Eine Langzeitstudie im Shark Reef Marine Reserve auf Fidschi belegt, dass der Bullenhai Kontakte bewusst wählt. Die Tiere interagieren nicht zufällig, sondern zeigen klare Vorlieben für bestimmte Individuen, während sie andere meiden. Forschende beobachteten, dass sich Haie häufig in unmittelbarer Nähe zueinander aufhalten, gemeinsam schwimmen oder sich in sogenanntem „Führen-und-Folgen“-Verhalten koordinieren.
„Als Menschen pflegen wir eine Reihe von Beziehungen – von lockeren Bekanntschaften bis zu unseren besten Freunden, aber wir gehen bestimmten Personen auch aus dem Weg. Und die Bullenhaie machen etwas ähnliches“, sagt Wissenschaftlerin, Hauptautorin der Forschungsarbeit und Gründerin von Fiji Shark Lab, Natasha D. Marosi.
Sechs Jahre Forschung zum Bullenhai
Über einen Zeitraum von sechs Jahren untersuchten Wissenschaftler das Verhalten von 184 Bullenhaien in drei verschiedenen Lebensphasen – vom Jungtier bis zum älteren Tier. Dabei zeigte sich: Besonders erwachsene Bullenhaie sind sozial stark vernetzt und bilden den sozialen Kern. Ein weiteres interessantes Detail: Bullenhaie interagieren bevorzugt mit Artgenossen ähnlicher Größe. Das deutet darauf hin, dass körperliche Eigenschaften eine wichtige Rolle in ihrer sozialen Struktur spielen.
Sowohl männliche als auch weibliche Bullenhaie halten sich häufiger in der Nähe von Weibchen auf. Gleichzeitig haben männliche Tiere insgesamt mehr soziale Kontakte. Ein möglicher Vorteil: Da männliche Bullenhaie meist kleiner sind, profitieren sie von ihrer sozialen Einbindung, um Konflikte mit größeren Tieren zu vermeiden, vermutet Marosi.

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Meeresschutzgebiete sind enorm wichtig für die Forschung. Denn nur dort wo viele Haie vorkommen, kann man sie auch in ihrer natürlichen Umgebung studieren.
Das Alter beeinflusst das Sozialverhalten
Mit zunehmendem Alter verändert sich das Verhalten der Bullenhaie deutlich. Ältere Tiere sind weniger sozial aktiv, während erwachsene Tiere besonders stark vernetzt bleiben. Das könnte daran liegen, dass ältere Tiere deutlich größer sind und im Laufe der Jahre bereits ihre Fähigkeiten, was Fortpflanzung und Jagd angeht, geschult haben. Sozialverhalten könnte für diese Tiere daher eine geringere Rolle für das Überleben spielen. Jungtiere hingegen halten sich oft in küstennahen Gebieten oder Flussmündungen auf und meiden größere Haie – auch aus Selbstschutz. Einige mutigere Jungtiere wagen sich jedoch in soziale Gruppen und knüpfen Kontakte zu älteren Bullenhaien. Diese könnten eine wichtige Rolle beim Lernen und bei der Integration spielen.
Haie sind soziale Wesen!
Die Erkenntnisse dieser Studie stammen aus einer der am längsten laufenden Hai-Ökotourismus-Tauplätzen der Welt.
„Das Shark Reef Marine Reserve ist ein Schutzgebiet, wo sich das ganze Jahr über viele Haie aufhalten. Das gibt uns die Möglichkeit, einzelne Haie über die Zeit wiederholt zu studieren.“, so Marosi.
Die sozialen Strukturen beim Bullenhai sind nicht nur spannend, sondern auch entscheidend für den Artenschutz. Ein besseres Verständnis dieser Beziehungen hilft Forschern und Behörden, gezielte Schutzmaßnahmen zu entwickeln. Die Studie zeigt klar: Der Bullenhai ist weit mehr als ein instinktgetriebener Einzelgänger. Er lebt in komplexen sozialen Netzwerken, die ihm helfen, zu lernen, Nahrung zu finden und Konflikte zu vermeiden – ein faszinierender Einblick in das geheime Sozialleben der Ozeane.
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Wissenschaftliche Veröffentlichung
„Rolling in the deep: drivers of social preferences and social interactions within a bull shark aggregation in Fiji” by Natasha D. Marosi, Samuel Ellis, David M.P. Jacoby, Juerg M. Brunnschweiler and Darren P. Croft, 17 March 2026, Animal Behaviour.
DOI: 10.1016/j.anbehav.2026.123511
Quelle: SciTechDaily









