Kann sich die Oder von diesem Fischsterben erholen?

Das Fischsterben in der Oder hat deutsche Behörden unvorbereitet getroffen. Tonnen von Fischen sind gestorben, inzwischen hat die Katastrophe das Stettiner Haff erreicht. Wird sich der Fluss erholen, oder ist das Wunschdenken?

Freiwillige holten Kadaver aus der Oder. Die Gründe für das Fischsterben sind nach wie vor nicht geklärt. Foto: Jens-Werner Dettmann (via Facebook)

Bild: Jens-Werner Dettmann (via Facebook)

Freiwillige holten Kadaver aus der Oder. Die Gründe für das Fischsterben sind nach wie vor nicht vollständig geklärt.

Wie kaum ein anderes Umweltthema hat das Fischsterben in der Oder diese Woche die Nachrichten beherrscht. Auf Bildern im Netz sind tausende von toten Fischen zu sehen, von Karpfenartigen bis zu Raubfischen. Inzwischen hat das Sterben das Stettiner Haff erreicht. Die Ursache für diese Katastrophe ist nach wie vor nicht geklärt, und solange man nicht weiß, wonach man genau suchen muss, wird die Antwort vermutlich noch auf sich warten lassen. Bisher weiß man nur, dass das Wasser eine unerklärliche „Anomalie“ aufweise, wie Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel mitteilte. Dabei handelt es sich um stark erhöhte Sauerstoffwerte, obwohl die hohen Temperaturen in der langsam fließenden Oder eigentlich das Gegenteil hätten bewirken müssen.

Viel diskutiert wird auch die mangelhafte Kommunikation zwischen Polen, wo das Fischsterben seinen Ursprung hatte, und Deutschland. Dass die deutschen Behörden jedoch so spät von dem Thema erfahren haben, ist nur einer der Gründe dafür, dass die Rettungsmaßnahmen so schleppend vorangingen. Die zuständigen Behörden waren offenbar überfordert mit der Lage.

Deutsche Behörden waren nicht vorbereitet

„Offensichtlich verfügt das zuständige Umweltministerium nicht über die konkrete Ablaufpläne oder hinreichend kompetentes Personal, um mit solchen Situationen umzugehen“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung von DFV und DAFV. Dagegen habe die polnische Seite deutlich mehr Aktivität gezeigt. Feuerwehr und Militär waren im Einsatz, und freiwillige Helfer wurden von Fachleuten angeleitet. So arbeitete man zum Beispiel mit Sperren, um Fischkadaver schnell bergen und entsorgen zu können. Mit besserer Vorbereitung wäre das sicherlich auch in Deutschland möglich gewesen.

Allerdings hat auch die polnische Seite nicht fehlerfrei reagiert. Wie Gewässerexperte Sascha Maier im Gespräch mit Spektrum nahelegt, wurde das Fischsterben anfangs falsch eingeordnet und heruntergespielt, sodass die Meldekette zu spät aktiviert wurde – was den Schaden zumindest eingedämmt hätte. DFV und DAFV fordern, dass das Fischsterben in der Oder aufgeklärt wird und man sich auf künftige Katastrophen besser vorbereitet.

Das sind die Forderungen von DFV und DAFV:

  • Aufklärung der Ursachen für das Fischsterben
  • Ermittlung der Verursacher
  • Bestimmung der Höhe der Schäden
  • Bemühung um Schadenersatz von polnischer Seite
  • Hilfe für geschädigte Fischereibetriebe und andere Gewässernutzer
  • Wiederaufbau der Fischbestände
  • Erstellung von Maßnahmenplänen auf deutscher Seite zur Gefahrenabwehr

Man gibt in der Pressemitteilung jedoch auch zu bedenken, dass sich die Ereignisse auch positiv lesen lassen. Dass die Behörden keine Routine bei solchen Aktionen besitzen, zeige, dass größere Fischsterben seltene Ereignisse geworden sind. Ob sie in Zukunft eine Seltenheit bleiben, sei dahingestellt.

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Kann sich die Oder von dem Fischsterben erholen?

Ist die Oder nun aber verloren? Hat das Fischsterben den Fluss völlig „leergefegt“, oder gibt es Hoffnung für die Zukunft?

Was genau passieren wird, lässt sich natürlich nicht direkt abschätzen. Sobald sich die Lage beruhigt hat, stehen die Chancen jedoch gut, dass sich die Oder erholen wird. Sobald ihr Lebensraum wieder bewohnbar wird, kehren Fischbestände zurück. So geschieht es zum Beispiel fast jedes Jahr in der Hamburger Elbe, wenn Sauerstoffmangel zu einem Fischsterben führt. Zudem ist die Oder keineswegs „fischfrei“ geworden. So konnte man einige Störe aus dem Wiederansiedelungsprogramm retten, und es gibt auch Sichtungen von Fischbrut.

Dennoch ist Vorsicht geboten, wie Andreas Koppetzki, Hauptgeschäftsführer des Landesanglerverbands Brandenburg, anmerkt. „Es sind giftige Chemikalien in den Flusslauf der Oder gelangt, deren Spätfolgen noch nicht absehbar sind“, sagte er. Womöglich lässt sich eine genauere Prognose treffen, sobald die Ursache für das Fischsterben bekannt geworden ist.

Quellen: DAFV, LAVB, MDR, Spektrum


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