Tiefseefisch schmilzt Forschern fast weg: Erster Fang in 6,5 km Tiefe

Forscher haben vor der Küste Australien den ersten Tiefseefisch aus 6,5 Kilometer Tiefe gefangen. Die besonderen Tiere schmolzen nur schnell an Bord.

6,5 Kilometer unter der Wasseroberfläche lockt ein großer Köder die Bewohner der Tiefe an. Foto: UWA/Minderoo

Bild: UWA/Minderoo

6,5 Kilometer unter der Wasseroberfläche lockt ein großer Köder die Bewohner der Tiefe an.

Vor der Küste Australiens haben Meeresforscher die ersten Tiefseefische aus 6,5 Kilometer Tiefe an Land gezogen. Sie fingen die beiden noch unbenannten Spezies der Familie der Scheibenbäuche (Liparidae) mit Hilfe von tiefseetauglichen, wissenschaftlichen Messinstrumenten im Wert von fast 100.000 Euro – und einer Krebsfalle aus einem lokalen Angelshop für umgerechnet 28 Euro.

Köder auf über 6.000 Meter Tiefe

Es war die zweite Expedition für die Wissenschaftler des vor Kurzem gegründeten Deep-Sea Research Centre der Minderoo University Western Australia (UWA). Ziel der Forschungen ist es, den unerforschten Indischen Ozean weiter zu kartographieren und katalogisieren. Deswegen steuerten sie die Diamantina Fracture Zone (wortwörtlich Diamantina-Bruchzone) im südöstlichen Indik an, die Tiefen von bis zu 7.100 Meter erreichen kann. Zum Vergleich: Die bisher tiefste Stelle der Erde liegt im Marianengraben im Pazifik bei 11.000 Metern Tiefe.

Alleine um ihre Ausrüstung auf die 6.500 Meter zu senken, in der die beiden Tiefseefische gefangen wurden, brauchten die Forscher 2,5 Stunden. Die Mess-Sonde lag auf dem Meeresboden in dieser Tiefe und maß für acht Stunden Sauerstoffwerte, Salzgehalt. Außerdem nahm eine Kamera die Tiefseefische auf, die von dem angebrachten Köder angelockt worden sind.

Messausrüstung auf der eine Krebsfalle angebracht ist an einem Kran

Bild: UWA/Minderoo

Wissenschaftliche, hochtechnische Messausrüstung für rund 100.000 Euro und darauf montiert: eine Krebsfalle für knapp 30 Euro.

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Tiefseefische „schmelzen“ nach kurzer Zeit an Bord

Die Fische, die von der Kamera aufgenommen und von der Falle gefangen worden sind, waren zwischen 10 und 25 Zentimeter lang. Die Körper der beiden unbenannten Tiefseefische, die an die Oberfläche gebracht worden sind, besitzen keine Haut oder Schuppen, sondern einen durchsichtigen, gelartigen Körper.

Der Gründer des Deep-Sea Research Centre und UWA-Professor Alan Jamieson beschreibt, dass sein Team und er wenig Zeit hatten, mit dem Tier zu arbeiten. Denn in den 25 Grad Celsius an der Oberfläche begann der Fisch zu schmelzen. „Während die Fische in der Falle sind, werden sie im Grunde gekocht, da sie in den letzten 10 Millionen Jahren nirgendwo mit 25 Grad waren“, sagt er. „Sobald sie an Bord waren, hat man vielleicht weniger als 20 Minuten, um sie zu präservieren. Man kann (den Fisch) nicht ewig lange auf dem Schreibtisch liegen lassen und fotografieren, weil er wegen der Temperatur buchstäblich vor deinen Augen zu zerfallen beginnt.“

Tiefseefisch auf Geschirrhandtuch.

Bild: UWA/Minde

Der Körper dieses Tieres besteht aus einer gelartigen Substanz. An der Oberfläche ist das Tier in wenigen Minuten zerfallen.

Des Weiteren räumt Jamieson mit herkömmlichen Vorstellungen auf: „Sie sind irgendwie merkwürdige, kleine Dinger. Sie sind nicht, was man sich vorstellt. Eine Menge Leute denken bei einem Tiefseefisch an irgendein großes, verrücktes Ding, biolumineszent, große Zähne und all das … Die Tiefseefische neigen dazu, etwas größer zu sein und schauen ein bisschen trauriger aus.“

Um diese Exemplare angemessen zu bestimmen, braucht es wahrscheinlich noch einige Jahre. In Jamiesons Gefriertruhe lägen aber bereits zwei ähnliche Fische von anderen Expeditionen.

Technologischer Fortschritt ermöglicht größere Einsichten

Für die Erkundung des Indischen Ozeans bieten die beiden Scheibenbäuche einen weiteren Anhaltspunkt, um das einzigartige Ökosystem der Tiefsee zu verstehen. Laut Jamieson ist nur sehr wenig des Ozeans vor Australien unter einer Tiefe von 500 Metern erforscht. Allerdings sei der technische Fortschritt der letzten Jahrzehnte maßgeblich, um schneller und weiter in die Tiefen der Meere einzutauchen. „Vor zehn oder 15 Jahren würden wir rausfahren und zweimal eine Kamera aussetzen. Das wurde als massiver Erfolg angesehen, aber jetzt schaffen wir bis zu 20 pro Woche“, berichtet Jamieson.

Die nächste Expedition verschlägt das Team nach Japan. Dort wollen sie versuchen, das Alter von Tiefseefischen zu bestimmen, indem sie nach Partikeln suchen, die mit der Nuklearkatastrophe von Fukushima in Verbindungen stehen.

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Quellen: smh.auuwa.edu.au


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