Woher kommt der Wind?
Wenn ich morgens an einen Forellensee komme, schaue ich nicht nur nach springenden Fischen. Ich schaue am Forellensee auch, woher der Wind kommt. Gerade im Herbst kann er nämlich einen erheblichen Einfluss darauf haben, wo sich die Forellen aufhalten. Dabei gibt es ein kleines Problem: Die interessanteste Stelle ist häufig genau die, an der ich eigentlich nicht sitzen möchte. Der Wind bläst mir ins Gesicht, die Wellen schlagen ans Ufer und das Werfen wird schwieriger. Auf der gegenüberliegenden Seite könnte ich dagegen wunderbar mit dem Wind im Rücken angeln. Trotzdem entscheide ich mich im Herbst häufig für die ungemütliche Variante.
Alles wird ans Ufer gedrückt
Bläst der Wind über längere Zeit aus einer Richtung am Forellensee, bewegt er auch das Oberflächenwasser. Blätter, kleine Ästchen, Pollen und anderes Material sammeln sich dann am auflandigen Ufer. Genau diese Seite schaue ich mir besonders aufmerksam an. Denn dort wird nicht nur Dreck zusammengetrieben. Auch Insekten und andere Nahrung landen in diesem Bereich. Gleichzeitig sorgen Wellen für Bewegung und Sauerstoffeintrag. Für Forellen kann diese Zone deshalb ausgesprochen interessant sein. Das lässt sich manchmal sogar beobachten. Sehe ich zwischen den Wellen einzelne Forellen rollen oder springen, fällt mir die Entscheidung leicht. Dann nehme ich lieber etwas Gegenwind in Kauf.
Im Herbst ist Wind besonders interessant
Im Sommer kann die Situation bei Wind am Forellensee anders aussehen. Dann kann Wind warmes Oberflächenwasser an eine Seite drücken. Bei hohen Wassertemperaturen suche ich Forellen deshalb nicht automatisch dort. Im Herbst spielt dieser Effekt eine immer geringere Rolle. Das Wasser kühlt ab und die Forellen werden aktiver. Sie ziehen wieder stärker durch den Teich und reagieren auf Bereiche mit Bewegung und Nahrung. Gerade an kleinen und mittelgroßen Forellenseen habe ich oft erlebt, dass sich erstaunlich viele Fische an der windzugewandten Seite sammeln. Dabei müssen sie nicht unmittelbar vor den Füßen stehen. Manchmal ziehen sie einige Meter vom Ufer entfernt parallel zur Wellenkante entlang.
Erst schauen am Forellensee
An einem unbekannten See lege ich mich deshalb nicht sofort auf einen Angelplatz fest. Ein kurzer Blick über das Wasser kann viel verraten. Wo läuft der Wind hin? Wo sammeln sich Blätter? Wo entstehen deutlich sichtbare Wellen? Und vor allem: Sehe ich dort Fischaktivität? Erst danach entscheide ich mich. Natürlich ist der Wind kein Garant für gute Fänge. Ein Zulauf, eine Quelle, unterschiedliche Wassertiefen oder andere Strukturen können wichtiger sein. Aber wenn ich einen Forellensee nicht kenne und keine Forellen sehe, ist die Seite, auf die der Wind steht, im Herbst für mich eine der ersten Stellen, die ich ausprobieren würde.
Gegenwind macht es schwieriger
Anglerisch hat die Sache allerdings einen Haken. Leichte Spoons von vielleicht 1 oder 2 g lassen sich bei kräftigem Gegenwind schlecht werfen. Außerdem entsteht schnell ein Schnurbogen, durch den der direkte Kontakt zum Köder verloren geht. Dann greife ich zu etwas schwereren Spoons (oder auch zu anderen Angelmethoden). Sie fliegen stabiler und lassen sich besser kontrollieren. Wichtig ist mir außerdem, die Rutenspitze möglichst tief zu halten. So bekommt der Wind weniger Angriffsfläche auf die Schnur. Bei starkem Wind am Forellensee muss ich zudem die Köderführung anpassen. Ein gleichmäßig eingekurbelter Spoon ist häufig leichter zu kontrollieren als eine extrem langsame Führung mit vielen langen Spinnstopps.
Pose mit Gefühl
Auch mit der Posenrute kann die windzugewandte Seite hervorragend funktionieren. Allerdings treibt die Montage durch Wellen und Strömung schnell auf das Ufer zu. Das muss kein Nachteil sein. Ich lasse eine geschleppte oder langsam driftende Montage durchaus mit der Strömung arbeiten. Wichtig ist nur, den Kontakt nicht zu verlieren und die Schnur möglichst aus dem Wind zu halten. Bei kräftigeren Wellen benutze ich außerdem lieber eine etwas tragfähigere Pose als ein extrem filigranes Modell. Eine Pose, die permanent von jeder kleinen Welle unter Wasser gedrückt wird, macht die Bisserkennung bei Wind am Forellensee unnötig schwierig.
Nicht gegen den Wind kämpfen
Für mich bedeutet Wind am Forellensee deshalb nicht automatisch schlechtes Angelwetter. Ich versuche vielmehr, ihn für mich arbeiten zu lassen. Natürlich gibt es Grenzen. Bei Sturm möchte auch ich nicht mit einem 1-g-Spoon gegen den Wind werfen. Aber ein normaler Herbstwind ist für mich eher Hilfe als Hindernis. Wenn es auf der bequemen, windgeschützten Seite nicht läuft, lohnt sich deshalb ein Platzwechsel. Jacke schließen, Kapuze hoch und einmal auf die andere Seite gehen. Dort ist das Angeln jetzt im Herbst vielleicht etwas ungemütlicher, die Forellen stört das meistens deutlich weniger. Mehr infos dazu gibt es auf den Youtube-Kanal „MikesBigTrouts“ von Michael Kahlstadt.

Bild: Kahlstadt
Am großen See ist die Bombarde bei Wind deutlich einfacher zu handhaben, als ein leichter Spoon.
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Bild: Kahlstadt
Die Goldforelle nahm den Spoon mitten im Wind.

Bild: Kahlstadt
Im Hintergrund sieht man die Wellen, die durch den Wind ans Ufer getrieben werden.

Bild: Kahlstadt
Kleine Wellen – hier steht der Fisch!

Bild: Kahlstadt
Wenn der Wind nicht zu stark ist, kann man auch mit kleinen Spoons gegen den Wind erfolgreich sein.










