Über den Suezkanal wandert der giftige Exot stetig aus dem Roten Meer in den östlichen Mittelmeerraum ein. Doch aktuell hat die Situation eine neue Dimension erreicht. Vor allem in den Küstenregionen rund um Attika (Athen) und Euböa tauchen die Fische vermehrt in flachem Uferwasser auf. Das griechische Rote Kreuz hat deshalb erstmals eine offizielle Sicherheitswarnung zum Hasenkopf-Kugelfisch für Badegäste und Urlauber herausgegeben.
Rudelverhalten und „Dosenöffner“-Kiefer
Meeresforschern zufolge zeigen die Fische eine besorgniserregende Verhaltensänderung: Da natürliche Feinde wie Haie, Schwertfische und Goldmakrelen stark überfischt sind, steht der Kugelfisch an der Spitze der Nahrungskette. Die Tiere haben jegliche Scheu verloren, bilden aggressive Rudel und attackieren im Flachwasser gezielt Schwimmer.
Mechanische Gefahr: Der Biss des Fisches ist zwar nicht giftig, aber seine schnabelartigen Kiefer sind extrem kräftig. Sie trennen mühelos Blechdosen oder dicke monofile Schnüre durch. Bisse bei Badegästen führten in schweren Fällen bereits zu tiefen Fleischwunden und amputierten Fingern.
Tödliches Gift: Die eigentliche Gefahr im Inneren ist Tetrodotoxin (TTX). Das starke Nervengift sitzt in den Organen, der Haut und dem Fleisch. Bereits 1 bis 2 Milligramm sind für den Menschen absolut tödlich. Es gibt kein Gegengift. Der Verzehr sowie der Verkauf sind in der gesamten EU streng verboten.
Für lokale Fischer ist der Hasenkopf-Kugelfisch (Lagocephalus) längst ein wirtschaftlicher Albtraum. Das Griechische Zentrum für Meeresforschung (ELKETHE) beziffert den jährlichen Schaden pro Fischer durch zerstörte Ausrüstung auf über 6.000 Euro. Die Fische zerreißen Netze und beißen im Drill Haken sowie Vorfächer einfach durch.
Das bedeutet die Plage für Angler
Wichtig für den nächsten Angelurlaub: Sollte ein Hasenkopf-Kugelfisch am Haken landen, ist extreme Vorsicht beim Lösen geboten (Lippen- und Fingerkontakt unbedingt vermeiden!). Der Fisch darf unter keinen Umständen als Köderfisch oder gar für die Küche verwertet werden. Wissenschaftler forschen derzeit im EU-Projekt „Lagomeal“ lediglich daran, wie man das Gift industriell extrahieren kann, um die Fische zu harmlosem Fischmehl für Tierfutter zu verarbeiten.
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