Die Tiefe entscheidet
Der Herbst gehört für mich zu den schönsten Zeiten am Forellensee. Das Wasser wird kühler, die Fische sind aktiver und viele Anlagen werden wieder stärker mit Forellen besetzt. Einfach Köder rein und los geht es? Ganz so leicht machen es uns die Fische leider nicht. Es gibt Tage, an denen sich die Forellen auf eine erstaunlich kleine Tiefenzone konzentrieren. Nur 50 cm darüber oder darunter passiert wenig. Deshalb lautet meine wichtigste Frage zu Beginn eines Angeltages nicht: Welcher Köder fängt heute? Sondern: In welcher Tiefe stehen die Forellen? Dabei unterscheide ich deutlich zwischen kleinen Forellenteichen und großen, tiefen Baggerseen.
Schnelle suche an kleinen Teichen
An kleinen Teichen mit 2 oder 3 m Tiefe ist die Suche nach Forellen relativ einfach. Hier greife ich gerne zur Spoonrute. Ich starte oberflächennah und lasse meinen Spoon bei den folgenden Würfen immer etwas länger absinken. Dazu benutze ich die Count-Down-Methode. Nach dem Auftreffen des Spoons auf dem Wasser zähle ich die Sekunden. Beim ersten Wurf beginne ich vielleicht sofort mit dem Einholen, beim nächsten nach 2 und anschließend nach 4 Sekunden. Bekomme ich beispielsweise nach 4 Sekunden mehrere Bisse oder Kontakte, habe ich einen wichtigen Anhaltspunkt. Genau diese Absinkzeit wiederhole ich bei den nächsten Würfen. Damit fische ich natürlich nicht zentimetergenau in derselben Tiefe, für die Praxis reicht diese Methode aber völlig aus. Auch die Führung beeinflusst die Tiefe. Schnelles Kurbeln und eine hoch gehaltene Rutenspitze bringen den Spoon nach oben. Langsames Einholen und eine tiefe Rutenspitze lassen ihn tiefer laufen. Mit kurzen Spinnstopps kann ich zusätzlich korrigieren.
Mit der Pose wird es genauer
Habe ich die Tiefe der Forellen gefunden, wechsele ich an kleinen Teichen gerne auf die Posenrute. Ihr großer Vorteil ist die genaue Tiefenkontrolle. Mit geschlepptem Forellenteig oder Bienenmaden kann ich eine interessante Wasserschicht gezielt befischen. Dabei verstelle ich die Tiefe durchaus in kleinen Schritten. Manchmal machen bereits 20 oder 30 cm den Unterschied zwischen Biss und Flaute. Spoon und Pose sind deshalb für mich keine konkurrierenden Methoden. Der Spoon ist ein hervorragender Suchköder. Mit der Pose kann ich anschließend die gefundene Tiefe sehr gründlich abfischen.
Andere Voraussetzungen am Baggersee
An einem 10 oder 12 m tiefen Baggersee sieht die Sache völlig anders aus. Außerdem stehen die Forellen häufig weit vom Ufer entfernt. Genau deshalb greife ich hier bevorzugt zur Bombarde beziehungsweise zum Sbirolino. Mit unterschiedlichen Modellen kann ich praktisch die gesamte Wassersäule absuchen. Schwimmende Bombarden eignen sich für den oberflächennahen Bereich, langsam und schneller sinkende Modelle bringen meinen Köder entsprechend tiefer. Entscheidend ist aber auch hier: Beißen die Forellen, möchte ich diese Tiefe anschließend möglichst genau wiederfinden.
Zählen bringt Fisch
Bei sinkenden Bombarden arbeite ich deshalb ebenfalls mit der Count-Down-Methode. Nach dem Auswerfen lasse ich die Montage beispielsweise 5 Sekunden absinken und beginne dann mit dem Schleppen. Bleiben die Bisse aus, werden daraus beim nächsten Wurf 10 und anschließend vielleicht 15 Sekunden. Bekomme ich bei 10 Sekunden mehrere Kontakte, weiß ich ungefähr, in welcher Wasserschicht ich weiterangeln muss. Anschließend lässt sich die Suche mit kleineren Veränderungen verfeinern. Das ist an tiefen Baggerseen besonders wichtig, weil die Forellen im Herbst ihre Tiefe verändern. Nach dem Sommer stehen sie vielleicht zunächst noch tiefer, während sie mit weiter fallenden Wassertemperaturen zunehmend höher ziehen. Die erfolgreiche Tiefe vom vergangenen Wochenende kann deshalb heute schon völlig falsch sein.
Tempo gehört zur Tiefe
Die Absinkzeit allein entscheidet allerdings nicht. Auch Einholgeschwindigkeit und Bombardenmodell (Bombarden gibt es in unterschiedlichen Sinkraten/Schlepptiefen) bestimmen die Lauftiefe. Kurbele ich schnell, steigt die Montage. Führe ich sie langsam, bleibt sie tiefer. Deshalb versuche ich, nicht nur die Absinkzeit, sondern auch mein Tempo möglichst gleichmäßig zu halten. Habe ich eine erfolgreiche Kombination gefunden, merke ich mir beides: beispielsweise „10 Sekunden und langsam schleppen“. Nur so kann ich einen erfolgreichen Wurf möglichst genau wiederholen und die Forellen so in der richtigen Tiefe finden.
Jeden Tag neu suchen
Egal, ob kleiner Forellenteich oder großer Baggersee: Im Herbst verlasse ich mich nie darauf, die Forellen in der gleichen Tiefe zu finden, wo sie beim letzten Besuch standen. Kühler werdende Nächte, Sonnenschein und Wind können ihre Position verändern. Am kleinen Teich suche ich deshalb mit dem Spoon und befische die gefundene Tiefe anschließend gerne mit der Pose. Am großen Baggersee erledigen Bombarde oder Sbirolino diese Aufgabe. Denn selbst der beste Köder nutzt wenig, wenn er an den Forellen vorbeiläuft. Wer dagegen die richtige Etage findet und sie anschließend immer wieder trifft, hat im Herbst einen entscheidenden Vorteil. Mehr dazu gibt es auf dem Youtube-Kanal MikesBigTrouts von Michael Kahlstadt.

Bild: Kahlstadt
Der Waldsee Bad Laer ist über 4 ha groß und 13 m tief. Mit Bombarden kann man aber einen großen Teil des Wassers abdecken.

Bild: Kahlstadt
Wenn man beim Absinken des Spoons zählt, lässt sich sehr genau die Arbeitstiefe der UL-Köder rekonstruieren.

Bild: Kahlstsdt
Im „Sägezahn“ zum Fisch: In diesem Beispiel lässt man den Spoon 3 Sekunden lang absinken, dann hoöt man mit Sekunden dauernden Abnsinkphasen wieder ein.






