Die Meerforelle gilt nicht ohne Grund als „Fisch der tausend Würfe“. Kaum ein anderer Fisch verlangt Fliegenfischern so viel Geduld, Ausdauer und Vertrauen in die eigene Technik ab. Stundenlanges Werfen, wechselnde Bedingungen und oft nur wenige Chancen prägen die Fischerei an Küste und Fjord.
Wie fische ich auf Meerforellen?
Als Watfischer haben Sie genau zwei Möglichkeiten auf Meerforellen erfolgreich zu fischen. Sie können an einer Stelle bleiben und auf die ziehenden Meerforellen warten. Oder Sie waten parallel zum Ufer und suchen die Fische.
Michael Werner, Fliegenfischen-Chefredakteur, bevorzugt das parallele Waten. Diese Technik ist oft erfolgreicher, denn Sie können eine große Strecke abfischen und stolpern dabei (hoffentlich nicht im wahrsten Sinne des Wortes!) über ziehende Meerforellen.
Am besten geht‘s mit folgender Methode: Uferbereich abfischen, und dann vorsichtig raus bis ins bauchnabeltiefe Wasser. Vorsichtig, weil Sie mitten im Jagdbereich der Meerforellen stehen. Die Fische können überall sein. Vor, hinter oder neben Ihnen. Darauf muss man sich einstellen und das Wasser entsprechend absuchen. Vier fächerförmige Würfe nach vorne und einen in die Wat-Richtung sind sehr effektiv. Danach waten Sie fünf Schritte weiter, parallel zum Ufer.
Die Frage, in welche Richtung man waten soll, ist bereits beantwortet: der Sonne entgegen! Warum? Meerforellen jagen bevorzugt mit der Sonne im Rücken. Sie können so Beute gut erkennen, sind aber selbst nicht gegen das Licht schwer zu erkennen.
Dazu ein Beispiel: Ihnen ist sicherlich auch schon einmal folgendes passiert: Sie haken eine Meerforelle, drillen und keschern sie. Die nächsten Würfe landen genau an der Stelle, an der Sie Ihren ersten Fisch gefangen haben, doch nichts passiert. Der Schwarm ist weitergezogen.
Waten Sie auf gar keinen Fall in die ursprüngliche Richtung weiter, denn aus der Richtung sind die Meerforellen gekommen. Wechseln sie die Richtung und laufen Sie mit den Meerforellen mit! Sollten Sie bei den nächsten 20 Würfen keinen Kontakt bekommen, nichts wie raus aus dem Wasser. 100 Meter am Strand lang und dann wieder rein ins Wasser. Mit etwas Glück treffen Sie wieder auf den Schwarm. Und checken Sie jetzt einmal, wo die Sonne steht.
Stellen Sie sich die Frage: „Was fressen die Meerforellen?“
Erfolgreiches Fliegenfischen auf Meerforelle hängt von vielen Faktoren ab – doch einer ist entscheidend: der aktuelle Speiseplan der Fische. Windrichtung, Wassertemperatur und Salzgehalt spielen eine Rolle, aber erst wer versteht, welche Beutetiere gerade verfügbar sind, kann gezielt reagieren. Besonders erfahrene Küstenangler zeigen, dass nicht die Anzahl der Würfe zählt, sondern die richtige Anpassung an die Nahrung der Meerforelle.
Worin liegt also das Geheimnis? Darauf gibt es keine eindeutige Antwort. Es gibt vermutlich viele Geheimnisse. Häufig werden die Windrichtung, die Gezeiten, der Salzgehalt oder die Wassertemperatur erwähnt. Analysiert werden ständig die Situationen oder man testet Theorien. Doch ein Faktor, auf den man sich besonders konzentrieren sollte, sind die Beutetiere der Meerforelle.
Die grundlegende Frage lautet also: Was fressen die Meerforellen am betreffenden Angeltag?
Wichtig: Der Speiseplan der Meerforelle
Die Präsenz von Beutetieren – und damit der Speiseplan der Meerforelle – variiert je nach Tages- und Jahreszeit sowie dem Standort. Daher sollte man stets darauf achten, die richtige Fliege zu finden oder zu wechseln, bis es funktioniert. Und irgendeine Fliege funktioniert fast immer! Doch welche?
Nicht das Muster, sondern die Art der Fliege ist ausschlaggebend. Frisst die Meerforelle Borstenwürmer, muss eine 5 bis 10 cm lange, buschige Borstenwurmfliege (Seeringelwurm) ans Vorfach. Wenn sie hingegen Appetit auf Krebstierchen (Flohkrebse, Garnelen) oder kleine Fische (Grundeln, Sandaale) hat, sollte man diese Fliegen fischen.
Doch wie findet man heraus, was die Meerforellen gerade fressen?

Bild: Jahr Media
Was fressen Meerforellen gerade? Der aktuelle Speiseplan entscheidet über den Erfolg – von Würmern und Garnelen bis hin zu kleinen Fischen wie Sandaalen oder Stichlingen.
Eigentlich reichen vier Fliegen für die Meerforelle
Die sicherste Methode, den aktuellen Speiseplan der Meerforelle zu erkennen, besteht natürlich darin, den Magen einer gefangenen Meerforelle aufzuschneiden und seinen Inhalt zu untersuchen. Das setzt jedoch voraus, dass man eine maßige Meerforelle gefangen hat.
Tipp: Beobachten Sie die Fische, die beim Waten am Boden aufgescheucht werden oder die beim Weg durch den Blasentang aufgewirbelt werden.
Es lassen sich die Fliegen in vier Typen unterteilen: Würmer, Kleinkrebse, Garnelen und Fische
Im Frühjahr kommen häufig Würmer zum Einsatz. Prinzipiell fressen die Meerforellen unzählige Arten von Würmern, die in ihrem Verbreitungsgebiet vorkommen. Die Wurm-Imitation, die er jedoch am häufigsten verwendet, ist eine 5 bis 10 cm lange, wurmförmig gebundene Fliege, die einen Seeringelwurm imitiert. Einem großen Seeringelwurm kann kaum eine Meerforelle widerstehen!
Imitationen von Krebstierchen können ebenfalls der Schlüssel zum Erfolg sein – vor allem im Winter!
Garnelen wandern mit der Temperatur
Im zeitigen Frühjahr, bevor das Wasser warm wird, funktionieren Imitationen von kleinen Krebstierchen (Gammarus) gut, denn dieses Futter ist in der kalten Jahreszeit in großen Mengen vorhanden. Diese Gammarus können grundsätzlich ganz einfach und häufig nur mit einem Wollkörper auf Hakengröße 10 gebunden werden. Wenn im Frühjahr die Wassertemperatur wieder ansteigt, tauchen die Garnelen auf. Dann ist eine größere Imitation einer Garnele am Vorfach gefragt. Garnelen imitiert man zum Beispiel mit Fliegen wie „Pattegrisen“ und „Glimmerrejen“.
Beachten Sie jedoch: Garnelen, die im März und April in großen Mengen im seichten Wasser vorhanden sind, können bei plötzlich einsetzender Kälte schnell wieder verschwinden! Garnelen mögen kein kaltes Wasser und ziehen sich sofort in tieferes Wasser zurück, außerhalb der normalen Reichweite der Küstenangler!

Bild: M. Werner
Garnelen-Fliegen sind extrem gut, Seeringelwurm-Imitationen zur richtigen Zeit auch. Doch wenn die Meerforellen Stichlinge oder Grundeln jagen, dann ist so ein Fischchen-Streamer die bessere Wahl.
Auch eine Reihe von Fischen steht auf dem Speiseplan der Meerforelle, insbesondere Grundel, Stichling, Sandaal und Hering. Sie werden von Spinnfischern mit Blinkern imitiert, aber das können wir Fliegenfischer auch – mit passenden Streamern. Generell sind die Fische, die auf dem Speiseplan der Meerforelle stehen, selten länger als 15 cm (Sandaal); Grundeln und Stichlinge sind hingegen etwa fingerlang.
„Die Meerforelle ist was die Beutetiere angeht, ein Allrounder“, so Michael Werner.
| Beutetier | Fakten |
|---|---|
| Sandaal | Meerforellen lieben die 15 bis 20 cm langen, schlanken Sandaale. Der Sandaal ist ein Schwarmfisch, der den Vorteil ausnutzt, in großer Zahl aufzutreten, denn das Risiko für den einzelnen Fisch, gefressen zu werden, ist im Schwarm weit geringer. Nachts jedoch ist der Sandaal auch einzeln unterwegs. Sandaale halten sich gerne über Sandboden auf, der oftmals öde und nackt wie eine Wüste erscheint. Aber lassen Sie sich nicht täuschen! Der Sandaal hat sich nämlich auf dieses Terrain spezialisiert und vergräbt sich blitzschnell im Sand, wenn Gefahr droht. Sandaale sind oft anwesend, auch wenn man sie nicht sieht!![]() Bild: TB Christensen Ein Flatwing-Streamer mit Tandemhaken imitiert gut den langen und schlanken Sandaal. Oft beißt die Meerforelle hinten, daher ist auch hier ein Haken eingebaut. Der Sandaal ist übrigens auch für Meeresvögel eine wichtige Nahrungsquelle, was Meerforellenangler unbedingt wissen sollten. Tauchen Seeschwalben oder Möwen im seichten Wasser nach kleinen Fischen, sind es häufig Sandaale, die sie jagen! Oft sind Meerforellen dann in der Nähe. |
| Würmer | Watt- und Seeringelwürmer (auch Borstenwürmer genannt) sind an der Küste in großer Zahl vorhanden und bilden eine wichtige Nahrungsquelle vieler Meeresfische – auch der Meerforelle. Allein in den skandinavischen Gewässern sind 500 verschiedene Arten mit jeweils unterschiedlicher Lebensweise bekannt. Für uns besonders interessant ist der Seeringelwurm, ein räuberischer Wurm mit kräftigen Zangen. Er ist der häufigste Vielborster in unseren Gewässern und lebt normalerweise auf oder im Meeresboden, kommt nachts jedoch hervor und sucht im Schutz der Dunkelheit nach Nahrung.![]() Bild: TB Christensen Oben ein Seeringelwurm, der beim Schwärmen an der Oberfläche gefangen wurde. Darunter sein falscher Doppelgänger, eine 7 bis 8 cm lange Borstenwurmfliege. Während der Paarungszeit im Frühjahr haben Sie die Gelegenheit, Borstenwürmer im Wasser schwimmend zu sehen – und mit entsprechenden Fliegen Meerforellen zu fangen. Sobald die Meerforellen bemerken, dass die Seeringelwürmer schwärmen, beginnt das große Fressen und die hungrigen Meerforellen schlagen sich mit diesen Würmern die Bäuche voll! |
| Krebstiere | Im Winter und im zeitigen Frühjahr (bevor sich das Wasser erwärmt und all die großen Beutetiere im seichten Wasser auftauchen) sind oftmals Imitationen der bis zu 2 cm großen Flohkrebse und Asseln das richtige Mittel, um die Meerforelle zum Beißen anzuregen. Die kleinen Krebstiere leben im Tangwald im flachen Wasser und sind so normalerweise in Sicherheit vor den Raubfischen. Wenn es dunkel wird, schwimmen sie ins offene Wasser, um Nahrung zu suchen.![]() Bild: TB Christensen Ob Flohkrebs oder Assel – kleine Krebstiere sind gerade in der kalten Jahreszeit eine wichtige Nahrung der Meerforellen. Hier einige Beispiele für Fliegen, die Krebstierchen imitieren können. Die Krebstiere lassen sich ganz einfach mit einem mit etwas grauer oder brauner Wolle umwickelten Haken imitieren. Ob die Fliege nun „Kobberbassen“ oder „Fyggi“ heißt, ist völlig egal, Hauptsache, sie gleicht einem kleinen, bis zu 2 cm großen Krebstier. |
| Garnelen | In unseren Gewässern leben zahlreiche Garnelenarten, die ebenfalls auf dem Speiseplan der Meerforelle stehen. Die wichtigsten sind die Ostseegarnele und die Nordseegarnele. Sie sind fast überall anzutreffen, vorausgesetzt, es gibt etwas Tangwald zum Verstecken. Die Ostseegarnele kann bis zu 8 cm lang werden. Ihre Farbe variiert je nach Umgebung – die Palette reicht von einem nahezu durchsichtigen Gelbweiß mit schwarzen Punkten bis zu einem dunklen Rotbraun. Im Frühjahr und Sommer kommen sie ins seichte Wasser nahe der Küste, um sich zu paaren. Im Juni verschwinden die großen Weibchen jedoch wieder mit ihren Eiern, die sie unter dem Bauch tragen, in tieferes und kühleres Wasser. Wenn im Winter das Wasser kalt wird, entfernen sich alle Garnelen aus den küstennahen Gebieten. Dann zieht es sie in tieferes Wasser, wo die Temperatur normalerweise höher ist. ![]() Bild: TB Christensen Die Garnele, oben eine „Roskildereje“, kann man naturgetreu imitieren oder eine Provokation, wie die bekannte rosa Garnelenfliege „Pattegrisen“, verwenden. Die Garnelen begeben sich nachts auf Nahrungssuche, während sie sich tagsüber zum Schutz vor den Raubfischen in der Vegetation verstecken. Auch die Nordseegarnele ist in unseren Gewässern verbreitet, doch während die Ostseegarnele die Tangwälder bevorzugt, findet man die Nordseegarnele an den offenen Sandküsten. Tagsüber gräbt sie sich in den Sandboden ein, sodass nur Auge und Fühler hervorschauen. Während der Nacht befindet sie sich auf Nahrungssuche. |
| Grundel | Grundeln werden als Beutetier der Meerforelle oft unterschätzt! Mit fast 2.000 Arten weltweit bilden die Grundeln eine der größten Fischfamilien überhaupt. In den skandinavischen Gewässern kommen etwa zehn Arten mit jeweils unterschiedlichen Verhaltensmustern und biologischen Merkmalen vor. Insbesondere die Sand- und die Strandgrundel, die in küstennahem und seichtem Wasser leben, sind Beutetiere der Meerforelle.![]() Bild: TB Christensen Die Garnele, oben eine „Roskildereje“, kann man naturgetreu imitieren oder eine Provokation, wie die bekannte rosa Garnelenfliege „Pattegrisen“, verwenden. Sie haben die typische Grundelform mit breitem Kopf und großen, beweglichen Brustflossen, mit denen sich der Fisch auf dem Meeresboden aufstützen kann. Die Arten, die man im Magen der Meerforellen findet, sind meist 5 bis 6 cm groß und damit relativ klein. Einige Arten patrouillieren in kleinen Schwärmen durch den Tangwald auf der Suche nach Nahrung, während andere einzeln auftreten oder – wie die Sandgrundel – den Sandboden bevorzugen. Nur ein Zucken mit dem Schwanz genügt, und schon ist sie im Sand verschwunden. Sie kann 11 cm groß werden und wird häufig Beute der Meerforelle, da sie sich gerne in seichtem Wasser aufhält. Im Frühsommer kann man sie hier sehen, wenn das Männchen den Kopf aus einer umgedrehten Muschelschale hervorreckt, während es die Eier bewacht. |
| Stichling | Es gibt insgesamt drei Arten von Stichlingen. Sie haben drei, fünf oder neun Stacheln auf ihrer Rückenflosse und kommen im gesamten Verbreitungsgebiet der Meerforelle vor. Trotz ihres stacheligen Verteidigungssystems findet man sie häufig im Magen der Meerforelle. Stichlinge passen sich gut an unterschiedliche Umgebungen an. Daher trifft man Stichlinge in nahezu allen kleinen Wasserläufen und auch im Meer an, meist jedoch im Brackwasser eines Fjords oder im Mündungsbereich eines Wasserlaufs. Wenn Sie in solchen Bereichen fischen, denken Sie also an Stichlinge. |
Meerforelle: Aufsteiger, Absteiger, Überspringer?
Jede Angelart bringt seine eigene Fachsprache mit sich. So auch das Meerforellenangeln!
Wir unterscheiden drei Arten von Forellen im Meer:
Aufsteiger: Fette, teilweise braune Forellen, die zum Laichen in den Fluss aufsteigen (April bis Oktober)
Absteiger: Magere und braune Forellen, die nach dem Laichen aus dem Fluss zurück ins Meer schwimmen (Januar bis April)
Überspringer: Große, eigentlich geschlechtsreife Forellen, die nicht zum Laichen in den Fluss gehen
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