Bei einem Videodreh wollte ich zeigen, dass man ein Grundel-Imitat ganz normal am Bleikopf anbieten kann. Ich war an einem Fluss unterwegs, dessen Uferpartie eine Steinschüttung ziert. Und da gibt’s natürlich Hänger. Weil ich gerade voll auf dem Midstrolling-Film kleben geblieben bin (macht mir einfach brutal Spaß), hatte ich schon vor dem Dreh den Plan im Kopf, den Finesse-Goby in der Endphase über die Steine zu zuppeln – aber ohne Bodenkontakt. Und langsam genug, damit ihn sich die Barsche noch kurz vor meinen Füßen packen.

Bild: J. Dietel
Gefühlvoll wird der Gummi-Gobi knapp über der Steinpackung eingeleiert.
Hintergrund: Die meisten Fische sitzen entweder in der Packung oder gehen dort auf Beutejagd. Wenn ich den Jig hier aber durchsacken lasse, kassiere ich Hänger ohne Ende. Wenn ich zu früh rausziehe verpasse ich die heiße Zone und fange viel weniger, als ich könnte. Natürlich steht auch draußen Fisch. Da draußen bleibt auch alles beim Alten. Die Grundel wird am Jigkopf mit kurzen Sprüngen über den Boden geführt. In der Danger-Zone wechsle ich die Technik. Ich hebe den Köder gerade so weit an, dass er keinen Steinkontakt mehr hat. Anschließend kurble ich ganz langsam weiter und gebe dem Köder kleine Impulse über die Rutenspitze. Jetzt wandert de Grundel dicht über den Steinen entlang, ohne ständig dazwischenzufallen. Die Amis nennen das „Bottom Strolling“.
Bottom Strolling: Funzt auch überm Kraut!
Nachdem ich beim Videodreh viele Fische aus den Steinen puhlen konnte, wollte ich natürlich wissen, ob sich das Prinzip übertragen lässt. Also ging es mit dem Kajak auf ein stark verkrautetes Gewässer. Hier ist das Problem ein anderes: Wer seinen Jigkopf ständig zum Grund sinken lässt, sammelt deutlich mehr Kraut als Barsche ein. Die gute Nachricht: Auch hier hilft die neue Führung. Zunächst schätze ich ab, wie hoch die Pflanzen stehen. Anschließend lasse ich die Grundel knapp über den Krautspitzen entlanglaufen. Langsames Einkurbeln und kleine Ticks in die Rutenspitze bringen den Köder in Bewegung. So bleibt der Haken wesentlich häufiger sauber, und die Barsche steigen aus dem Kraut auf, um sich die Grundel zu schnappen.
Die Grundel ballert!
Die Barsch-Alarm-Grundel ist im Grunde ein sehr realistischer No-Action-Shad mit zusätzlichen Reizelementen (dreigeteilte Brust und Schwanzflossen). Beim langsamen horizontalen Einholen gerät die Schwanzflosse durch die kleinen Rutenticks in eine Wellen-Bewegung. Gleichzeitig erzeugen die seitlich abstehenden Brustflossen feine Verwirbelungen. Die Grundel flankt dabei nicht so ausgeprägt wie manche klassischen Midstrolling-Köder. Stattdessen zeigt sie eine dezente Eigenbewegung und überzeugt durch ihre natürliche Silhouette.

Bild: J. Dietel
Die erfolgreichen Gobis in 2 Größen. Die kleine Grundel ist eher der Allrounder, das größere Format selektiert besser auf größere Barsche.
Das funktioniert nicht nur knapp über dem Boden. Bei meinen anschließenden Versuchen habe ich die Grundel auch durchs Mittelwasser geführt und auch da brutal rasiert. Das war so beeindruckend, dass ich tagelang nichts anderes mehr angeboten habe. Inzwischen habe ich ein paar Hundert Barsche auf diese Methode gefangen. In verschiedenen Gewässern. Zugegeben, darunter waren viele kleine Fische, aber auch paar Brummer.
Klein anfangen, groß selektieren
Bei den Ködergrößen hat sich eine einfache Strategie bewährt. Die kleine Grundel (7 cm) ist ein echter Allrounder, der auch bei vorsichtigen oder kleineren Barschen zuverlässig Bisse produziert. Deshalb beginne ich meistens mit dem kleinen Modell. Damit finde ich die Fische. Wenn dann ein kleiner Barsch nach dem anderen einsteigt, wechsle ich auf die größere Grundel (8,5 cm). Das garantiert zwar keine Kapitalen, hilft aber, etwas größere Fische zu selektieren.

Bild: J. Dietel
Mittlerer Barsch auf Grundel beim Bottom Strolling. Auch die kleineren Räuber werden bei dieser Methode gefangen.
Aufs Jig-Gewicht kommt’s an!
Im Normalfall richtet sich das Jig-Gewicht nach Tiefe, Strömung, Wind und Wurfweite. Theoretisch darf ein Bleikopf beim Grundel-Präsentieren etwas schwerer ausfallen, weil man einen ausgeprägten Grundkontakt möchte. Bei unserer Zuppel-Technik sieht das anders aus. Hier gilt: So leicht wie irgendwie möglich, so schwer wie gerade nötig! Denn schwere Jigköpfe rutschen besonders schnell zwischen die Steine und sitzen dort fest. Außerdem möchten wir die Grundel langsam über den Barschköpfen anbieten. Die idealen Gewichte liegen je nach Tiefe und Strömung zwischen 1 und 5 g!
Meine Empfehlungen für die Grundel:
- Kleine Grundel: Jigköpfe von 1,5 bis 3,5 g, Hakengröße 3 oder 4.
- Große Grundel: Jigköpfe von 2,5 bis 5 g bei etwa 1 bis 3 m Wassertiefe, Hakengröße 1/0 bis 2.
Beim Bottom Strolling kommen die Bisse häufig ganz anders als beim klassischen Jiggen. Wer beim Jiggen auf das typische harte „Tock“ wartet, wird beim Strolling überrascht sein. Oft spürt man überhaupt keinen deutlichen Einschlag. Man kurbelt langsam, gibt kleine Rutenticks – und plötzlich hängt ein Barsch am Haken. Deshalb sind scharfe Haken so wichtig. Sie greifen auch dann zuverlässig, wenn man in Ermangelung des Tocks keinen Anhieb setzen kann.
Noch ein Tipp zum Bottom Strolling: Wenn sich ein Barsch im Drill losschüttelt, sollte man den Köder nicht sofort einholen. Einfach weiterkurbeln und weiterzuppeln! Barsche sind häufig im Rudel unterwegs. Nicht selten steigt unmittelbar nach einem Aussteiger der nächste Fisch ein.

Bild: J. Dietel
Geht auch vom Boot: Hier hat Johannes einen besseren Barsch mit der Grundel verhaftet.
Einfach weiterfischen!
Bottom Strolling ist keine komplizierte Spezialtechnik. Ihr braucht auch kein Spezialgerät. Eine feine Rute mit einem Wurfgewicht von 10 oder 15 g mit einer kleinen Rolle. Mehr ist es nicht. Dennoch eröffnet diese Umstellung neue Perspektiven. Ganz ehrlich: Ich frage mich, was ich in meinem bisherigen Leben auf der Steinpackung fabriziert habe. Ist aber ja egal. Denn seit ein paar Wochen jigge ich hängerfrei. Und die ganzen verlorenen Jigs und die vielen Minuten, die ich ins Knoten investieren musste, sind längst verschmerzt. Ab jetzt werden Fische aus Steinen und Kraut gezockt, dass es nur so scheppert! Also, Leute: Wenn es am Grund brenzlig wird, den Köder nicht hektisch herausholen. Einfach ein Stück anheben – und weiterzuppeln! Viel Spaß dabei!
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