Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger unterstützt gleich mehrere Vorhaben in der Region zwischen Lech und Ammersee nach Erdgas zu bohren. Unter anderem hatte bis Ende 2025 das „Energieprojekt Lech Kinsau 1“ des kanadischen Konzerns MCF Energy / Genexco bereits Probebohrungen nahe der am Fluss Lech gelegenen Gemeinde Reichling durchgeführt. Dies geschah unter Protest mehrere lokaler Initiativen und Greenpeace.
Was bedeutet das für Angler?
Sollte am Ammersee tatsächlich Erdgas gefördert werden, könnten sich verschiedene Auswirkungen auf Angelei und Fischerei ergeben. Bereits die Bauphase mit Bohranlagen, Zufahrtswegen und erhöhtem Schiffsverkehr würde zu Lärm und Störungen in sensiblen Uferbereichen führen, die für die Fortpflanzung vieler Fischarten wichtig sind. Während des Betriebs besteht zudem das Risiko von Leckagen, Unfällen oder dem Eintrag von Betriebsstoffen in Boden und Gewässer. Zwar gelten in Deutschland strenge Umweltauflagen, ein Restrisiko bleibt jedoch bestehen. Besonders empfindliche Arten wie Renken, Hechte oder Seesaiblinge könnten auf Veränderungen ihres Lebensraums reagieren.

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Der Ammersee: Eine Idylle mit einem guten Hecht- und Renkenbestand.
Auch für Angler könnte die Attraktivität des Sees sinken, wenn Sperrzonen eingerichtet oder landschaftlich prägende Bohranlagen sichtbar werden. Wirtschaftlich könnten Berufsfischer unter möglichen Fangrückgängen leiden. Wie stark die tatsächlichen Auswirkungen wären, hängt jedoch von Standort, Fördermethode, Umfang des Projekts und den vorgesehenen Schutzmaßnahmen ab.
Ein hohes Risiko
Die Ergebnisse der Probebohrung werden aktuell ausgewertet, Ende Juni 2026 könnte dann eine Entscheidungsgrundlage für die Förderung von Erdgas vorliegen. Im Förderzeitraum von bis zu fünfzehn Jahren könnten durch das Vorkommen jedoch gerade mal 10.-15.000 Haushalte versorgt werden. Dem geringen Anteil an der Gesamtversorgung Deutschlands steht zudem ein hohes lokales Umweltrisiko in einer sensiblen Naturregion gegenüber: Durch die Föderung bei Reichling im 6 Quadratkilometer großen Gebiet „Lech“ ist das 150 Meter entfernte Naturschutzgebiet Lech-Auen sowie die 200 Meter entfernte Grundwasserquelle des Ortes direkt bedroht.

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Dass Bohrtürme ein Landschaftsbild optisch zerstören, ist die eine Sache – doch was ist mit ökologischen Folgen?
Schlimmer aber noch: Erfolgreiche Bohrungen könnte weitere Bohrungen im Fokusgebiet „Lech Ost“ nach sich ziehen, das rund 100 Quadratkilometer umfasst und von Reichling bis an den Ort Dießen am Ammersee(-Ufer) reicht und zahlreiche Zuflüsse zum Ammersee umfasst. Damit wäre auch der See möglichweise direkt von Bohrungen betroffen. Der kanadische Konzern zielt mit der Bohrung bei Reichling scheinbar auf einen gefährlichen Domino-Effekt, der aufzugehen droht.
Mittlerweile kann sogar eine Petition gegen das Vorhaben unterzeichnet werden.
Wie nachhaltig ist Erdgas?
Nach Erdgas wird meist durch Tiefbohrungen gesucht. Geologen identifizieren zunächst mithilfe seismischer Messungen mögliche Lagerstätten. Anschließend wird ein Bohrloch mehrere hundert bis mehrere tausend Meter tief in den Untergrund getrieben. Trifft die Bohrung auf gasführende Gesteinsschichten, wird das Bohrloch mit Stahlrohren und Zement gesichert. Das Erdgas strömt entweder aufgrund des natürlichen Lagerstättendrucks an die Oberfläche oder wird mit Fördertechnik gewonnen. In dichten Gesteinen kommt häufig Fracking zum Einsatz, bei dem Wasser, Sand und Zusatzstoffe unter hohem Druck in den Untergrund gepresst werden.
Wirtschaftlich ist Erdgas oft attraktiv, da es im Vergleich zu Kohle und Öl relativ günstig gefördert werden kann und eine wichtige Energiequelle für Industrie, Stromerzeugung und Heizung darstellt. Ökologisch ist die Bilanz jedoch umstritten: Zwar entstehen bei der Verbrennung weniger CO₂-Emissionen als bei Kohle, dennoch bleibt Erdgas ein fossiler Brennstoff. Zudem können Methan-Leckagen bei Förderung und Transport erhebliche Klimaschäden verursachen. Daher gilt Erdgas meist als Übergangstechnologie, nicht als langfristige Lösung für eine klimaneutrale Energieversorgung.






