Umfrage zu Dorsch und Boddenhecht: Ihre Meinung zählt!

Ungewisse Bestandsentwicklung, unklare Bewirtschaftung, und vom Bag Limit ganz zu schweigen: Die Diskussion um Dorsch und Boddenhecht könnte aufgeheizter nicht sein. Prof. Dr. Robert Arlinghaus und Dr. Dieter Kömle vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei wollen Klarheit schaffen – und brauchen dazu Ihre Meinung!

Bild: F. Pippardt

Reizthema Dorsch: Wie steht die Anglerschaft zum Bag Limit, und wie wird die Bestandsentwicklung gesehen? Die Umfrage zu Dorsch und Boddenhecht soll Aufschluss darüber geben.

Umfragen sind unter Sozialforschern beliebt. Sie dienen unter anderem dazu herauszufinden, wie Menschen denken, fühlen, ticken. Auch wir führen in der Arbeitsgruppe für Integratives Fischereimanagement schon seit rund 20 Jahren regelmäßig Umfragen durch. Themen, die wir untersucht haben, umfassen unter anderem die Untersuchung der wirtschaftlichen Bedeutung des Angelns in Deutschland, Studien zur Anglertypologie zur Akzeptanz bestimmter Bewirtschaftungsmaßnahmen oder Analysen zur Einstellung der allgemeinen Bevölkerung zum Angeln. In einer neuen Umfrage beschäftigen wir uns mit der Meinung der Angler über Dorsch und Boddenhecht.

Wozu dienen die Umfragen des Instituts?

Die durch unsere Umfragen herausgefundenen Daten und Fakten fließen ein in Publikationen, Abschlussarbeiten oder Pressemitteilungen. Die Erkenntnisse werden von Verbänden oder den Medien gerne aufgegriffen, wenn es z. B. darum geht, einzuschätzen, wie relevant der Angelsektor im Vergleich zur Berufsfischerei ist. Manchmal dienen die Ergebnisse auch einfach dazu, Vermutungen abzusichern.

Wenn beispielsweise behauptet wird, die ganze Gesellschaft sei gegen das Angeln oder das Interesse der Gesellschaft an Tieren und Pflanzen „höre an der Wasseroberfläche auf“, kann eine repräsentative Umfrage belastbare Daten liefern. Zum Beispiel haben wir vor einigen Jahren herausgefunden, dass „nur“ ein Fünftel der Gesellschaft angelkritische Haltungen hat.

Gleichzeitig haben wir schwarz auf weiss nachgewiesen, dass 2002 noch 66% der Bevölkerung das Angeln als sinnvolle Freizeitbeschäftigung  einschätzten. Zehn Jahre später finden nur noch ein Drittel der Bevölkerung, dass das Angeln sinnvoll sein. Solche Zahlen dürften die Angellobby aufrütteln …

So nehmen Sie an der Umfrage teil!

Damit die Umfragen über Dorsch und Boddenhecht belastbare Ergebnisse liefern, ist Ihre Teilnahme wichtig. Über diese Links gelangen Sie zu den beiden Umfragen:

Sie sind herzlich eingeladen, an ihnen teilzunehmen, wenn Sie selbst auf Dorsch und Boddenhecht angeln oder planen, es zu tun. Als Anerkennung winken Gutscheine über 10 € oder Lospreise von 500 €.

Was wollen Angler eigentlich?

In anderen Studien haben wir untersucht, was genau einen zufriedenen Angler kennzeichnet und wie Angler beispielsweise auf Veränderungen der Fangmengen, Fischgrößen oder Fangbestimmungen reagieren. Dabei versuchen wir zu verstehen, wie ähnlich oder unähnlich Angler sind, d.h. welche Anglertypen es gibt. Diese Forschung dient der Vorsorge, indem auf Basis von Fakten identifiziert wird, was Angler wollen oder nicht wollen. Das wiederrum ist für Bewirtschafter von Angelgewässern, für Fischereipolitik oder für den Angeltourismus relevant oder dient manchmal auch einfach der Grundlagenforschung.

Sorgsame sozialwissenschaftliche Forschungsergebnisse zu Anglern (und anderen Gesellschaftsgruppen) kann aber nur gelingen, wenn drei Bedingungen zutreffen.

  1. Das Messinstrument, der Fragebogen, muss sorgsam und wissenschaftlich entwickelt sein.
  2. Die Umfrage muss ein repräsentatives Abbild der Angler erlauben und nicht nur selektiv ausgewählte Anglergruppen und deren Meinung abbilden.
  3. Die Befragten nehmen in angemessen großer Zahl teil und antworten ehrlich.

Aus den Ausführungen kann unmittelbar geschlussfolgert werden, dass eine gute, wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Umfrage schwierig durchzuführen ist und in der Regel auch relevante Geldsummen verschlingt für Personal und Umsetzung. Manche sind geneigt, zur Kostenminimierung Umfragen im Bekanntenkreis zu verbreiten oder unkontrolliert im Netz bereitzustellen.

Angenommen, wir fragen 500 Fliegenfischer …

Solche Umfragen bringen zwar auch Daten hervor, aber diese müssen nicht der repräsentativen Meinung der Angler entsprechen und können falsch genutzt auch missbraucht werden. Wenn ich z.B. die Meinung von 500 Fliegenfischern zu einem Bewirtschaftungswerkzeug wie „fly only“ Strecken erhoben habe, kann ich mir sicher sein, dass diese Daten nicht stellvertretend stehen für den typischen Vereinsangler in Deutschland.

Dieses Beispiel ist augenscheinlich, aber im Grunde lauern solche Selektionsverzerrungen bei allen unkontrolliert bereitgestellten Umfragen. Hier bedarf es einer sorgsamen Betrachtung durch die Forschenden, die in den Umfragemethoden ausgebildet sind. Extrem wichtig ist die Einhaltung der Sorgfaltspflicht bei der Auswahl der zu befragenden Stichprobe, bei der Kontrolle von Fehlerquellen.

Verzerrte Umfrage, verzerrtes Bild

Schlechte, nichtrepräsentative Umfragen können nicht nur verzerrte Bilder hervorbringen, sie können im schlechtesten Fall sogar ganze Bewirtschaftungspolitiken in die Irre führen. Ein Kollege von uns hatte einmal die Aufgabe, an den Großen Seen in den USA herauszufinden, welche Zielarten die Angler gerne in der Bewirtschaftung hätten. Konkret ging es um die Frage, ob die Bewirtschaftung weiter auf nichtheimische Salmoniden oder die heimischen Salmoniden- und Zanderbestände ausgerichtete werden sollte.

Der Kollege sammelte Daten einmal über eine Befragung, die über freiwillige Selbstmelder auf eine öffentliche Anhörung Antworten „einsammelte“, und verglich die Ergebnisse mit einer sauber gezogenen Zufallsstichprobe aus einem vollständigen Angleradressregister. Das Ergebnis: die „Selbstmedestichprobe“ fand heraus, dass die Angler mehrheitlich nichtheimische Salmoniden gefördert haben wollten, während die hochqualitative Befragung zeigte, dass die Mehrheit der Angler tatsächlich die heimischen Fischarten bevorzugten. Man stelle sich vor, die Politik hätte auf die verzerrte Stichprobenmeinung gehört.

Aktuell gibt es beim Boddenhecht keine Änderung der Bewirtschaftungspolitik, es wird aber über die Entwicklung des Bestands und die Rolle des Angeltourismus diskutiert. Foto: F. Schlichting

Bild: F. Schlichting

Aktuell gibt es beim Boddenhecht keine Änderung der Bewirtschaftungspolitik, es wird aber über die Entwicklung des Bestands und die Rolle des Angeltourismus diskutiert.

Für gute Ergebnisse ist die Mischung der Befragten wichtig

Ein anderes Beispiel kennt jeder, der soziale Medien nutzt. Soziale Medien werden in Anglerkreisen mehrheitlich von der hochaktiven, spezialisierteren, eher jüngeren Altersgruppe genutzt. Besonders krass wird die Vezerrung, wenn man z. B. bei Facebook den eigenen Freundeskreis anschaut. Ist man selbst ein hochspezialisierter Angler, ist es wahrscheinlich, dass der Freundeskreis ähnlich tickt. Unter den eher stärker spezialisierten Anglern ist das Zurücksetzen von Fischen sehr beliebt, während die „Küchenangler“ von diesen Spezis manchmal milde belächelt werden.

Eine Umfrage, ob man z. B. bei der Bewirtschaftung von Hechten stärker auf Entnahmefenster statt Mindestmaße zurückgreifen sollte, ergibt in sozialen Medien, gerade unter den hochspezialisierten Anglern, wahrscheinlich ein klares Bild: Her mit den Entnahmefenster. Repräsentative Befragungen, die auch die älteren Vereinsangler  integrieren, würden hingegen wahrscheinlich zeigen, dass die Mehrheit der deutschen Angler durchaus gerne den großen Fisch verspeist und Entnahmefenster daher kritischer gesehen werden. Will man ein repräsentatives Bild, muss man sicher daher von einer selektiven Wahrnehmung hüten, die aus verzerrten Umfragen herrührt.

Sinn und Unsinn von Umfragen

Aus Anglersicht können Umfragen Spaß machen, manchmal aber auch nerven. Sie kosten Zeit und man muss sich konzentrieren. Das ist die eine Seite der Medaille.

Die andere ist die des Forschers und damit verbunden die Rolle und die Bedeutung von Erkenntnis. In vielen Fällen ist eine abgesicherte Erkenntnis, die schwarz auf weiss belegt ist, Grundbedingung für gesellschaftliche Akzeptanz, mediale Anerkennung, aber auch Ausrichtung der Bewirtschaftung auf Mehrheitsmeinungen. Daten und Fakten können auch Konflikte versachlichen, Emotionen aus Diskursen herausnehmen oder einfach auch verstehen helfen, was Angler umtreibt, was sie ticken, wie sie fühlen und was sie wollen. Letzteres ist essentielle Erkenntnis zur Verbesserung der Angelbedingungen. Abgesicherte Erkenntnis verlangt, s.o., a) gute Fragebögen, b) eine sorgsame Stichprobenauswahl und c) eine hohen Beteiligung und ehrlicher Antworten. Letzteres liegt in Eurer Hand.

Die Verbreitung des Dorsches in westlicher und östlicher Ostsee. Bild: Thünen-Institut / Christopher Zimmermann

Bild: Thünen-Institut / Christopher Zimmermann

Die Verbreitung des Dorsches in westlicher und östlicher Ostsee.

Dorsch und Boddenhecht: Die Meinung aller Angler zählt

Womit wir bei unseren Anliegen angekommen sind. Derzeit führen wir zwei große Umfragen zum Angeln auf Dorsch und Boddenhecht an der deutschen Küste durch. Wir möchten auf diesem Weg darum bitten, sich möglichst großflächig an den Umfragen zu beteiligen.

Worum geht es? Die Ziele der Umfragen zu Dorsch und Boddenhecht sind im weitesten Sinne vergleichbar. Es geht darum, belastbare Daten zur Meinung der Angler zu den Entwicklungen in der Fischerei und im Gewässersystem bei Dorsch und Boddenhecht zu erheben. Im Kern möchten wir Erfahrungen, Verhalten und Vorlieben für die künftige Bewirtschaftung verstehen, um nichtsachliche Debatten zu versachlichen.

Das Bag Limit spaltet die Gemüter – oder nicht?

Die Diskussion beim Dorsch ist teilweise aufgeheizt. Das Bag Limit spaltet die Gemüter. Doch wie steht die Anglerschaft wirklich zum Bag Limit? Welche Alternativen werden gerne gesehen, welche Zielkonflikte bestehen? Wie wird von Anglern die Entwicklung und Zukunft der Dorschbestände eingeschätzt? Zu diesen Dingen gibt es keine abgesicherten Informationen. Unsere Befragung möchte das ändern.

Wer regelmäßig in den deutschen Boddengewässern auf Hecht angelt, ist herzlich eingeladen, an der Umfrage teilzunehmen. Bild: IMUG

Bild: IMUG

Wer regelmäßig in den deutschen Boddengewässern auf Hecht angelt, ist herzlich eingeladen, an der Umfrage teilzunehmen.

Die Situation beim Boddenhecht ist etwas anders. Hier haben wir  aktuell keine Änderung der Bewirtschaftungspolitik, aber es gibt eine Diskussion zur weiteren Entwicklung des Bestands und zur Rolle und Förderung des Angeltourismus.

Welche Ansätze sehen die Angler? Wie wird die Bestandsentwicklung wahrgenommen? Wie stehen die Angler zur Berufsfischerei und zu Naturschutzbemühungen? Welche Fangbestimmungen werden unter bestimmten Bedingungen toleriert oder auch abgelehnt und warum? Dazu möchten wir gerne belastbare Daten gewinnen und in den Diskussion einspeisen, über Publikationen, Vorträge, Abschlussarbeiten und Gespräche mit den Interessensgruppen vor Ort.

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