Sein Name ist Programm: Der Oberkiefer des Schwertfisches (Xiphias gladius) ist zu einem langen, flachen „Schwert“ ausgezogen. Damit schlägt der Räuber nach seiner Beute und verletzt Fische oder Kalmare, bevor er sie verschlingt. Schwertfische leben in tropischen, subtropischen und gemäßigten Meeresgebieten. Auch im Mittelmeer gibt es eine bedeutende Population.
Für Angler ist der Schwertfisch vor allem wegen seines kaum vorhersehbaren Verhaltens faszinierend. Ein gehakter Fisch kann aus mehreren Hundert Metern Tiefe bis an die Oberfläche schießen, plötzlich springen oder hartnäckig in der Tiefe bleiben.
Schwertfisch bei Tag und Nacht angeln
Am Tag werden Schwertfische häufig in Tiefen zwischen 200 und 400 Metern gesucht. Nachts steigen die Räuber höher in der Wassersäule auf und folgen ihrer Beute. Besonders die Tage rund um den Vollmond gelten als aussichtsreich.

Bild: Jonas Bock
Vor Mallorca herrscht strenges Entnahmeverbot für Schwertfisch, also schnell wieder zurück!
Beim nächtlichen Angeln werden Kalmare als Lebendköder eingesetzt. Zunächst müssen die Kopffüßer gefangen und anschließend möglichst vital gehalten werden. Der Köder wird meist in einer Tiefe zwischen 10 und 30 Metern unter einem Ballon angeboten. Dieser dient gleichzeitig als gut sichtbarer Bissanzeiger.
Schwertfisch angeln mit schwerem Gerät
Beim Angeln am Tag kommt eine spezielle Tiefsee-Montage mit einem toten Köderfisch und einem Circle Hook zum Einsatz. Auf der Rolle befinden sich mehr als 700 Meter geflochtene Schnur. Daran schließen sich etwa 30 Meter sogenanntes Topshot aus ungefähr einem Millimeter starker monofiler Schnur sowie ein rund zehn Meter langes Vorfach mit etwa 1,6 Millimetern Durchmesser an.
Bei der Wahl des Köders sind Schwertfische wenig wählerisch. Entscheidend ist vor allem, dass sich der Köder beim Ablassen und Angeln nicht verdreht. Abhängig von Tiefe und Strömung werden Bleigewichte zwischen einem und drei Kilogramm benötigt.
Ein Drill voller Überraschungen
Viele Schwertfische schießen unmittelbar nach dem Biss aus großer Tiefe nach oben. Mitunter durchbrechen sie sogar die Wasseroberfläche. Doch selbst wenn der Fisch bereits nach wenigen Minuten neben dem Boot auftaucht, ist der Drill noch lange nicht beendet.
Schwertfische flüchten meist nicht so rasant wie Thunfische oder Marline. Dafür entwickeln sie einen enormen, gleichmäßigen Zug. Wie ein Traktor nehmen sie beständig Schnur. Besonders große Exemplare können Angler mehrere Stunden beschäftigen.
Was ein gehakter Schwertfisch als Nächstes tun wird, lässt sich kaum vorhersagen. Manche Fische steigen sofort auf, andere bleiben in der Tiefe oder setzen zu langen Fluchten an. Beim Nachtangeln kann ein Schwertfisch sogar direkt neben dem Boot springen, obwohl sich der als Bissanzeiger eingesetzte Ballon zuvor kaum bewegt hat.

Bild: Jonas Bock
Kleine Schwertfische bis ca. 4 kg haben eine lange Rückenflosse, die schnell verschwindet, wenn sie größer werden. Teilweise werden sie dann mit Marlinen verwechselt. Hier hat der juvenile Schwertfisch auf einen Slow-Jig gebissen.
Gefährlicher Schwertfisch am Boot
Auch unmittelbar vor der Landung geben sich Schwertfische häufig noch nicht geschlagen. Sie schlagen mit dem Kopf und können mit ihrem langen Schwert für die Besatzung gefährlich werden. Deshalb sind beim Landen Erfahrung, eingespielte Abläufe und größte Vorsicht gefragt.
Der Schwertfisch besitzt als erwachsenes Tier keine Zähne, mit denen er größere Beute zerteilen könnte. Stattdessen setzt er sein Schwert ein, um Fische und Kalmare zu verletzen oder in kleinere Stücke zu schlagen. Sein raues Maul dient anschließend vor allem dazu, die Beute festzuhalten.
Ein Schwertfischdrill bleibt deshalb bis zum Schluss unberechenbar – und gehört zu den spektakulärsten Erlebnissen, die das Meeresangeln zu bieten hat.
Parasiten am Schwertfisch
Viele Schwertfische im Mittelmeer haben parasitär lebende Ruderfußkrebse (Pennella instructa) an sich hängen. Gerade im Mittelmeer sind sie weit verbreitet, da es keine Kälteperioden gibt, wie im Atlantik, in der die Larven sterben. Auch andere pelagische Fischarten werden befallen, jedoch am häufigsten Schwertfische, aufgrund fehlender Schuppen.

Bild: Jonas Bock
Schwertfisch mit parasitärem Ruderfußkrebs.
Steckbrief | Schwertfisch(lat. Xiphias gladius) |
| Aussehen | In tiefem Wasser/nachts silbern-matter Bauch und braun-grauer Rücken, an der Oberfläche tagsüber silbern schimmernde Seiten und Bauch, violett-blau leuchtender Rücken, keine Schuppen, starre Hai-ähnliche Rückenflosse setzt vor Kiemendeckel an, starre große Bauchflossen, kleine 2. Rückenflosse, große Afterflosse, breiter waagerechter Kiel links und rechts vor Schwanzflosse, keine Zähne, markanter langer Oberkiefer zu breitem flachen Schwert geformt, bei Fischen bis ca. 15 kg sehr scharf; großes Auge vor Maulwinkel zu Ende. |
| Größe | 5 m ohne Schwert, max. 700 kg; Mittelmeer 180 kg |
| Alter
| höchstens 20 Jahre für Weibchen, 12 für Männchen |
| Laichzeit | Südlicher Atlantik: April-Juni (Brasilien), Oktober-März (Osten) Mittelmeer: Juli/August Nördlicher Pazifik: April-Juli Mittlerer Pazifik: ganzjährig Kann mehrmals laichen, also ganzjährig, in Regionen, in denen die Gegebenheiten passen. |
| Reviere | Mittelmeer, Pazifik, Atlantik, 60°N bis 45°S |
| Tiefe | 0 bis 2.000 Meter, meist 150-600 Meter |
Weitere Angaben zu Systematik und Verbreitung bietet das World Register of Marine Species.
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