Kleine Teiche, große Karpfen

Welcher Karpfenangler träumt nicht davon einen zehn-, fünfzehn- oder sogar zwanzig Pfund Karpfen seinem Element zu entlocken. Wie oft sitzt man an einem Gewässer und es lassen sich – wenn überhaupt – nur kleine

Karpfen blicken. Hier sollte man schon ansetzen und sich Gedanken zu machen. Denn was bringt die beste Karpfenausrüstung wenn die sehnsüchtig erwarteten Fische nicht vorhanden oder für das Verständnis des Anglers zu klein sind und die Grossen einem durch eventuelle Anfütterverbote verborgen bleiben. Das Problem der zu kleinen Karpfen erübrigte sich für mich vor einiger Zeit als ich mich dazu entschloss in den in meinem Dorf ansässigen Angelverein einzutreten. Zu anfangs interessierten mich in diesem Verein eher die Fließgewässer in denen zu hauf Bachforellen vorhanden waren, den Karpfen stieg ich lieber weiterhin an meinem favorisierten Baggersee mit nur mäßigen Erfolgen nach, den kleinen Vereinsteich liess ich vorerst einmal links liegen. Eines Tages verschlug es mich zum Stippen an den besagten Teich und das dort erlebte beeindruckte mich sehr. Nach einigen gestippten Rotaugen verschwand mein Waggler ruckartig in den Fluten und die Bremse schrie als wollte sie jeden Moment von mir scheiden. Nachdem das „Monster“ über den halben Teich geflüchtet war verabschiedete es sich durch einen mächtigen Schlag. Als sich mein Puls wieder einigermaßen beruhigt und das Zittern in den Knien nachgelassen hatte, wurde die Matchrute eingepackt und die Karpfenruten von zu Hause geholt. Doch leider ließ sich an diesem Tag kein Karpfen mehr blicken. Einige Tage später erzählte mir ein Vereinskollege beiläufig, das dies bestimmt ein kleiner gewesen sei. Die großen Karpfen währen schon seit zwanzig Jahren in dem Teich und hätten bei der Gelegenheit anstatt nur dem Vorfach gleich die ganze Angel mitgenommen. Das erste Problem ward also gelöst, ich hatte ein Gewässer mit großen Karpfen gefunden. Doch dies stellte mich vor ein neues Problem – die alt hergebrachten Methoden mit denen ich bisher auf Karpfen angelte funktionierten an diesem Gewässer nicht. Weder auf Made, Wurm oder Mais stellte sich ein Erfolg ein – außer den Rotaugen die auf diese Köder in Massen zum Vorschein kamen. Also musste ein passender Köder gefunden werden, welcher zwar für die Karpfen interessant ist, die kleinen Fische aber abhielt. Dies war der Zeitpunkt an dem ich meine Vorliebe für Boilies entdeckte. Nachdem die passenden Zutaten und Lockstoffe im Angelladen besorgt waren machte ich mich daran Boilies zu rollen, was, wie ich feststellen musste, zu einer Wochenende füllenden Arbeit wurde. Nach einigen Tagen des abendlichen Boilie Anfütterns war es dann so weit. Der lang ersehnte Karpfen Ansitz stand endlich an. Schon voller Spannung und in Erwartung großer Fische ging es gleich morgens in aller Frühe an den kleinen Vereinsteich. Noch schnell eine Hand voll Boilies zum anlocken angefüttert und die Ruten ebenso schnell hinterher. Doch so einfach wollten sich die Karpfen wohl nicht auf die Schuppen rücken lassen so das mein Vertrauen in die Boilies nach einigen Stunden des Wartens immer mehr schwand. Ich entschloss mich eine meiner Grundruten mit einem kleinen Madenbündel zu bestücken, was nach einer weiteren Stunde mit einer schönen 4Pfund Schleie belohnt wurde. Der kleine Teich hatte also noch weitere Geheimnisse zu bieten doch leider ließen die Karpfen immer noch auf sich warten. Als ich mir nach sechs erfolglosen Stunden des Wartens schon überlegte wieder einzupacken um einen neuen Angelversuch in den Abendstunden zu wagen schlug plötzlich eine meiner drei Ruten mit der Spitze fast auf die Wasseroberfläche. Das kreischen des Bissanzeigers war Musik in meinen Ohren und der Adrenalinpegel stieg bis ins Unendliche. So schnell wie in diesem Moment hatte ich noch nie die Rute in der Hand. Anhieb und der Haken saß. Der Karpfen startete jetzt erst so richtig mit seiner Flucht, die Bremse schrie und ich sah meine Schnur einem auf der anderen Seite des Teichs stehenden Busch immer näher kommen. Das konnte nicht sein – hatte ich so lang gewartet um den Karpfen jetzt gleich wieder zu verlieren? Die Kraft des Fisches war gewaltig, der Karpfen nahm sich, trotz der für meine Begriffe schon fest eingestellten Bremse, mehr und mehr Schnur von meiner Rolle. Doch was war das? Einige Meter vor dem Busch verließen den Karpfen anscheinend vorerst seine Kräfte und es gelang mir den Fisch wieder in meine Richtung zu ziehen – allerdings nur kurzfristig. Als ich den Fisch bis in die Mitte des Teiches gezogen hatte befand dieser es sei unter dem Busch wohl doch etwas sicherer und mobilisierte wieder alle Kraft so das meine Bremse eine erneute Tortour über sich ergehen lassen musste. Aber auch diesmal gelang es mir gerade noch rechzeitig wieder die Kontrolle über den Fisch zu bekommen. Das Spiel wiederholte sich noch einige Male, bis es mir nach ca. 20 Minuten gelang den Karpfen zu mir ans Ufer zu holen und ich ihn das erste Mal zu Gesicht bekam. In diesem Moment gab es für mich nur einen Gedanken – was ein Monster – der Adrenalin-Pegel schoß erneut in die Höhe so das ich einen Moment unachtsam war und sich der Karpfen – wie sollte es anders sein – wieder auf in Richtung Busch davon machte. Doch diesmal konnte ich die Flucht schon frühzeitig stoppen und den Karpfen am Ufer ausdrillen. Oder doch eher er mich? Auf jeden Fall war ich nach solch einem Drill körperlich ziemlich geschafft. Nach dem Keschern und Abhaken kam er erst einmal auf die Waage welche unter dem Gewicht des Fisches bald zusammenbrach. 20 Pfund bei 76 cm. Noch schnell ein Foto gemacht und der Karpfen wurde wieder in sein Element entlassen. Seit diesem Tag konnte ich noch einige schöne Karpfen an diesem Teich landen und finde es immer wieder sehr spannend dort auf Karpfen an zu sitzen. Manche Gewässer haben es halt so richtig in sich ohne das man es ihnen vorher ansieht. Weswegen man erst einmal dort angeln sollte als von vornherein auf sein, oftmals festgefahrenes, Gefühl zu hören und nur vertraute Gewässer zu besuchen. Viele Grüße aus Nordhessen Karsten


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