Über Fische, Angler und Insekten

Die Nahrung unserer heimischen Süßwasserfische besteht vorübergehend, teilweise oder ausschließlich aus Insekten. Auf dieser Tatsache baut das Fliegenfischen auf. Insekten sind mit ca. einer Million verschiedener Arten die meist vertretene Tiergruppe überhaupt und stellen damit 75 % aller Tierarten dar. Sie besiedeln alle erdenklichen Lebensräume.
Für uns als Fliegenfischer kommen nur Arten in Betracht, die innerhalb Deutschlands bzw.. speziell in unseren Flußsystemen vorkommen. Bevor wir uns jedoch mit einer einzigen Art als Beispiel und den daraus entstehenden Konsequenzen befasse, betrachten wir uns zuerst einmal unsere Fischnährtiere überhaupt. Fischnährtiere, um mit den klassischen anzufangen, sind Köcherfliegen, Eintagsfliegen und Steinfliegen, da diese für ihren Lebenszyklus unbedingt Wasser benötigen und damit im gleichen Medium wie die Fische leben. Weitere Fischnährtiere sind, Bachflohkrebse, Egel, Raupen, Käfer, Schmetterlinge, Bienen, Wespen, Hummeln, Zikaden, Schnaken, Mücken, Wanzen, Spinnen, Grashüpfer, Fischbrut und Kleinfische, Mäuse, Fliegen, Frösche, Libellen und Ameisen um nur einige zu nennen. Es gibt in Deutschland ca. 250 verschiedene Köcherfliegenarten, die von wenigen Millimetern bis zu 3 Zentimetern groß sein können. Sie haben ihre Flügel immer dachartig über dem Körper gefaltet, wenn sie ruhen. Aber Achtung nicht mit den Schlammfliegen verwechseln! Die tun das zwar auch, gehören aber nicht in die Familie der Köcherfliegen. Die Farbe ist überwiegend braun, schmutzig braun, grau oder schwarz. Die meisten Arten brauchen für ihren Lebenszyklus ein Jahr, viele andere bis zu drei Jahren. Wir unterscheiden zwischen köcherlosen (freilebenden) und köcherbauenden Köcherfliegen. Sie sind in der Regel dämmerungs- oder nachtaktiv und besiedeln vom Stillwasser bis zur reißenden Strömung alle Bereiche des Süßwassers. Wir werden nachfolgend den Lebenszyklus einer köcherbauenden Köcherfliege einmal näher betrachten und zwar beginnend mit dem Augenblick, in dem sie zur Eiablage stromaufwärts fliegt. Die Eiablage selber geschieht auf vielerlei Art und Weise. Sie können als Eipaket abgeworfen, einzeln auf die Wasseroberfläche abgetupft oder auf Grashalmen abgelegt werden, von wo sie als Schleim ins Wasser abtropfen. Andere Arten legen ihre Eier Unterwasser ab. Die Eier sinken zum Gewässergrund und nach einigen Tagen oder Wochen schlüpfen die Larven. Köcherbauende Arten beginnen mit dem Bau ihres Gehäuses, der aus unterschiedlichen Materialien bestehen kann. Es gibt Arten, die das Material benutzen, welches sie gerade vorfinden. Sehr viele Arten kann man daran erkennen das sie nur bestimmte Materialien verwenden und das auch nur in bestimmten Mustern benutzen. Bevorzugte Materialien sind Sand, Kies, Blätter, Stöckchen und Gras. Die Köcher selber können rund, oval, kantig oder schildförmig sein. Unsere Köcherfliege, die wir beobachten, baut also und wächst. Während ihres Wachstums muß sie ihr Gehäuse ständig vergrößern. Dies kann im kommenden Frühjahr oder erst in drei Jahren abgeschlossen sein. Nun zieht sich unsere Köcherfliege in ihr Gehäuse zurück, verschließt den Eingang und verpuppt sich. In dieser Phase findet, genau wie beim Schmetterling, eine vollkommene Umwandlung statt. Im Frühjahr ( oder ihrer Art entsprechend später) öffnet die Köcherfliege ihr Gehäuse, aus dem sie zappelnd, strampelnd, bei einigen Arten in einer Luftblase eingehüllt, der Wasseroberfläche entgegenstrebt. Wassermoleküle haften aneinander und wir können die Wasseroberfläche als Haut betrachten. Diese Haut muß die Köcherfliege durchstoßen, was nicht einfach ist und nicht immer im ersten Anlauf gelingt. Dabei zieht sie die Aufmerksamkeit der Fische auf sich. Hat die Köcherfliege die Wasseroberfläche durchstoßen, versucht sie sofort zappelnd auf der Wasseroberfläche hüpfend und schlitternd das schützende Ufer zu erreichen, wo sie von den Fischen nicht mehr gefressen werden kann. Andere Arten fliegen sofort nach dem Durchstoßen der Wasseroberfläche auf. Sie verbergen sich im ufernahen Gras oder Gebüsch, von wo sie ihren Hochzeitsflug antreten. Nach der Begattung fliegen die Weibchen in der Regel in der Dämmerung oder nachts zum Wasser und legen stromaufwärts fliegend ihre Eier ab. Der Kreislauf ist geschlossen. Fassen wir zusammen 1) die Hauptflugzeit ist April bis Oktober 2) Larven in Köchern und köcherlose Larven kommen ganzjährig vor. 3) sie sind dämmerungs- bzw. nachtaktiv. 4) sie retten sich nach dem Schlüpfen schlitternd und zappelnd zum Ufer. 5) viele sterben nach der Eiablage und treiben ab. Ich bekomme immer wieder, nachdem ich auf anfrage vorgenannte Abläufe geschildert habe, die Antwort: „So genau wollte ich es gar nicht wissen.“ oder „Wissenschaftlich wollte ich Angeln gar nicht betreiben.“ Ich möchte jetzt ein paar Beispiele nennen, warum wir um das Verstehen und Begreifen der Abläufe nicht herum kommen. Im Dezember fischt keiner mit einer künstlichen Heuschrecke, von April bis Oktober aber mit der geflügelten Köcherfliege, dem Maikäfer oder der Eintagsfliege. Am Wasser angekommen, stellen wir fest, daß Köcherfliegen schlüpfen. Wir binden eine trocken gebundene Köcherfliege ans Vorfach und fangen Fische, alles klar. Aber was ist, wenn Köcherfliegen schlüpfen, die Fische steigen, aber sie wollen unsere Fliege nicht nehmen? Jetzt versuchen wir sie ruckartig, schlitternd, wie ihr natürliches Vorbild zum Ufer flüchten zu lassen. Die Fische aber wollen sie aber immer noch nicht nehmen. Erster Gedanke: “ Ich habe schlechte Fliegen “ und Frust kommt auf. Zumal die Fische steigen und sogar die großen Grundäschen sich zeigen. Wenn ein Fisch von der Oberfläche des Wassers eine Nahrung zu sich nimmt, nimmt er automatisch Luft mit ins Maul, beim Abtauchen entweicht diese wieder durch die Kiemen spalten. Sehen wir keine Luftblasen muß er die Nahrung unter der Oberfläche zu sich genommen haben, sie nehmen also Aufsteiger. Die Äsche steht dicht am Grund und dort steht sie immer. Sie sieht eine Köcherfliege, die zur Wasseroberfläche aufsteigt und verfolgt diese. Die Köcherfliege wird dicht unter der Wasseroberfläche gefressen. Die Äsche schwimmt zum Grund zurück und nimmt ihre Lauerposition wieder ein. Beim Abtauchen zum Grund hat sie Wasser verdrängt, was für uns alle sichtbar als Beule oder Schwallen an der Wasseroberfläche zu sehen ist, sollte die Äsche beim Abtauchen noch zusätzlich mit dem Schwanz die Wasseroberfläche durchstoßen haben, sehen wir den Ring. Aber es sind keine Luftblasen zu sehen. Wollen wir in dieser Situation Fische fangen, ist folgendes zu tun. Wir werfen ein Aufsteigermuster schräg stromauf und lassen sie absinkend an uns vorbeitreiben. Hierbei müssen wir unsere Schnur mehrmals ausrichten ( „Line Mending „). Bleibt unsere Schnur plötzlich stehen, gibt es zwei Möglichkeiten: Hänger oder Biß. Anschlagen sollte man immer. Sollte es ein Hänger sein, werfen wir unsere Fliege nicht mehr soweit stromauf, denn die meisten Bisse erfolgen normalerweise erst bei gestreckter Schnur stromab, wenn die Fliege zu steigen beginnt. Das Steigen der Fliege wird durch Anheben der Rute erreicht. Die Bisse sind hart und es braucht in der Regel nicht angeschlagen werden. Lediglich ein Ziehen an der Schnur ist nötig welches den Drill einleitet. Da Köcherfliegen meistens dämmerungs und nachtaktiv sind, sollten wir bei hereinbrechender Dämmerung nicht aufhören zu fischen. Wer des öfteren auf Aal gefischt hat, wird bestätigen können, dass die Fische auch nachts springen und an der Wasser-oberfläche schmatzen. Wenn wir nachts auf einer Waldlichtung stehen und in den Wald schauen, sehen wir außer Schwärze nichts. Heben wir den Blick und schauen wir zum Himmel sehen wir nicht nur die Sterne, sondern auch die Konturen von Eulen und Fledermäuse ohne weiteres fliegen. Dem Fisch geht es nicht anders. Über ihm ist der Himmel und er erkennt ohne weiteres seine Beute. Wenn also Köcherfliegen nachts schlüpfen, werfen wir eine gut schwimmende Imitation schräg nach unten zu gegenüberliegenden Ufer und lassen sie an gestreckter Schnur auf unsere Uferseite zutreiben. Wenn wir ihr durch Zittern der Rutenspitze sogar noch etwas “ Lebendiges “ einhauchen können, sind die Bisse gewaltig. Da die Larven der Köcherfliegen ganzjährig vorkommen, können wir sogar im Winter noch Äschen fangen. Köcherbauende Larven können nicht schwimmen und werden dicht über Grund freitreibend angeboten. Larven der Art Rhyacphila sind köcherlos und freilebend. Wir können sie genau wie die köcherlosen Arten dicht über Grund freitreibend anbieten, aber gerade bei dieser Art, die z.B. in der Sieg massenhaft vorkommt, sollte man auf eine Eigenart hinweisen und sie beachten. Sie lebt unter Steinen und kommt nur zur Nahrungsaufnahme unter diesen hervor. Hierzu befestigt sie einen ca.10 cm langen Haltefaden an ihrem Stein. An ihm hängend, kriecht und schwimmt sie pendelnd hin und her, wobei sie ihre Nahrung zu sich nimmt. Deshalb sollte hier ein Muster gebunden werden, welches schwimmt ( Auftrieb hat). Dieses wird mittels beschwertem Vorfach über Grund gehalten und verhält sich somit genau wie ihr natürliches Vorbild. Fliegenfischen kann sehr erfolgreich sein. Fliegenfischen ist die schonenste Art zu fischen, da über 99 % aller gehakten Fische den Haken ganz vorne sitzen haben. Fliegenfischen zwingt uns aber auch zum Nachdenken und lehrt uns zwangsläufig die Kreisläufe der Natur zu verstehen. Wer sich also die Mühe macht und sich in die Lebensweise der Fischnährtiere einarbeitet, wird reich belohnt, nicht nur in Form von Fischen. Und was ist befriedigender als mit einer selbsterdachten und selbstgebundenen Fliege, in der sich alle unsere Beobachtungen wiederfinden, seinen Zielfisch zu fangen? Wenn die Äsche – und hier ist es besonders schlimm – eine Trockenfliege von der Wasseroberfläche nimmt, taucht sie sofort zum Grund zurück. Wir stehen im Fluß und fischen stromabwärts, unsere Fliege wird genommen, erkennbar am Ring, in dem unsere Fliege verschwunden ist, signalisiert unser Gehirn, Biß. Unser Gehirn gibt den Muskeln den Befehl: Anschlagen. Dieser Vorgang dauert, vom Befehl, bis zur Ausführung 1 -3 Sekunden, in diesen 1 -3 Sekunden hat der Fisch schon die Hälfte des Weges zum Gewässergrund zurückgelegt. Also, der Fisch schwimmt nach unten, die Rute wird nach oben angeschlagen. Das Anschlagen bringt auf unser Vorfach und speziell auf unseren Knoten, mit dem wir unsere Fliege befestigt haben, eine enormen Streß. Es wird immer wieder geschrieben und gesagt, Äschen seien heikel und die Vorfachspitze sollte 0,10 – 0,14 mm stark sein, das ist in meinen Augen falsch. Sicherlich ist die Äsche ein heikler Fisch, aber nur in bezug auf eine falsche Anbietetechnik und unnatürliche Fliegenmuster. Bei korrektem Anbieten mit einem guten Muster übersieht sie bzw. ignoriert die Äsche Vorfachstärken von bis zu 0,18 mm. Ich sehe immer wieder fassungslose Angler mit schlaffer Schnur im Wasser stehen, die dann auch noch sagen: “ Der war aber groß! “ Das muß aber und darf aber nicht sein! Ebenso muß der Widerhaken nicht sein. Ich fische seit Jahren ohne Widerhaken und habe dabei keine nennenswerten Verluste von Fischen. Vielmehr fasziniert es mich immer wieder, wie einfach es ist, einen Untermaßigen Fisch vom Haken zu lösen, ohne diesen zu verletzen. In der Regel fischen wir vom Ufer aus, geht dies nicht, müssen wir ins Wasser gehen, wir waten also. Hier gilt es darauf zu achten, daß wir so wenig wie möglich den Gewässergrund beschädigen. Also, nicht schlurfend den Gewässergrund aufwühlen, sondern sich langsam, die Füße hoch, tastend zu bewegen. Das man sich vorher vergewissert, andere Angler nicht zu belästigen oder zu stören, ist obligatorisch. Zudem stelle ich immer wieder am Wasser fest, daß watende Angler meistens dort stehen, wo kurz vorher noch Fische standen. Ich werde am Wasser immer wieder gefragt“: Welche Fliege fängt denn jetzt? “ So antworte ich mit einer Gegenfrage: “ Welches Fischnährtier steht dem Fisch in welcher Größe im Augenblick als lohnende Nahrung zur Verfügung?“ Da der Fisch nur eines im Sinn hat, mit dem geringsten Aufwand die größtmögliche Nahrung zu erhaschen und er grundsätzlich nicht mehr Energie hierzu aufwenden darf, wie ihm das Fischnährtier zuführt, ergeben sich hieraus logischerweise wieder Konsequenzen. Wir sollten lernen zu erkennen, welche Fischnährtiere zum einen in unseren Gewässern in den unterschiedlichsten Strömungstücken und Bacheinläufen überwiegend leben und zum anderen sollten wir unsere Landinsekten, die zumindest im Sommer einen erheblichen Anteil der Fischnahrung ausmachen, näher betrachten. Hier gilt es zu beobachten, festzustellen, Querverbindungen zu sehen und zu verstehen. Aus diesem Wissen entstehen wiederum an unseren Binde-stöcken realistische Nährtierimitationen, die dem Fisch dann in der richtigen Zeit (zum Beispiel keine Heuschrecken im Winter), so angeboten werden, wie sich ihre natürlichen Vorbilder verhalten. Denn Fische fangen heißt: “ Dem Fisch seine Nahrung zur richtigen Zeit so anzubieten, wie er es gewohnt ist.“ Ist doch ganz logisch, oder?

 


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