Dropshotten ist fast überall eine Erfolgstechnik. Inzwischen gibt’s wohl kaum einen Raubfischangler, der das nicht weiß und nur noch sehr wenige Barschangler, die noch keinen Barsch auf Dropshot gefangen haben. Klassische Köder sind No-Action-Shads, Würmer oder kleine Larven-Imitate. Jetzt wird aber eben auch sehr viel gedropshottet. An stark beangelten Plätzen merkt man das.
Zuerst verweigern die Barsche die knalligen Farben. Und irgendwann kennen sie auch den Strich-Code für jede bekannte Köderform. Jetzt schlägt die Stunde des Dropshot mit farblosem Tarn-Krebs. Mit ihm ballert ihr noch Barsche raus, wo andere Dropshot-Varianten schon längt versagen!

Bild: J. Dietel
Farbe ist out! Zumindest dann, wenn die Fische schon allerlei Köder gesehen haben …
Dropshot neu gedacht: Warum überhaupt Krebs?
Aus Barschsicht sieht die Sache so aus: Krebse sind ein extrem proteinhaltiger Snack und außerdem nicht so schwer zu jagen, wie frei umher schwimmende Fische. Die Barsche können dieses Opfer gut verfolgen und beim Zugriff gegen den Boden drücken. Eine Flucht nach oben wir dem Krebs selten gelingen. Er wird immer versuchen, sich Schutz am Grund zu suchen. Auch wenn es dort keinen gibt.
Aus Anglersicht: Ein Krebs hat Scheren, Beinchen, Fühler und andere Fortsätze, die am Dropshot-Rig schön im Wasser liegen schon bei ganz wenig Bewegung anfangen, sich zu bewegen. Die Scheren wackeln, die Fühler schlängeln, die Beinchen vibrieren. Der Köder arbeitet mit ganz wenig Aufwand. Im Prinzip muss nur der Wind ein bisschen in die Schnur wehen, damit sich unser Krebs ein bisschen bewegt.
Das Realo-Design schlägt sie alle!
Krebse gibt’s in vielen Farben. Und natürlich macht es Sinn, im trüben Wasser mal mit einer Knallerfarbe anzugreifen. Purple Chartreuse ist so ein Schocker. Aber: Auch im trüben Wasser müssen Barsche Nahrung finden. Und es ist ganz selten im Tierreich, dass potenzielle Opfer durch eine auffällige Färbung auf sich aufmerksam machen. Knallbunt sind eigentlich nur die giftigen Tiere, die die Räuber so beeindrucken wollen. Die meisten anderen Tiere, die am unteren Ende der Nahrungskette angesiedelt sind, versuchen es mit Tarnung. Sie wollen erst gar nicht aufs Räuber-Radar kommen.

Bild: J. Dietel
Im Gegenlicht sieht man, wie transparent dieses Muster wirklich ist!
Wenn wir also von Angeldruck sprechen und trotzdem Erfolg haben wollen, ist der sichere Weg zum Schneidertag ein buntes Gummitier. Wenn wir da fangen wollen, wo andere Köder versagen, müssen wir in den Stealth-Mode wechseln und einen Tarnkrebs auf den Haken stecken. Und jetzt müsst ihr mir mal wieder vertrauen. Ich weiß, dass die Farbe „Ghost Shrimp“ ultra-unauffällig daherkommt und fast jeder im Angelladen zu einer anderen Farbe greifen würde.
Aber dieser nahezu durchsichtige, leicht graue Körper mit den kleinen Glitzer-Flocken drin ist der Endgegner für die Barsche. Er muss sie an eine kleine Garnele erinnern oder ein Tierchen, das sie aus ihrer frühsten Kindheit kennen, als sie sich noch von tierischem Plankton ernährt haben. In jedem Fall ist „Ghost Shrimp“ (übersetzt „Geister Garnele“) eine absolute Überfarbe, wenn es um Barsche und Larven bzw. Krebse geht. Am Ende interessiert es ja auch nicht, warum sie auf diese Farbe so wild knattern – Hauptsache, sie tun es.
Dropshot mit Krebs ist anders!
Zunächst einmal müssen wir die Montage ein bisschen auf den Ködertyp umstellen. Ich angle Krebse über einem kürzeren Stück Schnur zum Blei. Der Abstand von Haken zu Blei beträgt ca. 30 Zentimeter. Der Grund ist ja klar. Krebse schwimmen nicht 50 Zentimeter über dem Grund. Sie bewegen sich auf den Strukturen und huschen auf der Flucht im Rückwärtsgang über Steine, Muscheln, Sand und Kies hinweg. Genau das imitieren wir mit dem flach eingestellten Dropshot-Rig perfekt.

Bild: J. Dietel
Wieder hängt ein Barsch am Geisterkrebs. Vorteil des Dropshot-Rigs: Die meisten Fische sind weit vorne im Maul gehakt.
Merke: Selbst, wenn wir 30 Zentimeter eingestellt haben, läuft der Krebs nicht 30 Zentimeter über den Grund. Die Schnur weist ja nur beim Vertikalangeln direkt nach unten. Sobald wir werfen, entsteht ein Winkel und schon bewegt sich unser Krebs ganz natürlich über den Gewässerboden.
Die richtige Führung
Die Köderführung besteht nicht aus großen Sätzen. Vielmehr zuppeln wir das System langsam mit Pausen zu uns ran. In den Pausen lassen wir die Schnur auch mal durchsacken, so dass unser Krebs quasi freischwebend zum Grund bewegen kann – dabei täuschen wir vor, dass er sich eine Deckung sucht. Dann geht’s wieder weiter mit kleinen Zupfbewegungen in die Rutenspitze.
Das Geniale ist: selbst wenn wir beim Durchsinken mal kurz den direkten Kontakt verloren haben – den Biss bemerkt man sicher. Barsche können an Krebsen nicht lange rummachen. Wenn sie keine Narben davontragen wollen, müssen sie das mit Scheren bewaffnete Biest direkt und volley eliminieren. Deshalb fallen die Bisse kräftiger aus. Kein langsames Genuckel, wie man es teilweise vom Dropshotten mit Würmern kennt. Der Barsch schnappt sich den Krebs mit einem Inhalationsbiss. Da tockt es richtig in die Rute. Das macht Spaß!

Bild: J. Dietel
Johannes Dietel fischt für das Dropshot am liebsten längere Ruten mit weicher Spitze.
Dropshot-Tackle
Zum Dropshotten nehme ich gerne eine etwas längere Rute. So 2,20 m bis 2,50 m. So kann ich das Vorfach schön pendeln lassen und erziele maximale Wurfweiten. Ich angle sehr viel mit Solid Tip-Ruten (z.B. der neuen Barsch-Alarm Solid Tip ML mit einem Wurfgewicht von 3 bis 15 Gramm). Die haben eine weiche Spitze, kommen dahinter aber mit viel Rückgrad. Das ist wichtig, weil sich auch immer wieder Zander und öfters auch mal Hechte einmischen in unser Krebs-Game. Deshalb angle ich auch oft ein etwas stärkeres 0,26er FC-Vorfach. Und auch eine 5 kg-Hauptschnur.
Probiert es aus! So eine Packung mit den kleinen „Real Shrimp“-Edwards ist nicht teuer. Den Rest habt ihr bereits daheim. Ich bin mir sicher, dass die Barsche auch bei euch richtig reinscheppern mit der Technik! Also: Holt was raus, Leute. Bis zum nächsten Mal!
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