Trolling: Mit der richtigen Schlepp-Technik erfolgreich zum Lachs

Die Lachsfänge vor der Insel Rügen sind ein Schatz, der mehr und mehr Angler glücklich macht. Professionelle Guides wie Gary Schober verhelfen auch Lachsanfängern zu ihrem Silber. Hier verrät der Profi, worauf es ankommt, wenn man eine gute Fangquote haben will.

Von einigen schweigsamen Berufsfischern abgesehen, hatte lange Zeit keiner eine Ahnung von den Lachsen im einstigen Sperrgebiet vor Rügen. Der Fang eines Lachses oder einer Meerforelle lag außerhalb der Vorstellungen der meisten Angler. Erst als die Küsten und Strände betreten und die Ostsee von jedermann befahren werden konnte, gerieten die weit vor dem Festland schwimmenden Fische ins Blickfeld der Angler. Als sich dann vor ein paar Jahren die ersten Angel-Guides beim Trolling auf Lachs und Meerforelle vor der Küste Rügens versuchten, ahnte niemand, dass sie damit einen wahren Trolling-Boom auslösen würden. 2005 überschlugen sich die Fangmeldungen und erste Rekordfische wurden gemeldet. Bei Lachsen um 1,20 Meter Länge und 40 Pfund horchte nicht nur die deutsche Trolling-Szene auf. Zunächst noch als Einzel- oder Zufallsfänge abgetan, nahm die Zahl der Fangmeldungen weiter zu. Bald stellte sich heraus, dass sich die Lachse vor Rügen ganz gezielt fangen ließen. Je mehr kolossale Fische gefangen wurden, desto größer wurde das allgemeine Erstaunen und das Interesse an den Fanggründen und Fangmethoden wuchs. Alle bisherigen deutschen Lachsrekorde der letzten fünf Jahre wurden vor Rügen gemeldet. Jeder Rekord wiederum war kurze Zeit später schon Geschichte. So wurden die letzten Rekordlachse mit 121 Zentimeter und 21 Kilo, 124 Zentimeter und 20,5 Kilo und 127 Zentimeter und 19,6 Kilo noch im April 2010 mit einem Hammer-Fisch von 130 Zentimeter und 22 Kilo übertroffen! Niemand weiß, wo hier das Ende ist und immer noch wird darüber gegrübelt, wo sie denn überhaupt herkommen, die sagenhaften Ostseelachse. Dabei liegt es nahe, dass sie schon immer da waren.

Weite -Wanderungen

Lachse legen auf den Wanderungen zu ihren Fressgebieten und Laichflüssen bis zu 1000 Kilometer zurück. In der Ostsee wurden markierte Lachse aus nahezu allen Lachsstämmen der Ostseeanrainer und aus Flüssen des Atlantiks gesichtet. Die bis zu sieben Jahre alten geschlechtsreifen „Fresslachse“ finden ihre Fressgebiete im Bottnischen Meerbusen, im Finnischen Meerbusen, im Gotlandtief, im Gdansktief und im Bornholmbecken. Dessen Ausläufer wiederum erreichen die Küste vor Rügen. Genau dort treffen die Fresslachse im Frühjahr auf große Heringspopulationen – ihren liebsten Futterfisch. Je nach Wachstum sind im Dezember und Januar vor Rügen gefangenen Fische selten größer als 85 Zentimeter und etwa bis 6 Kilo schwer. Ab Februar bis Mai, wenn immer mehr Leben im sich erwärmenden Meer erwacht, werden die Lachse sichtbar größer und schwerer. In dieser Zeit schlagen die Silberstunden, von denen viele Lachsangler träumen. Meterfische sind nun an der Tagesordnung, die Trollingsaison erreicht ihren Höhepunkt. Wie viele andere Lachs- und Trollingfans, fiebert auch Angelguide Gary Schober vom Team-Angelwunder jedes Jahr dem 15. Dezember entgegen. Da endet die am 15. September beginnende Schonzeit für Salmoniden, und ab 16. Dezember dürfen Lachs und Meerforelle wieder befischt werden. Wenn der Winter kommt, schlägt die Stunde der hartgesottenen Meeresangler. Und das werden immer mehr. Wenn die Insel in den Winterschlaf fällt, dann sitzen an den Tischen der wenigen noch offenen Kneipen auf der Halbinsel Wittow und in Glowe meist fachsimpelnde Trollingangler. Sie kommen mit ihren Booten aus dem Westen, von Fehmarn, Lübeck, aus Hamburg oder Kiel. Sie alle sind von einem neuen Sprichwort beflügelt.: „Fängst du in Simrisham (Schweden) einen Lachs in drei Tagen, so fängst du auf Rügen drei Lachse an einem Tag!“

Fang-Faktoren

Professionelle Guides wie Gary wissen genau, das diese Fangergebnisse von mehreren Faktoren abhängen. Von allein springen die Lachse auch vor Rügen nicht in die Boote. „Wetter, Technik und Erfahrung spielen eine große Rolle. Diese Erfahrungen machst du nur, wenn du jeden Tag auf dem Wasser bist und viel angelst“, erklärt der erfahrene Guide. Als auf seinem Boot ‚Estrella I‘ am 13. April 2008 der immer noch aktuelle deutsche Meerforellenrekord mit 95 Zentimeter und 13,6 Kilo aus dem Wasser gezogen wurde, hatte Gary schon genügend Erfahrung gesammelt. Deshalb erklärt er seinen Kunden auch genau, was im Falle eines Anbiss passiert und wie sie sich dann verhalten müssen. „Die Bisse kommen hammerhart. Es ist nicht ungewöhnlich, dass bis zu 200 Meter Schnur von der Rolle gezogen werden. Viele schöne Fische gehen später im Drill verloren. Sicher gibt es Fehlbisse und/oder der Köder hängt nicht richtig. Aber die höchste Ausfallquote verursachen immer noch Unaufmerksamkeit, nachlassende Konzentration und Ungeduld. Ein Riesenlachs muss mit viel Gefühl und stets an gespannter Schnur gedrillt werden. Da kann mancher Drill schon bis zu zwei Stunden dauern. Wer da die Nerven verliert und den Fisch mit aller Gewalt rankurbeln will, steht schnell mit leeren Händen da. Da sind bei uns an Bord schon dicke Tränen geflossen und vielleicht auch Freundschaften zerbrochen“, schmunzelt der Guide.

Die besten Plätze

Die besten Lachs-Plätze liegen etwa 12 Seemeilen (rund 22 Kilometer) von der Küste entfernt und sind bis zu 45 Meter tief. Gerade diese Lage in der offenen See stellt hohe Anforderungen an Sicherheit und die Mannschaft. Die modernen Kajütboote vom Team-Angelwunder sind neben dem obligatorischen Kartenplotter auch mit Funkgeräten ausgerüstet. Beim Trollingangeln werden zudem Rettungsinseln und elektronische Notfunkbaken (EPIRB) mitgeführt. „Bei uns ist Sicherheit auf See ein Hauptthema. Wenn draußen der Wellengang zu hoch ist, dann bleiben wir im Hafen. Es macht keinen Sinn, sein Leben wegen ein paar Fischen aufs Spiel zu setzen. Mir ist unklar, wie sich offene Boote bei Wind und Wetter in derartige Fanggründe wagen können. Man darf den Respekt vor dem Wasser nie verlieren – alles andere ist Selbstüberschätzung. Wenn ich sehe, wie da bei Windstärken um 5 Beaufort Wasser in offenen Booten geschöpft wird, kann ich gar nicht hinsehen. Von der eisigen Kälte ganz zu schweigen“, sagt Gary. Ist ein Platz erreicht, beginnt Gary mit dem Ausbringen der Köder. In der Regel werden bis zu zwölf Ruten befischt, je nach der Personenzahl an Bord. Die von Angelwunder eingesetzte Technik entspricht dem üblichen Trolling-Know-How. An den beiden Downriggern laufen je nach Wassertiefe bis zu drei Köder an drei verschiedenen Ruten in drei verschiedenen Tiefenbereichen. Neben  den  bekannten Kunstködern (Schlepplöffel, Apex, Inline Wobbler) kommen auch Naturködersysteme zum Einsatz. Weit außen rechts und links vom Boot laufen Planerboards, an denen wiederum insgesamt bis zu sechs Ruten ihre Köder durch höher liegende Wasserschichten ziehen. Gerade an diesen Außenködern und oft im Bereich zwischen ein bis sechs Meter Wassertiefe kommt der überwiegende Teil der Bisse.

Das Set-Up

Links und rechts vom Boot läuft je ein Planerboard Vom Planermast (2) laufen die Schnüre zu den Planerboards. Auf der Schnur zwischen Planermast und Planerboard werden die Schnüre der Angelruten mit speziellen Planerboard-Clips eingehängt. So laufen die Köder parallel neben dem Boot  Gefischt wird mit Trollingruten (auch Inline), auf deren Daiwa-Rollen sich monofile 0,40er Schnur oder sogar geflochtene Schnüre befinden. Diese Schnüre bekommen ein langes und unsichtbares Fluorocarbon-Vorfach. Neben Rollen mit Sternbremsen, die sich in ihrer Bremswirkung eher ungenau einstellen lassen, kommen  robuste und hochwertige Rollen mit Messinggetriebe und präziser Schiebebremse zum Einsatz. Rollen mit Schnurzählern sind praktisch, aber je nach Gegebenheit nicht immer unbedingt notwendig. Trolling bedeutet mit 1 bis 3 Knoten langsam zu fahren und das pro Tour mindestens acht Stunden lang. Um unter den Gästen keine Langeweile aufkommen zu lassen, wird mit manuellen, statt mit elektrischen Downriggern gefischt. „Jeder an Bord übernimmt eine bestimmte Aufgabe. Weil Trolling eher eine passive Angelei ist, muss man Abwechslungen schaffen“, weiß Gary.

Die Bisse kommen plötzlich

Sind alle Ruten und Köder ausgebracht, heißt es warten. Die Anbisse kommen plötzlich. Dabei sind Lachse und Meerforellen möglich. Hornhechte und Dorsche kommen mitunter als Beifang hinzu. Pro Tag erlebt ein professionelles Guidingboot bis zu zehn Bisse. Je nach Können und Geduld werden davon mehr oder weniger Fische gelandet, im Durchschnitt sind es sechs Fische. Wieder einen Angler glücklich gemacht. Einer von vielen erfolgreichen Gästen einer Lachs-Guidingtour. Bei den Guidingtouren von Angelwunder werden 80 Prozent der Anbisse erfolgreich ausgedrillt. An Ausnahmetagen kann zweistellig gefangen werden, Schneidertage sind eher selten. Im April und Mai sind täglich Meterlachse zu erwarten. Unter Anleitung erfahrener Guides wie vom Team Angelwunder ist der langersehnte Fang des Traumfisches für jedermann möglich. Wer einmal vom Silberrausch ergriffen ist, kommt davon nur schwer wieder los. von Rex Schober Die Jungs von Angelwunder richtig gut „vernetzt“ – hier geht’s zu den Angelwunder-Kanälen von TwitterFacebook und Youtube!

Jetzt kommentieren: Was ist euer Lieblingsköder zum Schleppangeln?

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