köderfische wie Stöckermakrelen, die in der Regel an mehreren Einzelhaken montiert werden.

Buckelköpfe und Bernsteinmakrelen beim Angeln auf Madeira

„Jammer nicht rum, sondern fang jetzt einfach einen Fisch!“, sagte ich mir. Es dauerte tatsächlich weniger als fünf Minuten, bis ich einen weiteren Biss hatte. Diesmal holte ich sofort viele Meter Schnur ein und hörte nicht mit dem Kurbeln auf, bis der Fisch anfing, Schnur zu nehmen. Nach einem knackigen Drill tauchte schließlich eine schöne Zahnbrasse auf, die Lia sofort fotografieren konnte. So schön! Der Druck war weg und das Ziel erreicht.

Nach einer Weile bekam ich einen dritten Biss, der einen noch größeren Zahnbrassen hervorbrachte. Beide Fische waren Weibchen. Die Männchen entwickeln einen großen Buckel hinter dem Kopf und sehen wirklich fremdartig aus. Die würde ich gerne fangen, aber ein fetter Amberjack stand auch noch ganz oben auf meiner Wunschliste. Amberjacks, auch Große Bernsteinmakrelen genannt, gibt es hier im Überfluss. In der Woche vor meinem Besuch herrschte „Bernsteinmakrelenmanie“.

Viele Fische von weit über 30 kg wurden gefangen. Hin und wieder gehen auch richtig kapitale Amberjacks von 40, 50 oder 60 kg an den Haken. Dann stehen dem Angler anstrengende Drills bevor. Man braucht natürlich auch immer etwas Glück bei der Planung einer Reise, um dann so eine heiße Phase zu erwischen. Und auch die Tageszeit schien eine große Rolle zu spielen: Die Aktivität der Fische nahm mit zunehmender Sonneneinstrahlung nun drastisch ab. Zum Glück wurde der Köderfisch noch ein letztes Mal attackiert. Ich fing einen wunderschönen Lesser Amberjack – eine kleinere, wunderschöne Unterart der Großen Bernsteinmakrele. Aber bereits dieser Fisch sorgte für einen temperamentvollen Drill.

Nach dem Hänger gibt es Feinkost aus der Tiefsee

Ich hatte einen ganzen Tag gebucht, und der zweite Teil des Tages war dem Tiefseefischen gewidmet. Die Skipper hatten eine elektrische Rolle dabei, aber ich – stur, wie ich bin – wollte zuerst meine eigene, muskelbetriebene Rolle in ganzen 430 m Tiefe ausprobieren. Ich hoffte auf eine besondere Art von Meerbrassen, die in der Tiefe lebt und die sie auf Madeira „Goraz“ nennen.

Ich schickte ein Paternoster mit Tintenfischstücken beködert und einem 500 g schweren Blei in die Tiefe. Nachdem wir eine Weile gedriftet waren, gab es plötzlich einen Hänger. Mit Glück bekam ich ihn aber gelöst und dann die große Überraschung: Dort hing doch tatsächlich ein Goraz, mein zweites Ziel des Tages an einem der Haken! Vor dem Abendessen fingen wir noch ein paar mehr, denn diese Fische schmecken absolut hervorragend! Müde und zufrieden machten wir uns auf den Weg zum Yachthafen.

Während der Reise durften leckere Fischgerichte nicht fehlen.

Bild: P. Beelen

Während der Reise durften nach dem Angeln auf Madeira auch leckere Fischgerichte nicht fehlen.

Amberjacks angeln auf Madeira

Ein paar Tage später war ich mit Kapitän David unterwegs. Schleppangeln brachte leider nichts, und auch Slow-Jigging schien die Fische nicht zu überzeugen. Ich wechselte zu einem Speed-Jig, um den Fischen mit einer schnellen Köderführung keine Zeit zum Nachdenken zu geben.

Schon bald gab es einen aggressiven Biss auf den Highspeed-Köder. Mit der superleichten japanischen Jigging-Rute verlief der Drill problemlos. Ein großer Lesser Amberjack machte meinen Tag perfekt. Leider blieben die Großen Bernsteinmakrelen erneut aus, sodass mir kaum etwas anderes übrigblieb: Ich buchte zwei Tage später einen weiteren halben Tag mit Sergio und Ricardo. Doch es war ein schwieriger Tag.

Wir hatten bereits allergrößte Mühe, überhaupt Köderfische zu fangen. Die Zahnbrassen bissen später ebenfalls sehr zaghaft, konnten nicht gehakt werden oder stiegen nach wenigen Sekunden wieder aus. Die Köderfische wurden manchmal kaum angekratzt. Diese Zahnbrassen beißen manchmal mehr aus Aggression, und dann sind sie extrem schwer zu haken. Glücklicherweise blieb schließlich einer hängen – und es war ein Männchen mit ausgeprägtem Buckel! Ein schönes Exemplar von 85 cm und 6,4 kg.

Die Rosa Zahnbrasse (auch „Pargo“ ge- nannt) ist ein absoluter Charakterfisch und nebenbei eine echte Bereicherung in der Küche

Bild: P. Beelen

Die Rosa Zahnbrasse (auch „Pargo“ genannt) ist ein absoluter Charakterfisch und nebenbei eine echte Bereicherung in der Küche.

Leider habe ich keine Bernsteinmakrele gefangen, aber die anderen Boote fuhren ganz ohne Fisch nach Hause und so beginne ich auch, an den Status von Sergio zu glauben – immerhin ist er als der beste Fischer der Insel bekannt!

Bunte Tüte beim Uferangeln auf Madeira

Die restlichen Tage angelte ich immer kurze Sessions vom Ufer aus. Auch das Uferangeln auf Madeira bietet einige Möglichkeiten. Ich hatte getrocknete Seeringelwürmer mitgebracht und die Fische waren verrückt danach. Ich fing eine neue Schleimfischart (Ophioblennius atlanticus), die normalerweise nur Algen frisst, aber irgendwie schnappte sich die sehr schwierig zu fangende Art trotzdem das Stück Seeringelwurm. Auch den wunderschön grün gefärbten werde ich so schnell nicht vergessen. Er ist ein absolutes Juwel unter den Fischen.

Wer auf Madeira zum Angeln vom Ufer gehen möchte, sollte über die nötige Trittfestigkeit und passendes Schuhwerk verfügen, denn die Küste ist nicht selten steil und schroff, und der wilde Atlantik prallt mit seiner ganzen Kraft auf die Lavafelsen und erzeugt auch mal kräftigere Wellen. Manchmal war es beim Angeln wirklich eine Herausforderung, ruhige Uferbereiche mit einer nicht zu steilen Uferlinie zu finden.

Uferlinie beim Uflerangeln auf Madeira

Bild: P. Beelen

Beim Uferangeln auf Madeira kommt es machmal zu kräftigeren Wellen.

Zum Glück hat Google Maps die Lösung geliefert. Besonders gerne habe ich auf scheue Meerbrassen geangelt – mit einem Stück Brot und dünnen Fluorocarbon-Vorfächern. Diese Fische sehen alles und man muss sie gut füttern, bevor sie regelmäßig beißen. Ich habe eine schöne Sattelfleckbrasse von 33 cm gefangen, die sich an meinem leichten Gerät heftig gewehrt hat.

Uferangeln auf Madeira

Bild: P. Beelen

Beim Uferangeln auf Madeira keine Seltenheit: Eine schöne Sattelfleckbrasse.

Plötzlich schnappte etwas sehr Starkes nach meinem Stück Brot. Die 12-g-Rute verbeugte sich ehrfürchtig und die Bremse kreischte während der unaufhaltsamen Flucht. Einen Moment lang hatte ich wirklich Angst, dass meine Schnur nicht reichen würde, aber zum Glück konnte ich den Kampf gewinnen. Es war ein Pompano. Diese Fische haben eine unglaubliche Kraft, wie ich nun selbst erfahren musste. Der Fisch war 42 cm lang und so abgeflacht, dass er kaum ein halbes Kilo wog. Im Verhältnis zu seinem Gewicht wahrscheinlich der stärkste Fisch, den ich je gefangen habe!

Verglichen mit der Größe sind Pompanos vielleicht die stärksten Fische der Welt: Dieser 42 cm lange Fisch forderte das Gerät des Autors bis zum Limit.

Bild: P. Beelen

Verglichen mit der Größe sind Pompanos vielleicht die stärksten Fische der Welt: Dieser 42 cm lange Fisch forderte das Gerät des Autors bis zum Limit.

Wir werden auf jeden Fall wiederkommen, denn diese Insel bietet nicht nur als Angler etwas. Auch das Wandern und Surfen war hier wunderbar… und ich habe ja außerdem noch eine Rechnung offen mit Mister Amberjack.

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