Zähne zeigen – Biologie der Fischzähne

Wer mehr über Fische erfahren will, der sollte sich Gedanken über ihre körperlichen Voraussetzungen machen. Aus dem Aufbau des Körpers lässt sich viel über seine Funktion lernen. Die Zähne der Fische verraten uns einiges darüber, wie sie jagen und Beute machen.

Man sieht im Profil das Maul eines Tigerfisches.

Bild: Oliver Portrat

Furchteinflößender Tigerfisch: Ist die Beute von seinem Reißzahn gepackt, gibt es kein Entkommen.

Die Zähne sind nach Einschätzung vieler Evolutionsbiologen einer der Hauptgründe für die Erfolgsgeschichte aller Wirbeltiere. Dank ihrer mit Zähnen bewehrten Kiefer beherrschten diese Lebewesen einst die Urmeere und besiedelten in der Folge auch das Land. Heute noch, nach Hunderten Millionen Jahren, schreiben ihre fernen Abkömmlinge Texte über diese Fischzähne und versuchen, ihren Flossen tragenden Verwandten Köder zwischen dieselbigen zu platzieren.

Als erste Tiere überhaupt entwickelten die Fische Zähne. Aus den Rändern ihrer Kieferknochen begannen spitze, harte Kegel zu wachsen. Mit diesen neuen „Strukturen“ ließen sich Beutetiere deutlich besser festhalten. Bald war dieser Vorteil für das Überleben so entscheidend, dass diese Maulwerkzeuge immer größer und kräftiger wurden. So entwickelten sich daraus im Laufe der Zeit Werkzeuge zum Zerkleinern, Zerquetschen oder gar Vermahlen von Nahrung. Bei den heutigen Fischen findet man ein weites Spektrum von Funktionen, das mit dem „Konstruktionsprinzip Zahn“ möglich wurde.

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Fischzähne: Spitze Greifer

Bei vielen Raubfischen ist auch nach Hunderten von Jahrmillionen noch die urtümlichste Funktion der Zähne zu bestaunen. Ein Hecht hat Kiefer, die gespickt sind mit Hunderten von nadelspitzen Kegeln. Diese Spitzen halten eine Beute fest, bis sie verschluckt werden kann. Da Fische keine Hände haben, sind ihre Kiefer die Haltewerkzeuge. Fische mit so einer Zahnausstattung können aber nur Beute fressen, die unzerkleinert durch ihren Schlund passt. Scharfe Zähne, die ein „Portionieren“ der Beute erlauben, findet man bei unseren heimischen Fischen nicht. Zum Glück vielleicht! Scharfe, schneidende Zähne sind aber „selbstverständlich“ von der Natur hervorgebracht worden: man findet sie beispielsweise bei vielen Haien, beim Bluefish und den Piranhas.

Es gibt sogar Haie, die darauf spezialisiert sind, kleine Fleischstücke aus großen Meeressäugern wie Robben und Walen herauszubeißen. Einer dieser Fleischdiebe wird „Cookie-Cutter“ (Kekse-Stanzer) genannt, weil er kreisrunde Löcher im Walspeck hinterlässt.

Ein Close Up des Mauls einer Quappe.

Bild: W. Hauer

Barsche, Welse und Quappen (Bild) gebrauchen ihre vielen Bürstenzähnchen zum Festhalten der Beute.

Bürsten- und Schlundzähne

Eine weit verbreitete Zahnvariante sind die so genannten Hechel- oder Bürstenzähnchen, wie wir sie beim Barsch, der Quappe oder dem Wels sehen können. Es sind Felder von kleinen bis winzigen Hakenzähnchen, die eine raue Oberfläche bilden, mit der Beute ebenfalls festgehalten werden kann. Fischarten mit dieser Zahnform haben ihre Jagdmethode auf einen Sog durch weites Aufreißen des Mauls ausgerichtet. Beim Einsaugen der Beute würden große, lange Zähne nur stören.

Eine Profilaufnahme von den Schlundzähnen eines Karpfens.

Bild: W. Hauer

Karpfen nutzen ihre Schlundzähne zum Zerkleinern von Pflanzen und Knacken von Muscheln und Krebsen.

Eine ungewohnte Zahnform sind die Schlundzähne der Karpfenfische. Ihre Form ist charakteristisch für jede Art und erlaubt auch bei eng verwandten und ähnlichen Arten eine klare Bestimmung. Benutzt werden sie zum Zerkleinern von Pflanzen und zum Knacken von hartschaliger Beute wie Muscheln und Krebsen.

Bei vielen Raubfischen sind nicht nur die Kiefer mit Zähnen ausgestattet, sondern die ganze Mundhöhle. Man findet Fischzähne auf den Gaumenplatten, auf den Kiemenbögen und der Zunge. Bei den Salmoniden ist die Bezahnung des Gaumens, insbesondere des so genannten Pflugscharbeins, eine zuverlässige Methode zur Bestimmung der Art.

Eine Profilaufnahme einer plastischen Nachahmung eines Pflugscharbeins eines Lachses

Bild: W. Hauer

Das bezahnte Pflugscharbein ist eindeutiges Bestimmungsmerkmal von Salmoniden.

Ansicht einer plastischen Nachbildung eines Forellenunterkiefers

Bild: W. Hauer

Seeforellen haben zudem kleine Zähne im Unterkiefer.

Zahnwechsel

Die Fische haben im Gegensatz zu uns Menschen einen stetigen Zahnwechsel. Abgenutzte Zähne fallen aus und werden ersetzt. Dieser Wechsel findet bis ans Lebensende eines Fisches statt. Die Kiefer sind besetzt mit Zähnen unterschiedlichen Alters und zwar in einem Muster, das stets die Funktion des Gebisses gewährleistet.

Ein Raubfisch ohne Zähne hat nämlich Mühe, seine Beute festzuhalten und wird sich nicht erfolgreich fortpflanzen, weil er bis dahin längst verhungert ist. Also hat die Evolution jene Fische begünstigt, die ihre Zähne „schlau“ wechseln. Dass Hechte im Sommer ihre Zähne erneuern und deshalb nichts fressen ist also ein Märchen.

Dieser Artikel erschien zuerst im Blinker 08/2011. Hier geht es zur aktuellen Ausgabe


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