940.000 Aale für Schleswig-Holstein

Fast eine Million Aale wurden in verschiedenen Gewässern Schleswig-Holsteins besetzt, was dem Bestand deutlich unter die Arme greifen sollte.

Aal Angler am Fluss in der Abenddämmerung

Bild: W. Krause

Wenn wir weiterhin solche schönen Aale fangen wollen, kommen wir um Besatzfische aktuell kaum herum.

Auch in diesem Jahr wurden in Schleswig-Holstein erneut Glasaale besetzt. Insgesamt verteilten sich 313,33 Kilogramm der jungen Aale auf geeignete Gewässer im Land. Bei einem durchschnittlichen Stückgewicht von rund einem Drittel Gramm entspricht dies etwa 940.000 Individuen. Besetzt wurden unter anderem der Nord-Ostsee-Kanal mit angeschlossenen Seen, der Elbe-Lübeck-Kanal mit seinen Nebengewässern, die Trave sowie die Elbe. Wie bereits in den Vorjahren gilt dabei: Für den Aalbesatz werden ausschließlich Gewässer ausgewählt, aus denen eine spätere Abwanderung der Blankaale ohne größere Hindernisse möglich ist.

Tote Aale

Bild: Johannes Rottländer/RhFV

Kraftwerksturbinen sind einer der todbringenden Faktoren für den Aal.

Das Sterben in Turbinen

Der Aal war früher eine typische und weit verbreitete Fischart in Schleswig-Holstein und kam vielerorts häufig, teils sogar in großen Mengen vor. Heute stellt sich die Situation deutlich anders dar: Der Bestand des Europäischen Aals ist seit den 1980er-Jahren stark zurückgegangen. Der Bestand befindet sich  weiterhin auf einem sehr niedrigen Niveau, wobei derzeit keine weitere Abnahme festgestellt werden kann. Die genauen Ursachen dieser Bestandskrise sind nach wie vor nicht abschließend geklärt. Als mögliche Faktoren gelten Lebensraumverlust, Sterben in den Turbinen, Schadstoffbelastung, Krankheiten, Parasiten, Räuberdruck sowie großräumige Veränderungen im Meer infolge des Klimawandels (Clavero & Hermoso, 2015).

Aalbesatz

Bild: F. Schlichting

Ca. 313 Kilogramm junge Aale wurden in die Gewässer in S-H verteilt.

Kaum Aal ohne Besatz

Vor diesem Hintergrund bleibt der Aalbesatz in Schleswig-Holstein von zentraler Bedeutung. Erfahrungen und begleitende Untersuchungen der vergangenen Jahre zeigen, dass diese Maßnahmen in den Gewässern Wirkung entfalten: In besetzten Bereichen nehmen die Bestände zu, und in vielen Systemen beruht ein erheblicher Teil des heutigen Aalvorkommens auf diesen Besatzmaßnahmen. Bei Befischungen lassen sich inzwischen wieder vermehrt Blankaale nachweisen, die überwiegend aus Besatz stammen dürften. Dies gilt insbesondere für die Bereiche der Elbe, des Nord-Ostsee-Kanals und des Elbe-Lübeck-Kanals. Der Erhalt des Aals im Land ist derzeit ohne aktive Bestandsstützung kaum möglich. Genau darauf zielen auch die europäischen Aal-Managementpläne ab: Es sollen wieder mehr Blankaale aus geeigneten Gewässern ins Meer abwandern können. Die EU-Aalverordnung nennt den Besatz geeigneter Binnengewässer ausdrücklich als ein entsprechendes Instrument.


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