Paradebeispiel Untere Möll: Bewirtschaftung ohne Besatz

Fünf Kraftwerke und ein Speichersee, die eine im Verhältnis dazu unglaublich kurze Fließstrecke maßgeblich beeinflussen. Das sind die Fakten! Die Untere Möll der Familie Gradnitzer beweist, wie man selbst in einem so stark verbauten Gewässer sehr gute Wildfischbestände ganz ohne Besatzmaßnahmen aufbauen und erhalten kann. Sepp Prantler hat der Gewässerperle einen Besuch abgestattet.

Äsche

Gerade die Äsche ist empfindlich für Fraßdruck durch Prädatoren – der Bestand in der Möll ist trotzdem hervorragend.

Nicht weit draußen im Stausee kreuzen kapitale Regenbogenforellen. Die Größe einzelner Exemplare kann einem schwindelig machen. Sie zu fangen auch, denn das ist wahrlich nicht einfach! Den See und die darunter liegende Restwasserstrecke mit ihrer guten Äschen- und Forellen-Fischerei kannte ich schon von früher. Anfang November begleite ich Gert Gradnitzer an die Möll oberhalb des See-Einlaufes. Wir können den Auslauf des Kraftwerkes darüber sehen, das gerade Spitzenstrom produziert. Wasserstand und Strömung sind entsprechend.

Es ist keinerlei Oberflächenaktivität erkennbar. Ohne wirklich damit zu rechnen, gelingt es mir, nach einigen Würfen mit Trockenfliege in der Dead Drift die erste Äsche an den Haken zu bringen. Kein Einzelfall, denn einige weitere folgen. Die Fische sind trotz des kalten Wassers blitzschnell an der Fliege und genauso schnell wieder weg.

Bewirtschaftung ohne Besatz: Raubvögel tun sich schwer bei Wildfischen!

Gert fängt einige schöne Äschen mit der Nymphe. Eine gute Äsche hat deutliche Bissspuren eines Kormorans. „Wir haben hier Kormorane, Gänsesäger, Reiher und Otter. Aber, weil nur Wildfische im Wasser sind, tun sich die Prädatoren wesentlich schwerer, Beute zu machen als in Revieren mit unbedarften Besatzfischen“, erläutert Gert. Er erzählt mir, dass Bestandserhebungen einen außergewöhnlich guten Fischbestand ergeben haben. Eine Bewirtschaftung ohne Besatz heißt eben nicht zwangsläufig, dass weniger Fische im Gewässer vorhanden sind.

Äsche Bisspuren

Auch an der Möll gibt es Prädatoren, wie die Bisspuren an dieser Äsche zeigen – Wildfische können aber generell viel besser mit Räubern umgehen als unerfahrene Besatzfische.

Wir wechseln die Uferseite und fischen unmittelbar ober- und unterhalb des Kraftwerksauslaufes, das jetzt keinen Spitzenstrom mehr produziert. Das Wasser ist zurückgegangen und die Strömung sanfter geworden. Bereits der erste Wurf mit meiner Trockenfliege bringt eine kräftige Äsche in schillernden Farben. Ein paar Würfe später steigt eine etwa gleich große Äsche auf meine Fliege, aber ich „versemmle“ den Anschlag. Das war es dann an dieser Stelle für die Trockene. Gert fängt mit der Nymphe einen Fisch nach dem anderen. Jeder zweite, dritte Wurf ein Fischkontakt. Nicht jeder kann gelandet werden.

… Und es geht doch!

Jetzt sind auch Regenbogenforellen dabei, farbenprächtige Kleinere und größere. Flink und stark stemmen sie sich gegen die Rute. So, wie es halt nur echte Wildfische tun. Gert weiß, was er tut, kennt das Wasser, seit er laufen kann. Seiner Familie gehört dieses Revier seit Generationen.„Für meinen Vater war es ganz normal, Fische zu besetzen. Das machte man halt so und alle machten das. Niemand konnte sich vorstellen, dass eine Bewirtschaftung ohne Besatz in so einem Revier möglich wäre. Bis ich es probiert habe. Es erfüllt mich auch mit einem gewissen Stolz, dass das so gut gelungen ist. Wenn es in diesem unglaublich stark von der Wasserkraft beeinflussten Gewässer geht, dann würde das auch in vielen anderen Revieren gelingen“, sagt Gert fast nebenbei zu mir und fängt derweil die nächste Äsche. Das ist doch mal eine Ansage!

„Das Wichtigste bei einem so stark verbauten Revier ist, Struktur einzubringen: Buhnen und Steinwürfe, die den Fischen Unterstände bieten und dafür sorgen, dass sich Kies für Laichplätze ablagert. Das ist weit weniger Aufwand, als man oft meint.“ Dabei deutet er auf eine Buhne, die er etwas unterhalb von uns auf der anderen Flussseite angelegt hat: „Dort hat sich der beste Laichplatz im ganzen Revier gebildet.“

Bewirtschaftung ohne Besatz – eine lohnende Herausforderung

Ich bin schwer beeindruckt von der leidenschaftlichen Überzeugung eines Menschen, der neue Wege der Bewirtschaftung gegangen ist und freue mich über den beeindruckenden Erfolg seines Wirkens. Trotz der kalten Luft- und Wassertemperaturen bestätigen unsere Fänge, dass wirklich viele Äschen und Forellen im Fluss leben.

Beim Fischen auf reine Wildfische fängt man meist kleinere, seltener die größeren Exemplare. Das ist gut so, denn dann stimmt die Altersstruktur. Wilde Fische sind scheu und schwerer zu fangen als „dumme“ Besatzfische. Entsprechend vorsichtig sollte man sich am Wasser bewegen und Leerwürfe vermeiden. Jeder gefangene wilde Fisch ist mehr wert als zig gefangene Besatzfische. Nur bei echten Wildfischen kann der Fliegenfischer sicher sein, dass es sein persönliches Können ist, das den Erfolg bringt!

Fliegenfischen Szenerie

Die wilden Fische sind nicht leicht zu überlisten. Hier kommt es auf das Können des Anglers an – wer unvorsichtig agiert, wird von den scheuen Fischen sofort abgestraft.

Und nicht der Hunger eines Besatzfisches, der ziemlich alles frisst, was man ihm zuwirft oder sogar auf den Fischer zuschwimmt, weil er Menschen mit Futter verbindet. Es gibt nicht viele Gewässer in den Alpen, in denen man auf rein selbst reproduzierende Forellen und Äschen fischen darf. Und noch weniger, an denen man sogar Fische zum Essen mitnehmen kann. Entsprechend verantwortungsvoll sollte sich jeder Fischer verhalten, der in so einem Gewässer seine Fliegenleine entfalten darf. So, als ob ihm selbst das Revier gehören würde.

Fischparadies im Strom der Turbine

Die Strecke liegt mitten in einer der leistungsstärksten Wasserkraftwerksgruppen Österreichs. Zentral im Revier befindet sich ein etwa 30 Hektar großer Ausgleichsspeicher, in den das Triebwasser des Kraftwerks Malta Hauptstufe zusätzlich zum Möll-Wasser eingeleitet wird. Der Schwellbetrieb führt zu enormen Wasserstands Schwankungen. Einige Hundert Meter oberhalb des Einlaufes der Möll in den Speicher befindet sich ein weiteres Kraftwerk, das Spitzenstrom erzeugt und bei Betrieb stark unterschiedliche Strömungsverhältnisse verursacht. Die Möll oberhalb dieses Kraftwerkes unterliegt dem Schwellbetrieb eines noch weiter oben liegenden Stausees.

Kraftwerk

Bewirtschaftung ohne Besatz geht trotzdem: Vor den Toren eines mächtigen Wasserkraftwerkes befindet sich eine echte Vorzeige-Fliegenstrecke mit tollem Wildfischbestand.

Aus dem Ausgleichsspeicher Rottau wird ein Großteil des Wassers der Malta Hauptstufe und der Möll in das Kraftwerk Malta-Unterstufe ausgeleitet. Eine geringe Restwassermenge fließt durch eine Turbine in das eigentliche Bett der Möll, wo es nach einigen Kilometern in die Drau mündet. Ein so außergewöhnlich stark verbautes Gewässer stellt ganz besondere Anforderungen an die fischereiliche Bewirtschaftung. Nicole und Gert Gradnitzer ist es trotzdem gelungen, einen hervorragenden, sich selbst vermehrenden Bestand an Äschen, Bach- und Regenbogenforellen aufzubauen. Seit über 15 Jahren völlig ohne Besatzmaßnahmen. Derzeit wird ein Wiederansiedelungsprogramm für den einst in der Möll heimischen Huchen durchgeführt.

„Unsere umfangreichen strukturellen Maßnahmen zur Verbesserung der Selbstvermehrung der Fische funktionieren. Vor allem der Äschenbestand hat sich fantastisch entwickelt. Die Äsche steht auch seit vielen Jahren im Fokus unserer Bemühungen“, so Gert Gradnitzer.

Im Stausee hat sich eine Regenbogenforellenpopulation ausgebildet, die primär im See lebt und im Frühjahr in die Möll zum Laichen wandert. Gute Futterquellen im See sorgen für ein schnelles Wachstum. Es kommen enorm kampfkräftige Fische über 80 Zentimeter vor! Das Möll-Revier der Familie Gradnitzer ist aufgrund der massiven Eingriffe für die Stromerzeugung sicher kein landschaftlich idyllisches Alpenrevier, wie man es sich als Fliegenfischer vielleicht wünschen würde. Aber es ist ein Parade-Beispiel dafür, dass es möglich ist, auch in so einem Gewässer stabile Wildfischbestände aufzubauen. Einige landschaftlich attraktive Abschnitte findet man aber auch hier.

Regenbogenforelle

Vor allem im Stausee finden sich auch kapitale Regenbogenforellen.

Bewirtschaftung ohne Besatz: Wer wagt, gewinnt!

Gert Gradnitzer äußert sich wie folgt über das Revier: Bei uns in der Familie fischen alle: Meine Frau, ich und unsere drei Kinder. Wir haben das Revier von unseren Vorfahren übernommen und wollen dieses im bestmöglichen Zustand an unsere Nachkommen weitergeben. Vor über 15 Jahren war der Äschenbestand so weit zurückgegangen, dass wir ernste Sorgen hatten, ob es künftig überhaupt noch Äschen bei uns im Revier geben würde.

Ein befreundeter Fischereibiologe meinte: „Man kann selbst so ein Revier wie Eures ohne Besatzmaßnahmen bewirtschaften!“ Ich beschloss, es ernsthaft zu versuchen. Sollte es scheitern, könnte ich ja wieder auf Besatzfische zurückgreifen. Aber tatsächlich wurde der Fischbestand Jahr für Jahr besser. Besonders gut entwickelte sich die Äsche. Die begleitenden Gewässer-Strukturmaßnahmen waren sicher der wichtigste Faktor, dass sich der Fischbestand auf das jetzige Niveau entwickelt hat.

Wir wollen aber auch anderen Menschen das Angeln auf wilde Fische ermöglichen. Und auch, dass sie Fische zum Essen entnehmen dürfen. Wir erwarten von unseren Gästen aber, dass sie den selbst reproduzierenden Forellen und Äschen den Wert geben, den sie verdienen und sich entsprechend am Wasser und im Umgang mit den Fischen verhalten!

Die Möll

Das Revier hat eine Länge von 7,5 km und beinhaltet einen Stausee. Tageskarten gibt es limitiert vom 15. April bis 15. November. Die Entnahme von 2 Regenbogenforellen im „Küchenfenster“ zwischen 25 und 45 cm ist erlaubt. Äschen, Bachforellen und Huchen sind ganzjährig geschont. Lizenzen und weitere Infos: [email protected]

Mag. Gert Gradnitzer, Tel. 0043 650 4706077

Nicole Gradnitzer, BA, Tel. 0043 650 4706034

Zusatzinfo

zu den Kraftwerken, welche das Gradnitzer-Revier beeinflussen:

Das Kraftwerk Malta Hauptstufe entwässert über Druckwasserleitungen direkt in den Speichersee. Dieses produziert Spitzenstrom. Wenn Wasser in den See geleitet wird, dann richtig viel und der Seespiegel steigt entsprechend stark. Das Kraftwerk Kolbnitz produziert ebenfalls Spitzenstrom über eine Druckwasserleitung aus einem anderen See. Der gesamte Oberlauf der Möll über dem Speichersee unterliegt zusätzlich dem Schwellbetrieb eines noch weiter oben liegenden Kraftwerkes.

Stausee

Das Revier befindet sich im Einflussbereich mehrerer Wasserkraftwerke, die große Auswirkungen auf Strömung und Wasserstand haben.

Beim Auslauf des Speichersees wird der Großteil des Wassers der Möll und das zusätzlich über Druckwasserleitungen zugeführte Wasser aus der gewaltigen Kölnbreinsperre, dem höchsten Staudamm in Österreich, zum Kraftwerk Malta Unterstufe ausgeleitet, das nicht mehr in die Möll, sondern direkt in die Drau entwässert. Das Kraftwerk Rottau leitet aus dem Speichersee durch eine Turbine nur noch die geringe Restwassermenge von 5 Kubikmeter/Sekunde in das eigentliche Flussbett der Möll. Diese Restwasserstrecke läßt sich sehr gut befischen. Insbesondere Äschen in allen Größen tummeln sich dort.

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