Große Störe
Der Fraser River im kanadischen Bundesstaat British Columbia schlängelt sich in einer nahezu unberührten Natur durch schneebedeckte Berge und dichte Wälder. Im breiten Unterlauf, kurz bevor er bei Vancouver in den Pazifik mündet, wird die Strömung durch die Tide beeinflusst, so dass es sowohl schnellfließende als auch stehende Phasen gibt. Es gibt dort sowohl bis zu 20 m tiefe Löcher als auch flache Sandbänke. Anglerisch ist der Unterlauf vom Fraser River so interessant, weil dort der Weiße Stör (Acipenser transmontanus) aufsteigt. Die Durchschnittslänge der Fische beträgt etwa 210 cm, es wurden aber auch schon Fische bis 600 cm nachgewiesen.
Schwere Montagen
Und auf diese Stör Giganten im Fraser River hatten es Ralf, Tobi, Jürgen und Thomas abgesehen. Zusammen mit Andy’s Big Fish Tours waren sie in der Kilby Lodge bei Chilliwack direkt am Fraser River. Optimalerweise werden die Fische vom Boot aus mit dem Echolot gesucht. Hat man einen Fisch entdeckt, wird das Boot entsprechend platziert und der Fisch dann mit schweren Grundmontagen von bis zu 400 g und passenden Ruten und Schnüren gezielt angeworfen. Als Köder kommen dabei hauptsächlich ganze Fische oder Fischfetzen von 15 bis 20 cm Länge verwendet. Gut sind aber auch mandarinengroße Säcke mit Rogen. Interessant ist, dass die Fische trotz ihrer Größe extrem vorsichtig beißen und die bisse teilweise nur durch leichtes Zittern der Rutenspitze zu erkennen sind.

Bild: weyel
Hier ist die Montage zu erkennen. Die Bleie wiegen rund 400 g.
Störe bis 255 cm
Und bei dieser Tour ging es auch gleich richtig gut los: In den ersten Tagen konnten sie bereits mehrere Störe bis 255 cm drillen. Dann entdeckte Guide Robert auf dem Echolot einen außergewöhnlich großen Stör in einem etwa 10 m tiefen Loch vom Fraser River. Nachdem er das Boot oberhalb des Fisches positioniert hatte, wurden die Montagen ausgelegt. Aber es passierte aber eine Stunde lang gar nichts. Da es ganz wichtig ist, dass die Fische wirklich gezielt angeworfen werden, richtete er das Boot neu aus. Und wieder nichts. Und beim dritten Versuch gab es nur einen Hänger. Doch plötzlich kam Bewegung in die Sache – das war kein Hänger!
Echter Kraftakt
Was dann folgte, war ein Kampf gegen eine Kraft, die sie in dieser Dimension noch nicht erlebt hatten. Zuerst drehte der Stör scheinbar völlig unbeeindruckt in dem 10 tiefen Loch seine Runden und ließ sich gegen die gewaltige Querströmung vom Fraser River auch nach einer Stunde nicht einen Meter hochziehen. Das war so anstrengend, dass sich die Jungs abwechseln mussten. Während einer kämpfte, konnten die anderen kurz verschnaufen und neue Kraft sammeln. Robert und Andy hielten das Boot dabei die ganze Zeit in Position. Und plötzlich veränderte sich das Verhalten des Fisches. Er verließ das Loch und zog den Fluss hinab.
Gefährlicher Zwischenfall
Weil es in der starken Strömung vom Fraser River unmöglich war, den Stör zu halten, mussten sie dem Fisch folgen. Auch für Robert und Andy war es Schwerstarbeit, das Boot dabei sicher durch die Strömung zu steuern. Sie mussten ja gleichzeitig auch optimale Bedingungen für den Drill ermöglichen. Und plötzlich passierte das, was nicht passieren durfte: Das Boot hing auf einer 20 cm tiefen Sandbank fest – so dass die Strömung das Boot in eine gefährlich in Schräglage drückte. Für einen Moment bestand sogar die Gefahr, dass es umkippte. Dann musste alles ganz schnell gehen: Um die Situation unter Kontrolle zu bringen, mussten alle raus aus dem Boot – bis auf Jürgen, der die Rute mit dem Stör hielt! Gemeinsam schafften sie es zum Glück, das festgefahrene Boot von der Kiesbank zu wuchten.
Tolle Gemeinschaftsleistung
Als das Boot wieder in freiem Wasser vom Fraser River war und der Stör immer noch am Haken hing, war die Erleichterung natürlich groß. Aber der Fisch war noch lange nicht reif zur Landung. Erst, nachdem sie sich drei Stunden lang beim Drillen abgewechselt hatten und dem Fisch inzwischen 6 km gefolgt waren, konnte der Gigant endlich gelandet werden. Da Fische dieser Größe aber nicht ins Boot gezogen werden, haben sie das Boot auf eine flache Sandbank gesteuert und sind zum Stör ins Wasser gestiegen. Dort konnten sie den gewaltigen Weißen Stör dann das erst Mal in voller Länge sehen.

Der Stör ist im Wasser gemessen und danach wieder frei gelassen worden.
Rekordfisch
Die Messung ergab eine Länge von genau 362 cm. Das Gewicht haben sie auf 500 bis 600 kg geschätzt. Was für ein Gigant! Nachdem sie ein paar Erinnerungsfotos mit dem Stör im Wasser vom Fraser River geschossen hatten, wurde er mit einem Sender versehen und wieder schwimmen gelassen. Die schmerzenden Arme, die 6 km lange Verfolgungsjagd, die Stunden in der Strömung, die gefährliche Situation auf der Kiesbank – all das war plötzlich nebensächlich. Dieser Weiße Stör war eine wirklich beeindruckende Gemeinschaftsleistung von vier Anglern und zwei Guides! Infos zu Stör-Reisen nach Kanada: andys-big-fish-tours.de

Bild: Kleinhaus
Nach 3-stündigem Drill, war die Begeisterung riesig.
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