„Wie Napalm im Meer“: Trawler wirft 10 Tonnen Beifang über Bord

Trawler werfen regelmäßig große Mengen an Beifang über Bord – und das völlig legal. Britische Umweltschützer reagierten entsetzt auf jüngste Vorfälle.

Große Trawler holen in ihren Netzen massenhaft Beifang ein. (Symbolbild) Foto: mcsc1995 / Pixabay

Bild: mcsc1995 / Pixabay

Große Trawler holen in ihren Netzen massenhaft Beifang ein. (Symbolbild)

Fische sind eine endliche Ressource. So groß die Bestände auch sein mögen, ob nun im kleinen See oder im Meer, irgendwann sind sie erschöpft. Man kann Jahr für Jahr also nur eine bestimmte Menge entnehmen, ohne dass der Bestand zusammenbricht. Auf Überfischung folgt, salopp gesagt, der Tod – sowohl der Bestände als auch der Fischerei, die auf sie angewiesen ist. Doch dass Profit und Vernunft sich selten vereinen lassen, beweisen große Trawler regelmäßig. Das zeigt auch ein aktuelles Beispiel aus britischen Gewässern. Dort warf ein niederländischer Trawler 10 Tonnen an Beifang über Bord.

Fly Shooting: Trawler ziehen massenhaft Fisch aus dem Meer und werfen den Beifang zurück

Beim sogennanten „Fly Shooting“ ziehen große Fischerboote beschwerte Netze über den Meeresgrund. Wie in einem Trichter haben die Fische keine Chance, der Falle zu entkommen. Die Methode ist auf maximale Effizienz getrimmt: Alles, was sich im Netz verfängt, kommt mit an Bord. Doch was machen die Trawler mit Beifängen?

Wie der britische Telegraph berichtete, wurde ein niederländisches Fischerboot dabei gefilmt, zwischen 5.500 und 11.000 Fischen wieder ins Meer zu werfen. Die Rede ist dort von rund 10 Tonnen an Wolfsbarschen. Experten vermuten, dass ein Großteil der Fische das nicht überlebt haben kann. Zu groß sei die Wahrscheinlichkeit, dass sie durch die Netze lebensgefährliche Verletzungen erlitten hätten.

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„Als würde man das Meer mit Napalm bombardieren“

Dr. Ian Hendy vom Institut für Meereswissenschaften an der Universität von Portsmouth kritisierte die Praxis. Die industrielle Fischerei kümmere sich nicht um die Schäden, die sie anrichte, solange sie dabei das „große Geld“ verdiene. „Das passiert häufiger, als die Leute denken“, kommentierte er gegenüber dem Telegraph. Der Verlust von so großen Mengen an fortpflanzungsfähigen Fischen auf einen Schlag habe enorme Auswirkungen auf die Bestände. „Das ist, als würde man das Meer mit Napalm bombardieren.“

Trawler werfen Beifang zurück: Regierung verteidigt Fischereimethode

Victoria Prentis, britische Ministerin für unter anderem die Fischerei, verteidigte das Fly Shooting als umweltfreundlich. So ließen sich die Trawler, die mit besonders großen Netzen fischen, im Vergleich mit weniger Treibstoff und Energie betreiben.

75 dieser Boote sind in britischen Gewässern zugelassen. Davon kommen 28 aus Frankreich, 24 aus den Niederlanden und sechs aus Belgien. Die übrigen 17 sind britische Trawler. Vor einigen Jahren betrug die Gesamtzahl dieser Boote in britischen Gewässern noch weniger als ein Dutzend.

„Wie ein Vorschlaghammer als Nussknacker“

Fiona Nicholls von Greenpeace UK konterte das Argument der Ministerin. Methoden der industriellen Fischerei, darunter das Fly Shooting, seien das Gegenteil von nachhaltig und umweltfreundlich. Dass Fische in so großem Ausmaß gefangen werden, sei der Beweis dafür. Den Einsatz dieser Methoden verglich sie damit, „einen Vorschlaghammer als Nussknacker“ zu benutzen. Wenn das so weitergehe, richte man damit nicht nur die lokale Fischerei, sondern gleich das  gesamte Ökosystem zugrunde.

Quelle: Telegraph, Express

Die neuesten Kommentare

01.02.2022 11:28:17
Hallo,Das geht ja schon seit Jahren so. Da ist die Regierung aber sicherlich mit Schuld. Wenn die Fischer die untermaßigen Fische behalten, gibt es Geldbußen. Auf der anderen Seite würde dieser Beifang sich längst nicht so gut verkaufen lassen, wenn man den zu der Fangquote rechnen müsste. Aber ist eine Sauerei. Da muss man sich nicht wundern wenn die Fischbestände so schrumpfen. Da sollte...
31.01.2022 12:42:49
Und wenn ich als Angler im Jahr 4 bis 5 Fische fange bekommt man es mit den Sogenannten Ökus und Naturschützer zu tun was für eine Welt
27.01.2022 15:00:48
Das Schlimme an der Sache ist, dass diese Methoden ja schon seit Jahrzehnten angewendet werden und dies auch bekannt ist. Passiert ist seit dem wenig. Ich bin mir sicher, dass sich auch in der nächsten Zeit nur wenig ändern wird. Zu den bekannten Fällen kommt ja auch noch eine große Dunkelziffer.
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