Erfolg an neuen Ufern: Wie kann man die Karpfen finden?

Marvin Heins und Florian Pippardt wissen, wie sie an ­fremden Seen Karpfen finden und was Sie beachten sollten, um schnell und sicher zum Erfolg zu kommen.

Auffällige Köder wie dieser neon­farbene Pop-Up-Boilie werden von Fischen schneller gefunden. Foto: F. Pippardt

Bild: F. Pippardt

Auffällige Köder wie dieser neon­farbene Pop-Up-Boilie werden von Fischen schneller gefunden.

Die Falle ist gestellt, meine Montagen liegen am Platz. Die Sonne geht langsam unter. Ich sitze in meinem gemütlichen Stuhl und versuche mich zu entspannen. Doch eine innere Unruhe lässt mich nicht so recht runter kommen. Karpfen finden ist kein leichtes Unterfangen. Zweifel machen sich breit. Stimmt mein Futter? Halten sich hier überhaupt Fische auf? Vielleicht hätte ich doch die andere Seeseite wählen sollen!

Kommt Ihnen das bekannt vor? Ja? Dann sollten Sie weiterlesen! Wir geben Ihnen ein paar handfeste Tipps, die Ihnen ein Stück der Ungewissheit nehmen, wenn Sie sich auf neues Terrain wagen. Und wenn Sie sich für das Angeln auf Karpfen interessieren, haben wir das richtige Magazin für sie parat!

Am Seerosenfeld sollte immer eine Rute platziert werden, solange das Wasser warm ist. Die Karpfen finden hier Deckung und Nahrung.

Bild: F. Pippardt

Am Seerosenfeld sollte immer eine Rute platziert werden, solange das Wasser warm ist. Die Karpfen finden hier Deckung und Nahrung.

Vorgehen an neuen Gewässern mit Boot

Falls Sie die Möglichkeit haben – nehmen Sie sich ein Boot! Das ist gerade bei der Stellensuche ein großer Vorteil. Zunächst wird das Boot nur mit den Geräten beladen, die zur Spotsuche benötigt werden: ein Echolot und ein Tastblei. Ruten, Rollen und Co. bleiben erst einmal im Auto. Man fährt auf den See hinaus und sieht sich um. Dabei achtet man vor allem auf die Richtung, aus der der Wind kommt. Wenn möglich, sollte immer auf der windzugewandten Seite des Sees geangelt werden.

Im Sommer sind die Hotspots oft leicht zu finden: Seerosenfelder, überhängende Bäume und Schilfkanten sind immer einen Versuch wert. Karpfen finden hier Schutz. Aber selbst solche offensichtlichen Stellen können sich als absolute Nieten entpuppen. Verliert der überhängende Baum im Herbst seine Blätter, fallen diese ins Wasser und zersetzen sich. Im Laufe einiger Jahre kann das zu extrem (faul-)schlammigem Grund am vermeintlichen Hotspot führen. Nicht gut!  Außerdem macht es nicht immer Sinn, nur die flachen Stellen des Sees zu beangeln. Durchmischt sich das Wasser im Herbst, kühlen die flachen Zonen ab und die Karpfen ziehen tiefer. Ein anderes Szenario: Das Gewässer besitzt weder Seerosen­felder, noch Schilf oder Bäume, sondern nur steile Uferkanten. Wohin sollte man die Ruten dann legen? Genau aus diesen Gründen brauchen wir einen kompletten Überblick über die Gegebenheiten unter Wasser.

Das weiche Vorfach des Safety-Rigs ist unauffällig, verwickelt sich aber und sollte mit dem Boot ausgebracht werden.

Bild: F. Pippardt

Das weiche Vorfach des Safety-Rigs ist unauffällig, verwickelt sich aber und sollte mit dem Boot ausgebracht werden.

Technik hilft beim Karpfen finden

Das Echolot ist unser bester Freund bei der Stellensuche. Mit ihm sucht man nach Plateaus, Kanten oder Krautfeldern mit möglichst hartem Grund. Auch Engstellen, die man über Google Maps am einfachsten entdeckt, sind oft Hotspots. Neben dem Echolot sollte außerdem ein schweres Blei, befestigt an einer dicken Geflochtenen, im Gepäck sein. Mit diesem lässt sich der Grund abtasten. So findet man heraus, wie der Boden beschaffen ist – das ist später für die Wahl der Montage entscheidend!

Wurde eine vielversprechende Stelle gefunden, setzt man eine Stabboje ins Wasser. Diese besteht aus einer langen Stange mit flexibel befestigtem Gewicht am Ende. Alternativ kann man auch Markerbojen (auch H-Marker genannt) verwenden. Allerdings haben H-Marker den Nachteil, dass ein gehakter Karpfen in die Schnur schwimmen und sich darin verwickeln kann.

Mit dem Echolot werden interessante Strukturen gesucht, das Klopfblei verschafft Gewissheit über die Bodenhärte.

Bild: F. Pippardt

Mit dem Echolot werden interessante Strukturen gesucht, das Klopfblei verschafft Gewissheit über die Bodenhärte.

Um die markierte Stelle wird dann gefüttert. Verwenden Sie Partikel und Pellets, diese geben schnell Duftstoffe ans Wasser ab und sättigen die Fische nicht. Füttern Sie „wenig und weit verstreut“. Durch die breite Streuung minimiert man die Gefahr, nur eine „tote“ Stelle zu befüttern. Die Wahrscheinlichkeit, eine „Fressbahn“ der Karpfen zu erwischen, ist deutlich höher, wenn man einen großen Futterplatz anlegt. Diese Futtertaktik zielt voll darauf ab, einen schnellen Biss zu bekommen. Das ist es, was man an einem neuen Gewässer erreichen möchte: Erfolg, um Motivation und Vertrauen zu schaffen. Auch bei den Hakenködern sollten Sie voll auf Attraktivität setzen: Bunte Pop-Ups oder Boilies, garniert mit farbigen Kunstmaiskörnern, werden von den Karpfen schnell gefunden und bringen oft schon nach kurzer Zeit Bisse. Benutzen Sie einfach Köder, mit denen Sie am Heimatgewässer schon gut gefangen haben.

Mit dem Echolot werden interessante Strukturen gesucht, das Klopfblei verschafft Gewissheit über die Bodenhärte.

Bild: F. Pippardt

Mit dem Echolot werden interessante Strukturen gesucht, das Klopfblei verschafft Gewissheit über die Bodenhärte.

Dicke Gewichte

Ein weiterer Vorteil des Bootes: Man hat damit die Möglichkeit, die Montagen herauszufahren und sauber am Grund abzulegen.

Rute Nummer Eins bleibt beim Ausbringen der Montagen mit geöffnetem Bügel am Ufer, die andere wird mit aufs Boot genommen. Blei und Vorfach der ersten Rute werden am Spot abgelegt. Die Montage der zweiten Rute wird am anderen Platz ins Wasser gelassen, die Rute mit geöffnetem Bügel zurück an Land gefahren. Niemals die Bremse anstelle des Bügels öffnen, sonst verdrallt die Schnur! Verwenden Sie unbedingt schwere Bleie von mindestens 100 Gramm Gewicht, sonst wird die Montage beim Zurück­rudern über Grund geschliffen.

Die Vorfachlänge der Montage ist vom Gewässergrund abhängig: Ist der Boden eher weich, sollten lange Vorfächer zwischen 25 und 30 Zentimetern verwendet werden. Dadurch liegt der Köder auch dann noch frei, wenn das schwere Festblei im schlammigen Boden versinkt. Bei hartem Grund kann das Rig ruhig etwas kürzer sein. Grundsätzlich gilt – je kürzer das Vorfach, desto besser funktioniert der Selbsthakeffekt.

Die Freude über den ersten Fisch am unbekannten ­Gewässer ist größer als die über den zwanzigsten Vereins­teich-Karpfen.

Bild: F. Pippardt

Die Freude über den ersten Fisch am unbekannten ­Gewässer ist größer als die über den zwanzigsten Vereins­teich-Karpfen.

Boote verbo(o)ten? Wie kann ich jetzt die Karpfen finden?

Leider sind Boote nicht überall erlaubt, und nicht jeder Angler besitzt eins. Aus diesem Grund möchten wir auch nochmal auf das Vorgehen ohne schwimmendes Gefährt eingehen. Das kostet zwar etwas Aufwand, doch wer den nicht scheut, fängt genauso gut! Die Suche nach der „richtigen“ Ecke des Sees unterscheidet sich überhaupt nicht vom Bootsangeln. ­Genauso ist hier die Windrichtung sehr wichtig: Auch wenn man dafür einen ausgedehnten Spaziergang mit Gerät um den See auf sich nehmen muss, lohnt es sich immer, mit der „Nase im Wind“ zu angeln.

Mit einem ordentlichen Wurf kriegt man den Köder auch vom Ufer auf eine hohe Wurfdistanz. Die Karpfen finden einen auffälligen Pop-Up auch so sehr einfach.

Bild: F. Pippardt

Mit einem ordentlichen Wurf kriegt man den Köder auch vom Ufer auf eine hohe Wurfdistanz. Die Karpfen finden einen auffälligen Pop-Up auch so sehr einfach.

Schwieriger wird es, die Bodenbeschaffenheit und eventuelle Strukturen vom Ufer herauszufinden. Die zwei Hilfsmittel sind hier Lotrute und Tastblei. Damit lassen sich Tiefe sowie Boden­beschaffenheit erfühlen. Verwenden Sie dabei eine geflochtene Schnur, denn Monofil „schluckt“ jegliche Information über die Gegebenheiten unter Wasser. Hat man eine interessante Stelle gefunden, wird die Schnur eingeclippt, so findet man diesen Spot wieder.

Ebenfalls etwas schwieriger ist das Füttern vom Ufer. Vor allem kleine Partikel lassen sich nicht auf Weite bringen. Deshalb brauchen Sie unbedingt eine Futterrakete. Damit können Sie Partikelköder zielsicher zum Spot schleudern. Optimalerweise haben Sie auch noch ein Wurfrohr und eine Futterkelle im Gepäck.

Erst Karpfen finden - dann Karpfen anfüttern. Das Wurfrohr (hinten) eignet sich für Boilies, die Rakete (vorn) für Partikelköder.

Bild: F. Pippardt

Erst Karpfen finden – dann Karpfen anfüttern. Das Wurfrohr (hinten) eignet sich für Boilies, die Rakete (vorn) für Partikelköder.

Sieht man keine Fischaktivität an der Oberfläche, ist es schwer abzuschätzen, in welcher Tiefe die Karpfen stehen. Legen Sie also ihre Ruten immer an unterschiedlich tiefen Stellen aus. Einfacher wird es, wenn man einen ­Freund dabei hat. Man kann sich absprechen und vier Ruten an unterschiedlichen Plätzen ablegen. Das erhöht die Chance, einen Biss zu bekommen, noch weiter!

Verwicklungsfrei für keine Zweifel

Die Spots sind ausgewählt und man hat ordentlich angefüttert. Doch trotzdem tut sich die ganze Nacht nichts. Beim Einholen der Montage sieht man, woran es gelegen hat – sie hat sich total verknotet. Dieses Szenario ist nicht unbekannt. Doch diese Enttäuschung kann man sich sparen, wenn man das richtige Rig in der richtigen Situation verwendet. Für weite Würfe empfiehlt sich das Chod-Rig. Für kurze Distanzen, zum Beispiel einen ­Pendelwurf unter einen Busch, kann man ein ummanteltes geflochtenes Vorfach mit Safety-Clip-Montage einsetzen.

Das Chod-Rig (hier ein „Naked Chod“) besitzt einen steifen Seitearm, der sich nie mit der Hauptschnur verwickelt. Das Rig wird mit Pop-Ups bestückt.

Bild: F. Pippardt

Das Chod-Rig (hier ein „Naked Chod“) besitzt einen steifen Seitearm, der sich nie mit der Hauptschnur verwickelt. Das Rig wird mit Pop-Ups bestückt.

Egal ob kleiner Teich oder riesiger See, die Taktik bleibt gleich. Die Schwierigkeit beim Erkunden neuer Gewässer ist das Verlassen der eigenen Komfortzone: Man muss sich losreißen vom bewährten See, an dem es seit Jahren so gut läuft, den Aufwand, die Anstrengung und vielleicht auch viele fanglose Angeltage am neuen Gewässer auf sich nehmen. Das alles ist aber vergessen, wenn man es tatsächlich geschafft hat, das Gewässer zu knacken und den ersten Fisch in die Kamera halten kann. In diesem Moment zählt dann auch nicht das Gewicht des Fangs, sondern einfach nur der Fisch an sich. Das ist es, was das Befischen neuer, fremder Gewässer ausmacht.

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