Im Mittelpunkt der Experimente stand ein klassischer Spiegeltest, der häufig eingesetzt wird, um Selbstwahrnehmung bei Tieren zu untersuchen. Die Forscher brachten zunächst kleine Markierungen an den Körpern der Fische an, die Parasiten ähnelten. Anschließend wurde den Tieren zum ersten Mal ein Spiegel präsentiert.
Die Reaktion kam überraschend schnell: Viele Putzerlippfische nutzten ihr Spiegelbild, um die Markierung auf ihrem Körper zu lokalisieren und versuchten anschließend, diese abzureiben. Einige Tiere zeigten dieses Verhalten bereits innerhalb der ersten Stunde nach dem Kontakt mit dem Spiegel. Im Durchschnitt dauerte es etwa 82 Minuten, bis die Fische versuchten, die Markierung zu entfernen. In früheren Untersuchungen trat dieses Verhalten erst nach mehreren Tagen auf.
Die Forscher vermuten, dass die Fische bereits ein ungewöhnliches Gefühl auf ihrer Haut wahrnahmen. Der Spiegel lieferte ihnen dann sofort die visuelle Information, die sie benötigten, um die Stelle zu identifizieren.

Bild: Adobe Stock / Hans Gert Broeder
Putzerlippfisch bei der „Arbeit“. Auch große Raubfische fressen die kleinen Lippfische im Regelfall nicht, sie lassen sich jedoch gerne von den Lippfischen von Hautparasiten befreien und sogar die Zähne putzen.
Fisch Intelligenz: Hinweis auf komplexe Denkprozesse
Besonders bemerkenswert war ein weiteres Verhalten, das nach einigen Tagen Beobachtung auftrat. Einige Putzerlippfische nahmen kleine Stücke Futter vom Boden des Aquariums auf, schwammen zum Spiegel und ließen das Futter gezielt davor fallen.
Während das Stück langsam nach unten sank, verfolgten die Fische seine Bewegung entlang der Spiegeloberfläche und berührten wiederholt das Glas mit dem Maul. Scheinbar untersuchten die Fische dabei das neue Objekt „Spiegel“. Die Wissenschaftler interpretieren dieses Verhalten als sogenanntes „Contingency Testing“. Dabei prüfen Tiere aktiv, wie sich Bewegungen eines anderen Objekts in der Spiegelung verhalten. Ähnliche Experimente mit Objekten wurden zuvor vor allem bei Delfinen und Mantarochen beobachtet.
Neue Perspektiven
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Fisch Intelligenz komplexer sein könnte als bisher angenommen. Das Verhalten der Putzerlippfische lässt vermuten, dass sie flexible Denkprozesse nutzen und möglicherweise sogar eine Form der Selbstwahrnehmung besitzen. Für die Forschung hat das weitreichende Konsequenzen. Wissenschaftler gehen davon aus, dass Fähigkeiten wie Spiegel-Selbsterkennung nicht nur bei wenigen hochentwickelten Tierarten vorkommen, sondern möglicherweise bei vielen Tiergruppen – einschließlich Fischen – verbreitet sind. Damit könnte die Studie nicht nur unser Verständnis von Fisch Intelligenz verändern, sondern auch wichtige Impulse für Evolutionsbiologie, Tierethik und zukünftige Forschungsfelder liefern.
Quelle: SciTechDaily
„Rapid self-recognition ability in the cleaner fish“ by Shumpei Sogawa, Taiga Kobayashi, Redouan Bshary, Will Sowersby, Satoshi Awata, Naoki Kubo, Yuta Nakai and Masanori Kohda, 25 November 2025, Scientific Reports. DOI: 10.1038/s41598-025-25837-0
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