Naturschutz darf nicht an der Wasseroberfläche enden: Ohne ein konsequentes und fachlich fundiertes Kormoranmanagement geraten heimische Fischarten zunehmend unter Druck. Wer daran noch zweifelt, hätte nur den kurzen Weg vom Landtag zur Langen Brücke antreten müssen. Dort stand Daniel Müller, Hauptgeschäftsführer des Landesanglerverbandes Brandenburg e. V., am Wochenende dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) Rede und Antwort.

Bild: Marcel Weichenhan / LAVB
Daniel Müller vom Landesanglerverband Brandenburg im rbb-Interview.
Bis zu 1.500 Kormorane jagen im Hafenbecken
Nach Angaben des Landesanglerverbandes Brandenburg (LAVB) nutzen seit Tagen bis zu 1.500 Kormorane die offenen Wasserflächen, um dort täglich zu jagen.
Jeder Vogel benötigt rund 500 Gramm Fisch pro Tag. Innerhalb kürzester Zeit wurde dadurch eine über Monate aufgebaute Konzentration von Fischbeständen vollständig aufgelöst. Besonders betroffen sind Plötzen, Barsche, Zander und weitere heimische Fischarten, die sich in der kalten Jahreszeit in den winterwarmen Bereichen sammeln. Die Alte Fahrt galt bislang als beliebter Winterangelspot – dieser Status wurde innerhalb weniger Tage zunichtegemacht.

Bild: Marcel Weichenhan / LAVB
Dicht gedrängte Kormorane auf dem Wasser.

Bild: Marcel Weichenhan / LAVB
Ein toter Zander auf dem Eis zeigt die Folgen der hohen Kormorandichte.
Artenschutz unter Druck: „Die Dosis macht das Gift“
Der Landesanglerverband betont, dass moderner Naturschutz alle Ebenen eines Ökosystems berücksichtigen muss. Ein unregulierter Schutzstatus des Kormorans gefährde inzwischen andere geschützte Arten und konterkariere jahrelange Bemühungen von Fischern, Anglern und Naturschützern gleichermaßen. Besonders problematisch ist die Situation für Wiederansiedlungsprojekte. Die hohe Kormorandichte wirkt laut Landesanglerverbandnhochbelastend auf alle Bemühungen zur Rückkehr von Arten wie Lachs und Meerforelle in Brandenburgs Fließgewässer. Das Problem ist aber längst kein regionales mehr. Der aktuelle Schutzstatus des Kormorans stellt ein EU-weites Thema dar, da die Art aktuell in keiner Weise mehr gefährdet ist. Gleichzeitig geraten andere Fischarten und jahrelange Artenschutzarbeit zunehmend unter Druck.
Forderung nach einem landesweiten Kormoranmanagement
Der LAVB fordert deshalb ein verbindliches und fachlich fundiertes Kormoranmanagement für Brandenburg. Dazu gehören unter anderem:
ein klares politisches Bekenntnis zum Handeln,
eine umfassende Datenerfassung aller im Land vorkommenden Kormorane,
sowie eine Anpassung der Brandenburgischen Kormoranverordnung an die tatsächliche Ertragsfähigkeit der Gewässer
Ohne ein angepasstes Kormoranmanagement drohen langfristige Schäden für Brandenburgs Fischbestände, den Artenschutz und die nachhaltige Nutzung der Gewässer. Daniel Müller vom Landesanglerverbandes Brandenburg betonte, dass im Artenschutz viel ehrenamtliches Engagement innerhalb kurzer Zeit durch Kormorane zunichtegemacht werde. Viele Anglerinnen und Angler in Brandenburg leisten hier seit Jahren wertvolle Arbeit.
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