Tödliche Gefahr für den Aal: Massensterben am Rhein in NRW

Seit zwei Wochen werden entlang des Rheins von Bonn bis Rees zahlreiche tote Aale an den Ufern gefunden. Besonders betroffen sind Blankaale, die geschlechtsreifen Europäischen Aale, die sich auf ihre lange Wanderung in die Sargassosee begeben, um dort abzulaichen.

Massensterben am Rhein: Tote Aale werden entlang der Ufer angespült.

Bild:  Johannes Rottländer/RhFV

Massensterben am Rhein: Tote Aale werden entlang der Ufer angespült.

Die aktuellen Totfunde betreffen eine bereits stark bedrohte Fischart: Der Europäische Aal (Anguilla anguilla) hat seit den 1980er Jahren massiv an Bestand verloren. In NRW engagieren sich Angler und Naturschützer seit Jahren intensiv für den Schutz dieser Art, unter anderem durch Besatzmaßnahmen.

Entlang des Rheins werden tote Aale geborgen

Bild: RhFV

Entlang des Rheins werden die toten Aale geborgen, um die Ursachen ihres Sterbens zu untersuchen.

,,Es blutet einem das Herz: Seit Jahren engagieren wir uns mit großem Einsatz für den Erhalt dieser faszinierenden Fischart und haben unzählige junge Glasaale in den Gewässern von NRW ausgewildert. Umso erschütternder ist es, diese sinnlos getöteten Elterntiere zu sehen – Tiere, die für den Fortbestand der ohnehin stark bedrohten Population von unschätzbarem Wert sind.“ — Fabian Gräfe, Geschäftsführer Rheinischer Fischereiverband

Ursachen für das Aalsterben

Die toten Aale zeigen deutliche Anzeichen mechanischer Einwirkung, häufig zerstückelt. Als wahrscheinliche Ursache gelten Turbinen und Rechen von Wasserkraftanlagen, die für wandernde Aale ein erhebliches Risiko darstellen. Mitarbeitende des Rheinischen Fischereiverbandes und des Landesamtes für Verbraucherschutz und Ernährung sammeln die verendeten Fische ein, um sie wissenschaftlich zu untersuchen, unter anderem mittels Röntgenuntersuchungen. Bereits seit einigen Jahren werden solche Funde im Rahmen des grenzüberschreitenden EU-Projekts „Der Rhein verbindet“ dokumentiert. Neu ist jedoch die Menge der aktuell betroffenen Tiere, die die Dringlichkeit des Problems deutlich erhöht.

Schutzmaßnahmen für den Aal in NRW

Um den Aalbestand zu überwachen, wurde 2024 beim Landesfischereiverband Westfalen und Lippe e.V. ein Projekt zur Monitoring und Evaluierung der Aalbestände gestartet. Gefördert wird dieses Projekt aus dem Europäischen Meeres-, Fischerei- und Aquakulturfonds. Dr. Anika Salzmann und Dr. Svenja Storm untersuchen gemeinsam mit Anglern, wie es um die Bestände des Europäischen Aals in NRW bestellt ist.

Der Aal benötigt frei durchwanderbare Fließgewässer für seinen komplexen Lebenszyklus. Junge Steigaale steigen von den Küsten aufwärts, während die erwachsenen Blankaale nach acht bis zwölf Jahren wieder zu ihren Laichgründen in die Sargassosee ziehen. Dabei stellen Wasserkraftanlagen ein erhebliches Hindernis dar. Selbst scheinbar unversehrte Aale können durch innere Verletzungen ihre Wanderung nicht vollenden. Das gefährdet den Fortbestand der Art.

Forderungen des Fischereiverbandes NRW

Der Fischereiverband NRW betont, dass er die Interessen der Angler vertritt, die sich sowohl finanziell als auch durch ehrenamtliches Engagement für bedrohte Fischarten einsetzen. Der Verband kritisiert die katastrophalen Auswirkungen von Wasserkraft auf aquatische Organismen als untragbar und fordert, dass diese Probleme nicht zugunsten politischer Forderungen nach erneuerbaren Energien ignoriert werden. Außerdem hat der Verband bereits eine Anfrage an Umweltminister Oliver Krischer gestellt, um die Missstände zu beseitigen.

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