„Wenn wir einen Fälscher pro Woche fassen, dann liegt die Dunkelziffer sehr viel höher. Außerdem werde die Qualität der gefälschten Fischereischeinen zunehmend besser.
Warum kaufen Angler gefälschte Fischereischeine?
„Der Erwerb eines Angelscheins ist in Baden-Württemberg nicht ganz einfach. 32 Stunden Unterricht bereiten den zukünftigen Angler darauf vor. Themen wie Gewässerökologie, tierschutzgerechtes Angeln und Versorgen des Fisches und die Kenntnis von Schonzeiten müssen gelernt werden. Trotzdem beträgt die Durchfall-Quote bei der Fischerprüfung zwischen 5 und 10 Prozent. Der Anglerverband bietet die Lehrgänge für die Prüfung an und nimmt diese auch ab“, erklärt Rainer Sosat.
Fehlende Sprachkenntnisse
Teilweise sind auch fehlende Sprachenkenntnis ein Grund für die Fälschungen. Die Prüfung wird leider nur in Deutsch angeboten. Prüflinge dürfen zwar einen vereidigten Dolmetscher mitbringen, aber dadurch entstehen zusätzliche Kosten. Schon die Fischerprüfung kostet zwischen 250 und 300 Euro. Wird ein Dolmetscher benötigt, zahlt man dann um die 500 bis 600 Euro.
Allerdings gibt es auch Angler, die sich von den Fälschern unwissend falsche Fischereischeine andrehen lassen, weil behauptet wird, dass es sich um echte, legale Papiere handle.

Bild: ASV Karlsruhe
In Baden Württemberg tauchen immer mehr gefälschte Fischereischeine auf.
Hohe Dunkelziffer
„Rund 50 Fälle kommen im Jahr vor, bei denen die Behörden oder die Polizei den Anglerverband auf gefälschte Papiere aufmerksam machen. Da möchte ich nicht wissen, wie hoch die Dunkelziffer ist, die uns da durchrutscht“ bedauert Sosat.
„Grundsätzlich werden Prüfungszeugnisse gefälscht, um Fischereischeine bei den Gemeinden zu erhalten.
Drastische Strafen
Bei der Verurteilung wegen Urkundenfälschung kann man mit bis zu 5 Jahren Haft verurteilt werden. Außerdem muss man eine hohe Geldstrafe zahlen. Die Abnehmer zahlen laut Gericht pro gefälschtem Schein rund 300 Euro.
Am Amtsgericht Schwäbisch Hall wurde ein Fälscher wegen gewerbsmäßiger Urkundenfälschung und Amtsanmaßung zu einem Jahr und vier Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Außerdem muss er 1.800 Euro an eine gemeinnützige Stiftung zahlen.
Was man gegen Fälschungen tun kann
Laut Landwirtschaftsministerium in Karlsruhe wird aktuell vor allem versucht, die Wasserschutzpolizei und die ehrenamtlichen Fischereiaufseher zu schulen, um Fälschungen schneller zu erkennen. Zudem würden die Gemeinden sensibilisiert, die die Fischereischeine ausgeben.
Digital ab 2027
Zum kommenden Jahr stellt das Land nach eigenen Angaben allerdings auf digitale Fischereischeine um, wie es sie etwa in Schleswig-Holstein gibt. «Die neuen Scheine im Scheckkartenformat sollen fälschungssicher sein», schreibt das Regierungspräsidium Karlsruhe dazu.
Die Richtigkeit eines Fischereischeines könne dann über eine zentrale Datenbank durch einen QR-Code verifiziert werden. Sollte kein Eintrag in der Datenbank vorliegen, ist von einer Fälschung auszugehen. Laut dem Landesfischereiverband werden dann auch alte Fischereischeine ausgetauscht.






