Es gibt im Übrigen mehrere Arten von Marlinen – vom recht kleinen Weißen Marlin, über den Gestreiften und den Schwarzen Marlin, bis hin zum absoluten Inbegriff von Sportfisch: dem Blauen Marlin. Egal welche Art: Marlin Fischen ist ein echtes Hochsee-Abenteuer, und das nicht nur, wenn man das Ganze nur mit einer Handleine angeht, wie in Ernest Hemingways bekannten Werk „Der alte Mann und das Meer“.
Einen Marlin zu fangen, das benötigt sorgfältige Vorbereitung, hochwertiges Equipment und die richtige Taktik. Wer einmal erlebt hat, wie ein Marlin nach dem Biss aus dem Wasser schießt und mehrere Meter hoch in die Luft springt, wird diesen Moment nie vergessen. In diesem Artikel erfährst du die wichtigsten Grundlagen zum Marlin Angeln, lernst den Blauen Marlin näher kennen und erhältst Empfehlungen für die passende Ausrüstung und geeignete Reviere.
Der Blaue Marlin – König der Hochsee
Der Blaue Marlin (Makaira nigricans) gehört zu den größten Raubfischen der Welt. Er lebt in tropischen und subtropischen Meeren und kommt etwa im Atlantik, Pazifik und Indischen Ozean vor. Besonders bekannte Reviere für das Blue Marlin Angeln befinden sich unter Anderem vor den Küsten Mexikos, der Dominikanischen Republik, Hawaiis, der Azoren, Madeiras, der Kanarischen Inseln und Kap Verdes. Ein ausgewachsener Blauer Marlin kann über vier Meter lang werden und weit mehr als 500 Kilogramm wiegen! Weibchen erreichen dabei deutlich größere Ausmaße als Männchen. Seine charakteristische lange, speerförmige Schnauze nutzt dieser imposante Fisch auch bei der Jagd nach Beute.

Bild: R. Korn
Größe, Geschwindigkeit und Sprunggewalt: Der Blaue Marlin ist die heilige Dreifaltigkeit des Sportfischens!
Warum Marlin Fischen so besonders ist
Erfolgreich auf Marlin zu fischen zählt zu den anspruchsvollsten Disziplinen des Angelns. Die Fische besitzen enorme Kraftreserven und liefern Drills, die mehrere Stunden dauern können. Hinzu kommen spektakuläre Fluchten und akrobatische Sprünge, bei denen der Fisch versucht, den Haken loszuwerden. Viele Angler, die sich das Ziel „Blauer Marlin“ gesteckt haben, reisen eigens dafür in renommierte Hochseegebiete. Dabei steht heute häufig der Nachhaltigkeitsgedanke im Vordergrund: Nach einem kurzen Drillfoto werden die Fische meist schonend zurückgesetzt (Catch & Release), um die Bestände zu schützen. Dafür werden die nicht selten mehrere hundert Kilo schweren Fische in der Regel noch im Wasser abgehakt.
Die richtige Ausrüstung zum Marlin Angeln
Wer erfolgreich Marlin angeln möchte, benötigt ohne Wenn und Aber spezielles Hochsee-Equipment – in diesem Fall reinrassige Big Game Ausrüstung der 80–130lb Klasse. Normale Meeresruten, wie wir sie aus Norwegen kennen, sind den Kräften eines Marlins schlichtweg nicht gewachsen. Auch die enormen Schnurreserven, die zum Fang dieser Giganten benötigt werden, finden nur auf den entsprechend großen Rollen Platz.
Folgende Ausrüstung hat sich bewährt:
- Hochsee- bzw. Big Game Ruten der 80–130-lb-Klasse
- Hochwertige Multirollen mit entsprechend großem Schnurfassungsvermögen und zuverlässiger Schiebebremse
- 600 bis 1.000 Meter hochwertige geflochtene oder monofile Hauptschnur (Oft kommt ein Backing aus mehreren hundert Meter (hohl) geflochtener Schnur auf die Rolle und dann folgt ein langer Mono-Abschnitt von ca. 100m Länge. In aller Regel kommen Schnurstärken – entsprechend der Schnurklasse der Rute – von ca. 80–150 lb Tragkraft auf die Rolle.
- Mehrere Meter lange Vorfächer aus 200 bis 600 lb starkem Monofilament oder FC + Stahl ab 400 lb
- Robuste Circle Hooks oder Big Game J-Hooks in passenden Größen
- Schleppköder (Jet-Lures / Fransenköder) oder auch Köderfische
- Kampfgurt, Schultergurt und Kampfstuhl für längere Drills
Rechte Hand heißt mehr Kraft zum Kurbeln!
Gerade die Multirolle spielt beim Blue Marlin Angeln eine entscheidende Rolle. Ganz besonders wichtig ist hier die Bremse. Die erste Flucht eines Marlins kann mehrere hundert Meter betragen. Und das gegen stramme Bremskräfte von teils mehr als 10 kg! Solche Belastungen kann nur ein hochwertiges Bremssystem wegstecken. Etabliert haben sich daher Vollmetall-Multis mit Schiebebremse. Weltweit im Einsatz sind Flaggschiff-Serien wie Shimano Tiagra, Penn International, Accurate ATD, Alutecnos Albacore, Okuma Makaira und Ähnliche. Eine fein einstellbare Bremse verhindert Schnurbrüche und ermöglicht es, die enorme Kraft des Fisches kontrolliert auszuspielen.
Bei den Big Game Multirollen befindet sich die Kurbel übrigens in der Regel auf der rechten Seite (Rechtshandmodelle). Das liegt daran, dass mit dem entsprechend schweren Gerät ohnehin mit Schulter- und Kampfgurt, oft sogar mit Kampfstuhl gedrillt wird. Die Rute wird mit der linken Hand nur abgestützt, damit sie bei einem unerwarteten Schnurbruch nicht zurückschnellt. Die bei Rechtshändern kräftigere rechte Hand dient entsprechend zum Kurbeln. Gedrillt wird fast ausschließlich aus dem Rücken/Beine/Core.

Bild: J. Troppacher
Eine sehr große Bedeutung kommt der Rolle zu: Sie muss die brachialen Marlin-Fluchten aushalten und genug Schnur fassen, um bei langen Runs nicht gespult zu werden.
Um den Fisch zu landen, beziehungsweise ans Boot zu bringen, und den Haken zu lösen, wird der Marlin im Regelfall „geleadert“. Hier spielen die großen Vorfachstärken und -Längen eine entscheidende Rolle, denn sie erlauben, mit der Hand gegriffen zu werden, und den Fisch so näher ans Boot zu ziehen. Das erfordert jedoch Übung und kann anderenfalls sehr schnell in einer gefährlichen Situation enden – etwa, wenn man sich in der Schnur verwickelt und der Fisch einen ins Wasser zieht. Überlasse die Landung daher besser der erfahrenen Deckhand!
Erfolgreiche Methoden beim Blue Marlin Angeln
Klassisches Trolling
Die mit Abstand erfolgreichste und am häufigsten eingesetzte Methode beim Blue Marlin Angeln ist das klassische Schleppangeln (Trolling). Dabei fährt das Boot mit mehreren ausgelegten Ködern in einer Geschwindigkeit von etwa sechs bis neun Knoten über vielversprechende Bereiche. Mit Hilfe von Auslegern (Outrigger) können bei den entsprechenden Big Game Booten viele Ruten gleichzeitig geschleppt werden. Zum Einsatz kommen als Köder große Skirted Lures, aber auch Köderfische wie Bonitos oder Makrelen. Wichtig ist in jedem Fall eine saubere Köderpräsentation.

Bild: R. Korn
Über die langen Ausleger („Outrigger“), können Köder weit neben dem Boot präsentiert und gestreut werden – somit kann eine große Anzahl an Ruten gleichzeitig gefischt werden.
Erfahrene Crews wissen, welche Köderformen und Farben in welcher Position am besten funktionieren. Zusätzlich werden nicht selten auch Hakenlose Lockköder (Teaser) geschleppt, die den Marlin näher ans Boot locken sollen. Besonders aussichtsreich sind Kanten, Unterwasserberge und Strömungswechsel. Moderne Echolote und Kartenplotter helfen dabei, solche Hotspots gezielt anzusteuern. Nicht zu verachten ist auch die Wassertemperatur – und, wie immer – das Vorhandensein von Beutefischen.

Bild: F. Frenzel
Großer Köder, großer Fisch! Marlinköder haben im Regelfall wirklich amtliches Format und auch an die Vorfachstärke – fast schon in Wäscheleinen-Manier – muss man sich als „Ottonormal“-Süßwasser-Angler erstmal gewöhnen.

Bild: Black Bart Lures
Der (oder die) Haken wird im Regelfall an einem Stück schweren Stahlvorfach montiert. Dieser Teil wird ohnehin vom Skirt des Köders verdeckt. Vor dem Köder kommt dann meist dickes Monofil zum Einsatz.
Bait & Switch
Eine sehr erfolgreiche und auch spannende Methode ist das sogenannte „Bait & Switch“-Angeln auf Marlin. Durch die Jagdstrategie des Marlins ist die Hakquote auf Schleppköder oftmals nicht außerordentlich gut. Oft schlägt der Fisch zunächst mit dem Schwert auf den Köder ein – gehakt werden kann ein Marlin aber meist nur im Maul. Beim Bait & Switch werden zunächst hakenlose Teaser hinter dem Boot geschleppt. An Bord steht dann eine bereits vorbereitete Rute mit einem Köderfisch am Circle Hook.
Nähert sich ein Marlin den Teasern, werden diese eingeholt und der Marlin folgt diesen meist in Richtung Boot. Nun ist der Moment gekommen: Jetzt kommt die Köderfisch-Rute zum Einsatz und dem Fisch wird der echte und fressbare Köderfisch präsentiert. Nimmt der Marlin den Köder, kann man dem Fisch kurz Zeit geben, bis der Köder im Maul verschwunden ist, und der Haken dann sauber im Maul greifen kann. So erreicht man eine viel bessere Hakquote als beim regulären Trolling.
Die beste Zeit zum Marlin Fischen
Die ideale Saison hängt stark vom jeweiligen Reiseziel ab. In vielen Revieren ist das Marlin Fischen zwischen Frühjahr und Herbst besonders erfolgreich. Entscheidend sind Wassertemperaturen zwischen 22 und 30 Grad Celsius sowie ein reiches Nahrungsangebot.Vor der Reise lohnt es sich, die saisonalen Fangzeiten des jeweiligen Reisegebiets zu recherchieren. Lokale Charterkapitäne kennen die aktuellen Bedingungen und erhöhen die Erfolgschancen erheblich.
Sicherheit und Nachhaltigkeit
Beim Marlin angeln steht nicht nur der Fang im Mittelpunkt, sondern auch der respektvolle Umgang mit dem Fisch. Viele Hochseecharter arbeiten nach internationalen Standards und setzen Marline nach dem Fang möglichst schonend zurück. Der Fisch sollte möglichst im Wasser verbleiben und nur kurz für ein Erinnerungsfoto an die Bootsseite geführt werden. Ein schneller und schonender Umgang verbessert die Überlebenschancen erheblich. Ebenso wichtig ist die Sicherheit an Bord. Hochseeangler sollten stets passende Schuhe tragen, den Anweisungen der Crew folgen und auch Sonnenschutz und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr nicht vernachlässigen. Beim Big Game sind gigantische Fische, schwere Schnüre, große Haken und brachiale Kräfte an der Tagesordnung, Sicherheit sollte daher besonders hier immer vorgehen! Das gilt auch für den Drill: Bedeutet, einen Kampfgurt und Schultergurt – oder bei Anfängern besser noch, einen Kampfstuhl – nutzen, um Rücken und Arme zu entlasten.

Bild: A. Schmid
Ein Kampfstuhl erleichtert die Handhabung gigantischer Fische am schweren Big Game Gerät gerade für Einsteiger ungemein!
Leider kein günstiges Abenteuer …
Für viele Angler ist das Marlin Fischen die Königsdisziplin des Hochseeangelns schlechthin. Kraftvolle Drills mit einem der größten Sportfische des Planeten, spektakuläre Sprünge und das Angeln auf dem weiten, offenen Ozean machen jeden Angeltag zu einem unvergesslichen Erlebnis. Mit einer hochwertigen Ausrüstung, einer erfahrenen Bootsbesatzung und etwas Geduld steigen die Chancen auf den Traumfang deutlich.
Wer das Angeln auf den Blauen Marlin einmal im Urlaub ausprobieren möchte, muss sich im Übrigen nicht in die Privatinsolvenz stürzen und sämtliches Gerät selber mitbringen. Bei einem Charter auf Marlin ist das Gerät in aller Regel inbegriffen. Allerdings hat dieses Spektakel dennoch seinen Preis. Große, gut motorisierte und spezielle Boote, hochwertiges Gerät und eine mehrköpfige, erfahrene Crew kosten nunmal ihr Geld. Realistisch geht eine Tagesausfahrt auf Blauen Marlin daher in den meisten Destinationen bei ca. 800–1000€ los. Die Redewendung „Big Game macht genauso süchtig Heroin, ist aber teurer…“ kommt daher auch nicht von ungefähr.

Bild: J. Müller
Bucht man eine Ausfahrt zum Marlin Angeln, muss man sich im Regelfall keine Gedanken über das Equipment machen, das ist normalerweise im Charter enthalten.
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