Ein Kormoran mit Angelhaken im Schnabel vor der Notaufnahme klingt wie eine kuriose Tiermeldung – tatsächlich steckt dahinter aber eine ernsthafte Frage: Wie weit sollte Hilfe für verletzte Wildtiere gehen?
Pro: Hilfe für verletzte Tiere ist richtig
Zunächst ist klar: Ein Tier, das sichtbar leidet, sollte Hilfe bekommen. Gerade Angelhaken, Schnüre oder Bleie können für Wasservögel lebensgefährlich sein. Bleibt ein Haken im Schnabel stecken, drohen Infektionen, Schmerzen und langsames Verhungern.
Wenn Feuerwehr oder Klinikpersonal in solchen Situationen helfen, zeigt das Verantwortungsbewusstsein gegenüber Natur und Tierschutz. Für Angler kann das sogar ein wichtiges Signal sein: Unsere Leidenschaft Angeln steht unter Beobachtung. Jeder gerettete Vogel ist auch ein Beleg dafür, dass mit den Folgen menschlicher Eingriffe verantwortungsvoll umgegangen wird.
Kurz gesagt: Hilfe im Einzelfall ist menschlich – und richtig.
Contra: Notaufnahmen sind keine Wildtierstationen
Trotzdem darf man die andere Seite nicht ignorieren.
Notaufnahmen sind für Menschen in akuter Lebensgefahr gedacht. Personal, Zeit und Material sind knapp. Wenn Feuerwehr und Klinikteams regelmäßig für verletzte Wildtiere gebunden werden, kann das im Extremfall Ressourcen blockieren, die für echte medizinische Notfälle gebraucht werden.
Zudem besteht die Gefahr eines falschen Signals: Wenn jede Tierverletzung automatisch zum Rettungseinsatz führt, verschwimmt die Grenze zwischen notwendiger Hilfe und reinem Aktionismus. Für Wildtiere existieren eigentlich spezialisierte Auffangstationen, Tierärzte oder Naturschutzstellen.
In anderen Fällen wird diese Grenze ganz selbstverständlich gezogen. Ein angefahrenes Reh wird schließlich auch nicht in die Notaufnahme gefahren. Hier greifen feste Abläufe: Polizei, Jäger oder Wildtierexperten übernehmen.
Die provokante Frage lautet daher: Wo zieht man die Grenze – bevor irgendwann tatsächlich ein verletzter Hecht vor der Klinik liegt?
Was das für Angler bedeutet
Der wichtigste Punkt liegt letztlich nicht bei Feuerwehr oder Klinik – sondern am Wasser.
Lose Schnüre, verlorene Vorfächer und achtlos entsorgte Angelhaken gehören zu den häufigsten Gefahren für Wasservögel, also auch für den Kormoran. Wer sauber angelt, Müll mitnimmt und beschädigtes Tackle korrekt entsorgt, verhindert solche Einsätze von vornherein.
Oder anders gesagt: Der beste Tierschutz passiert nicht in der Notaufnahme – sondern am Angelplatz.
Am Ende…
…ist der gerettete Kormoran eine gute Nachricht. Doch der Fall erinnert daran, dass Verantwortung für Natur nicht erst beginnt, wenn Feuerwehr und Ärzte eingreifen müssen.
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