Freiwasserhechte

Hechte stehen an „markanten Stellen“! Versunkene Bäume, Stege, Pflanzenbetten usw. sind typische „Standorte“, an denen man sie suchen soll… Auch ich habe diese Empfehlungen immer wieder ausgesprochen.

Bitte erklären Sie mich nicht gleich für verrückt, wenn ich Ihnen hier völlig neue Angelplätze empfehle, denn die herkömmlichen Pauschalempfehlungen repräsentieren nur den einfach zu lokalisierenden Teil möglicher Standorte für Hechte in einem Großgewässer. Gerade die extrem-kapitalen Hechte haben es nicht mehr nötig, in irgendeiner Form Deckung zu suchen. Sie nutzen den riesigen Wasserkörper eines Gewässers. Der „Grund“, Uferzonen oder sonst strukturierten Bereich eines Angelgewässers sind für diesen Beitrag uninteressant! Alle Hechte, die sich nicht an festen Strukturen orientieren und scheinbar willkürlich und ziellos im Wasser umherirren, sind so genannte Freiwasserhechte. Ich habe festgestellt, dass es in den verschiedensten Gewässertypen eine nennenswerte Anzahl von Freiwasserhechten gibt. Ihnen wird meist deutlich weniger nachgestellt als den Hechten, die sich verstärkt an der Struktur orientieren. Ich bin sogar überzeugt, dass sich unterschiedliche Hechte in ein und demselben Gewässer auf unterschiedliche Gewässerbereiche „spezialisieren“ und dies sogar in der Zeichnung des Schuppenkleides erkennbar wird. In großen Talsperren, den Rügener Bodden und auch einigen großen Voralpenseen findet man häufig stark unterschiedliche Zeichnungen des Schuppenkleides bei gefangenen Fischen. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Zeichnung der Räuber ein sicheres Indiz für das Jagdverhalten und den bevorzugten Aufenthaltsort der Hechte ist. Ausgesprochen stark gefleckte Zeichnungen mit ausgeprägten Flecken deuten auf eine bevorzugte Jagd in krautiger Deckung hin. „Muskyartig – glatt- gezeichnete“ (weniger stark gezeichnete) Räuber habe ich extrem häufig im Freiwasser erbeutet. Dieses Phänomen konnte ich insbesondere im Möhnesee und in den Bodden beobachten, die offenkundig 2 „Sorten“ Hechte beherbergen: Die an Struktur orientierten „Fleckenhechte“ und die glatten, wenig gefleckten Freiwasserhechte. Sie ziehen Ihrem Futter hinterher. Im Möhnesee sind es die Maränen, die zu unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten die verschiedensten Standorte aufsuchen. In den Bodden sind es die fetten Heringe, die im Sommer sogar bis in die Ostsee hinausziehen. Viele, nicht alle Großhechte folgen ihnen brav hinterher und gehen den erstaunten Trolling-Anglern an die Lachsangel! Freiwasserhechte scheinen in der endlosen Weite des „Nichts“, dem eigentlich unlesbaren Wasserkörper ohne Anhaltspunkt zu verschwinden. Dennoch sind sie da! Äußerst groß und häufig sehr zahlreich! Das für uns Angler besonders interessante Phänomen bei Freiwasserhechten ist die Tatsache, dass diese selten als Einzelgänger auftreten. Haben wir einen gefunden, sind weitere Exemplare selten fern. Besonders im Freiwasser gilt die alt-bekannte 80/20-Regel, die besagt, dass 80 Prozent der Fische sich auf 20 Prozent der Wasserfläche konzentrieren. Dort, wo Futter, angenehme Temperaturen, optimales Licht und ausreichend Sauerstoff zusammentreffen, dort versammeln sich auch gerne viele Hechte! Wie lokalisiert man Freiwasserhechte? Diese Hechte auf einem Großgewässer zu finden, ist jedoch nicht ganz einfach. Das beste und wichtigste Hilfsmittel für die Lokalisierung fischreicher Gewässerbereiche ist zweifelsfrei das Echolot. Es hilft uns nicht nur, die fischreicheren Seengebiete zu erkennen, sondern gibt auch Aufschluss über Wasserschichtungen und fängige Tiefenbereiche. Fast immer konzentrieren sich die Räuber nämlich auf einen recht schmalen Streifen – eine mehr oder minder breite Tiefenlinie. Diese liegt meist in der Thermocline (Sprungschicht), dicht am Übergang in den Hypolimnion (kaltes, sauerstoffarmes Wasser=Tiefenschicht). Die besondere Schwierigkeit für Einsteiger in die Freiwasserangelei liegt darin, dass sie sich durch 3 Dimensionen hindurchsuchen müssen. Gute „Stellen“ gibt es im Freiwasser einfach nicht. Es gibt fängige Tiefen und „Bereiche“ größere Fischkonzentrationen, in den sich der Fisch aber durchaus zügig bewegt, denn Ihr Futter tut das auch. Schematische Darstellung eines tiefen, stehenden Gewässers im Sommer: Im Bereich der Sprungschicht finden die Fische günstige Temperatur- und Sauerstoffverhältnisse. In dieser Schicht halten sich die Fische am Tag auf. Am frühen Morgen und am Abend steigen sie auch in die höhere, warme Schicht auf. Bild-Quelle: www.blinker.de/ Leider ist die Benutzung von Echoloten auf verschiedenen Gewässern verboten. Trotzdem lassen sich etliche wichtige Informationen auch so dem Gewässer entlocken. Wichtigste Hilfsmittel sind der gesunde Menschenverstand und ein Tiefen-geeignetes Thermometer. Ich selbst arbeite dafür gern mit dem GTM 40 +(Tiefen-+ Temperaturmessung) oder dem Senso-Diver(Tiefen- + Temperatur+ Lichtmessung). Beide Geräte zeigen innerhalb der Übergänge von der Oberflächenschicht in die Sprungschicht und von der Sprungschicht in die Tiefenschicht deutliche Temperatursprünge an, wogegen die Temperaturänderung innerhalb einer Schicht linear verläuft. Nach der Laichzeit, ab ca. Mitte Mai ziehen viele Hechte zurück ins Freiwasser. Zunächst findet man sie häufig noch angenehm flach bis ca. Mitte Juni. Erst, wenn die Sonne das Wasser kräftig aufgeheizt hat, „tauchen“ die älteren Damen lieber etwas ab – sie mögen Temperaturen über 18 Grad Celsius nicht so gern. Wassertiefen von 6-12 Metern sind dann ihr bevorzugtere Aufenthaltsbereich. Aber Achtung! Diese Tiefenangaben sind noch immer recht ungenau und bedürfen sehr genauer Überprüfung. Überprüfung auch im Tagesverlauf ist nötig, denn Freiwasserhechte ändern Ihre Standtiefe auch innerhalb eines Tages erheblich! Früh flach, am Tage tief und abends wieder flach ist die Regel. Die Ursache sind die kleinsten Freiwassertiere eines Gewässers, das Plankton! Plankton „wandert“ ebenfalls erheblich und mit ihm die Futterfischchen der Räuber! Angler, die meinen, sie hätten die Räuber endlich gefunden, werden sich wundern. So schnell wie man sie hat, sind sie häufig auch wieder weg! Neben der Änderung des Lichts spielen hier auch Strömungen und Zirkulationen eine ganz erhebliche Rolle. Es gilt, das Wasser und seine Strömungen optimal zu verstehen und wie ein Stratege zu analysieren. Wie beim Uferangeln auch orientiere ich mich bevorzugt in die „windigeren“ Gewässerteile. Dort ist für das für die Sommerangelei besonders interessante Sauerstoff-reiche Wasser! In jedem großen, stehenden Gewässer gibt es für den Fisch (und uns Angler!) interessante Strömungen, die es zu entdecken und nutzen gilt! Leider kann ich Ihnen nur recht kleine Anhaltspunkte dazu geben, aber die interessanten Strömungen und fängigen Bereiche wiederholen sich unter gleichen Bedingungen. Sie müssen deshalb nicht wahllos auf dem Wasser umherirren! Achten Sie unbedingt auch darauf, dass Sie nicht monoton den ganzen Tag in einer Tiefe verbleiben. Sobald Bisse ausbleiben, sind die Fische woanders zu finden. Frühjahr: Die sichelförmigen Anzeigen verraten die Fische im Bereich des Oberflächenwassers . Sommer: Vereinzelte Sicheln zeigen, dass die Fische im Mittelwasser in der Sprungschicht stehen. Winter: Geballte Anzeigen über dem Gewässerboden. Die Fische haben sich in die Tiefe zurückgezogen. Welche Angeltechniken und Köder sind für Freiwasserhechte besonders gut? Die wahrscheinlich effektivste Angeltechnik für das Freiwasser ist das Schleppfischen. Mit der Schleppangel lassen sich gleich mehrere Köder über eine große Wasserfläche und eventuell (wenn erlaubt) über verschiedene Wassertiefen präsentieren. Ohne Vorinformationen müssen wir natürlich viele offene Fragen beantworten. Welche Tiefe ist gerade fängig? Welche Farben sind fängig? Welche Beute müssen wir vortäuschen? Welche Geschwindigkeit sollten wir für die Köderpräsentation wählen? Anglern, die unsicher sind, empfehle ich, die Köder so auszuwählen, dass die Schnurlänge beim Schleppen nicht zu groß wird. 30 – 50 Meter sind meistens gut. Eine kurvenreiche Fahrt lässt den Köder unregelmäßig (und damit viel attraktiver!) schwimmen und wer mit seinem Köder nah an die „echte“ Beute herankommt, liegt meistens sehr gut! Insbesondere die vielfältigen Schleppsysteme(Wikam, Stocker usw.) sind dafür erste Wahl! Auch das riesige Spektrum an Wobblern kommt zum Einsatz, da diese fast alle eine „eingebaute Tauchtiefe“ besitzen. Fluch und Segen liegen hier aber dicht beieinander, denn erst, wer in der richtigen Tiefe fischt, hat die halbe Miete drin! Fängige Bereiche festzustellen ist mit einem Echolot relativ einfach. Den richtigen Köder jedoch auch verführerisch in diese „Schicht“ zu bugsieren, ist ungleich schwieriger. Je zickiger die Hechtdamen sind, desto genauer müssen wir die „Fresszone“ treffen. Ich habe dabei festgestellt, dass die Räuber in der Regel bevorzugt nach oben jagen. Im Zweifelsfall sollte der Köder deshalb über die Köpfe hinweg schwimmen. Zwar erfolgt ab und zu auch einmal eine Attacke auf tiefer laufende Köder, aber seltener und mit einer deutlich höheren Fehlbissquote! Die häufigste Frage hierbei: „Wie erreiche ich meine Wunschtiefe?“ Recht einfach ist es, wenn ich im Uferbereich eine Zone mit gleich bleibender „Wunschtiefe“ überfahre (Echolot!). Dort gebe ich so lange Schnur aus, bis mein Schleppköder leichten Grundkontakt erzeugt. Ein bis zwei Meter Schnur wieder zurückgekurbelt, mit wasserfestem Edding die Schnurlänge an der Rolle markiert und ab geht es ins Freiwasser. Mit meiner Schleppgeschwindigkeit lasse ich die Schnur bis zur Markierung von der Rolle und bin dann sicher, im interessanten und gewählten Tiefenbereich zu schleppen. Habe ich umgekehrt keine Vorstellung von der richtigen Schlepptiefe, probiere ich verschiedene Köder mit verschiedenen Schnurlängen durch. Mit etwas Beherrschung und Aufmerksamkeit markiere ich mir die Schnurlänge im Falle eines Bisses und habe eine „fängige Länge“ (bzw. Schlepptiefe…) Im Laufe des Jahres stehen die Fische in sehr unterschiedlichen Tiefen. Gerade im Mai / Juni stehen viele Freiwasserräuber noch im schneller erwärmten Oberflächenwasser -so flach, dass sie häufig mit dem Echolot überhaupt nicht auszumachen sind. Gerade dann gibt es noch eine bessere Technik als die Schleppangelei! Das Driften und Werfen mit Jerk-Baits und Zalt-Wobblern. Jedes Jahr freue ich mich besonders auf diese Zeit, weil es immer wieder ein Erlebnis ist, wenn Freiwasserhechte sich mit extremer Vehemenz auf die Oberflächen nahen Köder stürzen! Nachdem dann im Juni/Juli eine sehr gute Zeit für geschleppte Köderfische und Wobbler folgt, scheint die Hitzeperiode den Räubern gehörig auf den Magen zu schlagen. Sie sind da, man sieht sie auf dem Echolot aber Bisse bleiben häufig aus. Jetzt schlägt die Stunde der Rasselköder. Bill Lewis „Rattl´Trap“ist dann eine echte Wunderwaffe. Diese Teile scheinen die Räuber regelrecht aus Ihrer Trance zu schütteln, denn wieder gibt es äußerst aggressive Bisse – häufig ausschließlich auf diese Köder. Später im Herbst stehen die Räuber dann sehr tief. Neben Schlepphilfen, um auf Tiefe zu kommen, empfehlen sich sehr tief tauchende Wobbler (10-16 Meter!). Am Paravan oder Schleppblei habe ich in Tiefen über 12 Meter auch außergewöhnlich gute Erfolge mit dünnen (!!!) Löffelblinkern (für die Lachsangelei –z.B. Falkfisch) gemacht. Wobbler scheinen dort ihre Attraktivität zu verlieren. Mit Hilfe dieser Erfahrungswerte lassen sich viele Gewässerbereiche ausschließen. Aus den 3 Dimensionen kristallisieren sich bessere Fangtiefen heraus und auf der Wasserfläche lassen sich auch immer kleinere, interessante Bereiche finden, so dass auch auf einem Großgewässer der interessante Angelbereich auf ein häufig übersichtliches Fleckchen zusammen schrumpft… Ich wünsche Ihnen jedenfalls einen mächtig dicken Freiwasserhecht! Köderempfehlungen: Frühjahr Mai/Juni: Köfi am System, Nils Master Invincible, Castaic Real Bait Juni/Juli: Castaic Forelle, Köfi am System, Nils Master Invincible (Tieftaucher) Juli/August/September: Castaic Forelle, Bill Lewis September/Oktober: Tieftauchende Wobbler, Paravan/Schlepphilfe mit Löffelblinkern Bericht von Uli Beyer

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