Im Herbst auf Raubfische in der Strömung

Ich fische an meinem kleinen Flüsschen und denke gerade darüber nach, ob ich nächste Woche die Winterreifen aufziehen soll oder doch lieber noch ein oder zwei Wochen warte, da blitzt es unter der Wasseroberfläche gegenüber am steilen Felsufer. Rotaugen springen panisch in alle Richtungen fliehend in Sicherheit und in der Mitte, dort wo es geblitzt hat, entsteht an der Oberfläche ein großer Strudel. Mit dem Doppelzug sind nur wenige Zwischenwürfe nötig um meinen 5/0er Streamer in die „heiße Zone“ zu bringen. Gerade als der Streamer auf die Oberfläche trifft und ich gerade die Schnur spanne, erfolgt überfallartig der Biss…

So spannend kann die Raubfischpirsch im Herbst in der Strömung sein. Die Tage werden länger, das Wasser kälter und für Raubfische ist jetzt die beste Zeit. Wenn im Herbst nach den ersten Nachtfrösten das Wasser kälter wird, fahren alle Fische ihren Energiehaushalt langsam auf Sparflamme zurück. Die großen Schwärme von Rotaugen, Rotfedern und sonstiger Weißfische sammeln sich und ziehen in die tiefen ruhigen Zonen des Gewässers. Bevorzugte Standplätze sind jetzt tiefe Gumpen, Wehre, langsam fließende tiefe Züge und natürlich die Strömungsschatten von großen Unterwasserhindernissen wie z.B. Brückenpfeiler. Hier wird durch die langsame Strömung Futter angetrieben und die Fische können die im Winter knappe Energie sparen. Das wissen natürlich auch die Raubfische. Hechte, Zander und Barsche finden sich jetzt natürlich auch hier ein, um sich ein fettes Winterpolster anzufressen. Zander z. B. sind in dieser Jahreszeit besonders in den letzten Stunden des Tages aktiv. Gerät: Da man es gerade im Herbst auch mit den Großvätern der Arten zu tun bekommt, ist mind. eine Rute der Klasse 7-8 (9 ft., 2,75m) zu empfehlen. Mit einer solchen Rute kann man genug Druck auf den Fisch ausüben, um den Drill nicht unnötig in die Länge zu ziehen. Die Schnur passt man dem entsprechenden Gewässer an. Ob schwimmend oder sinkend muss jeder selbst für sein Gewässer entscheiden. In tiefen Gumpen empfiehlt sich zum Beispiel eine schnell sinkende Schnur (Teeny 300) um hier genügend Tiefe trotz Strömung zu erreichen. Obwohl ich persönlich am liebsten mit der DT-Schnur fische, ist beim schweren Streamerfischen alles andere als eine WF-Schnur, besser ein Schusskopf unkomfortabel, um mit wenigen Würfen mithilfe des Doppelzuges genügend Weite zu erzielen. Die Rolle sollte über genügend Nachschnur (ca. 100m Backing) verfügen und nach Möglichkeit eine gute Bremse haben. Auch Stahlvorfächer (Mein Vorfach: 60-80cm 0,35 Monofil, 30cm Stahlvorfach) sind unbedingt zu befürworten um weniger Verluste zu haben. Das schont nicht nur den Geldbeutel, sondern auch den Fisch. Drillinge sind beim Fliegenfischen nicht nötig und meiner Meinung nach auch nicht waidgerecht. Widerhaken sollten nach möglichkeit zumindest angedrückt werden. Auch einen großen und tiefen Kescher sollte man nicht vergessen werden. Köder: Das Thema Köder: Viel ist darüber geschrieben worden. Es ist wirklich schwierig hier etwas zu sagen. Darüber sind schon ganze Bücher geschrieben worden. An meinem bevorzugten Gewässer sind es grelle Farben, die immer ganz gut fangen. Farben wie Weiß, Orange, Rot und Gelb sind nie verkehrt. Bei trübem Wasser versucht ruhig auch mal dunkle Farben aus. Man sollte an besonders guten Stellen mehrere Farben ausprobieren. Wichtiger ist jedoch, dass sich der Streamer richtig bewegt unter Wasser. Er muss „leben“. Das Material sollte sehr weich sein, wie zum Beispiel Gosthair. Taktik: Ich fische sehr häufig einfach stromabwärts. Mit dieser Methode kann ich den Streamer dorthin führen, wo ich den Raubfisch vermute und kann mir außerdem jede Menge Würfe sparen. Man kann so auch viele Stellen mit überhängenden Ästen, was bevorzugte Plätze von Hechten sind, bequem von oberhalb befischen. Hier ist nur auf den Anschlag zu achten. Da die Schnur bereits durch die Strömung gestreckt ist, reicht es zum Anschlag einfach die Rute zu heben. An vielen Stellen bringt aber auch gerade das Werfen den Erfolg. Eine Art ein Gewässer abzufischen ist das „Querüberfischen“. Hierzu wirft man einfach ca. im 45 Grad-Winkel stromab (oder stromauf) zur gegenüberliegenden Seite. Dann lässt man den Streamer im Bogen auf die eigene Seite treiben, um ihn dann strippend (ruckartig einholen) heranzuführen. Nach ein paar Würfen geht man zwei Meter weiter und wiederholt den Vorgang. So findet man schneller die fängigsten Stellen, die man dann intensiver befischen kann. Viele Raubfische habe ich direkt nach dem Eintauchen des Streamers gefangen. Das „Klatsch“ auf der Oberfläche reizt auch schon mal einen Rapfen oder Döbel übereilig auf mein Angebot hereinzufallen. In den Abendstunden führe ich den Köder oft auch einfach zuckend an der Oberfläche lang. Überhaupt ist Bewegung sehr wichtig für das Streamerfischen. Die Fliege sollte ein lebendiges Fischchen imitieren und MUSS deshalb unbedingt auffällig geführt werden. Bewegungen nach rechts und links, schnelles und mal langsames Strippen und mal für kurze Zeit Stillstand sind fängige Methoden des Streamerfischens. Probiert selbst aus, was an eurem Gewässer am besten fängt und schreibt mir eure Erfahrungen im Forum Fliegenfischen. Ich freue mich darauf!!! Thomas Vogt  www.vogt-fliegenfischen.de

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