Die Gewässerfreunde Marburg-Biedenkopf sind kein eingetragener Verein, sondern eine frei organisierte Gruppe von Anglerinnen und Anglern aus mehreren Vereinen des Landkreises, die dem Verband Hessischer Fischer e.V. angehören, sowie von weiteren Gewässerfreunden aus der ganzen Region. Die Idee, eine Gruppe zu gründen, der das Wohl der Flüsse am Herzen liegt, entstand durch Leon Kroneberger und Nils Autschbach. Die Gruppe hat sich im Frühjahr 2026 über eine Kleinanzeige zusammengefunden, mit der die Akteure Mitstreiter für die Renaturierung der heimischen Gewässer gesucht haben. Innerhalb einer Woche hatten sich mehr als zwanzig Freiwillige gemeldet. Die Gruppe wurde im Mai 2026 gegründet und umfasst derzeit 42 aktive Mitglieder. Neue Mitglieder sind jederzeit herzlich willkommen.
Was die Gruppe auszeichnet, ist ihre Zusammensetzung. Neben Anglerinnen und Anglern aus verschiedenen Vereinen sind Mitarbeitende der Unteren Wasserbehörde, der Fischereibehörde und der Naturschutzbehörde dabei. Fachliche Einschätzung, behördliche Abstimmung und praktische Arbeit am Wasser liegen damit in einer Hand, und die Gruppe kann von Anfang an beurteilen, welche Maßnahmen im Rahmen der Gewässerunterhaltung möglich sind und wo eine Genehmigung erforderlich ist.
Zwanzig Meter Ufer, per Hand zurückgebaut
Am 13. Juni 2026 hat sich die Gruppe an der Lahn bei Biedenkopf getroffen und dort rund zwanzig Meter Uferbefestigung entfernt. Schweres Gerät kam dabei nicht zum Einsatz. Die Steine wurden einzeln mit Brechstangen aus der Böschung gelöst, aus dem Ufer getragen und im Gewässer wieder eingebaut. Sämtliche Buhnen, die auf den Fotos zu sehen sind, sind auf diese Weise von Hand entstanden.

Bild: Gewässerfreunde Marburg-Biedenkopf
Mitglieder der Gewässerfreunde lösen die Uferbefestigung der Lahn bei Biedenkopf per Hand und setzen die Steine als Buhnen wieder ein.
Aus der Wasserautobahn wird wieder ein Fluss
Die Wirkung setzte unmittelbar ein. Wo die Lahn zuvor in einem gleichförmigen Bett zwischen befestigten Ufern abfloss, gliedern die neuen Buhnen die Strömung. Hinter den Buhnen entstehen beruhigte Bereiche, in denen Fische Deckung finden, davor und seitlich spülen sich Kolke frei. Mindestens ebenso wichtig ist, was der Rückbau der Ufersicherung ermöglicht. Ein Gewässer, das seine Ufer wieder angreifen darf, verlagert Kies und schafft sich laufend neue Strukturen. Genau dieser Kies fehlt vielen ausgebauten Flussabschnitten, und er ist die Grundlage für die Fortpflanzung der heimischen Fischarten und Lebewesen in der vorliegenden Fischregion, der Äschenregion.
Der Einsatz an der Lahn ist nicht der erste dieser Art. Seit der Gründung im Mai 2026 hat die Gruppe rund zehn ehrenamtliche Arbeitseinsätze durchgeführt, bislang alle an der Lahn bei Biedenkopf. Dort wurden Abschnitte der Uferbefestigung zurückgebaut und das Material als Strukturelemente wieder in das Gewässer eingebracht. Künftig sollen weitere Gewässer im Landkreis folgen. Geplant sind die Entfesselung begradigter und verbauter Abschnitte, Uferbepflanzung und der Einbau von Strukturen, die Strömungsdiversität, Tiefenvarianz und Habitatvielfalt erhöhen.

Bild: Gewässerfreunde Marburg-Biedenkopf
Mehrere Buhnen hintereinander lenken die Strömung und geben dem Fluss seine Längsgliederung zurück.
Fachwissen aus Verwaltung und Verein
Der Rückbau von Uferbefestigungen und der Einbau von Buhnen sind Eingriffe, die je nach Umfang der Gewässerunterhaltung zuzuordnen sind oder als Gewässerausbau einer wasserrechtlichen Zulassung bedürfen. Die Gewässerfreunde stimmen ihre Einsätze deshalb mit der jeweiligen Kommune, dem Unterhaltungspflichtigen und den zuständigen Behörden ab; um eine Befangenheit auszuschließen, lässt Leon Kroneberger die Maßnahmen zusätzlich von Kolleginnen und Kollegen prüfen. Die Maßnahme vom 13.06.2026 wurde mit der unteren Wasserbehörde vom Landkreis Marburg Biedenkopf und den Gewässerökologen Dr. Dirk Hübner und Roman Fricke abgestimmt.
Für Vereine und Gruppen, die Ähnliches vorhaben, ist ein Punkt entscheidend: Solche Maßnahmen müssen vorher abgestimmt werden. Das Entfernen von Uferbefestigungen oder der Rückbau eines Wehrs geht über die Hegepflicht eines Angelvereins oder Fischereipächters hinaus. Die Unterhaltung der Gewässer liegt bei den Anliegergemeinden oder den von ihnen gebildeten Verbänden, die Ziele dafür gibt die europäische Wasserrahmenrichtlinie vor. Ehrenamtliche können diese Arbeit hervorragend unterstützen, sie brauchen dafür aber das Einvernehmen des Unterhaltungspflichtigen und der zuständigen Wasserbehörde.

Bild: Gewässerfreunde Marburg-Biedenkopf
Strukturreich statt gleichförmig: So soll die Lahn auf immer mehr Abschnitten wieder aussehen.
Ein Anfang, der Schule machen kann
Die Gewässerfreunde zeigen, wie viel mit einfachen Mitteln möglich ist, wenn Fachwissen, Ortskenntnis und Arbeitskraft zusammenkommen. Die Gruppe steht dabei erst am Anfang: Weitere Abschnitte im Landkreis Marburg-Biedenkopf sollen folgen, Bäume zur Beschattung gepflanzt und gemeinsam mit Baggerunternehmen, die sich ebenfalls ehrenamtlich beteiligt haben, Wanderhindernisse beseitigt werden. Die Zuwendung von 500 Euro geht auf das Konto der Hegegemeinschaft Lahn I und kommt von dort der Fortführung des Projekts zugute.
„Nur rund acht Prozent unserer Fließgewässer sind in einem guten ökologischen Zustand. Der Rest ist begradigt und eingefasst und kann sich nicht aus eigener Kraft befreien, da braucht der Fluss unsere Hilfe. Genau dafür haben wir uns zusammengefunden, denn jeder Meter Ufer, den wir freilegen, gibt dem Gewässer ein Stück Eigendynamik zurück.“
(Nils Autschbach, Mitinitiator der Gewässerfreunde Marburg-Biedenkopf)
Angler für die Natur
Angler sind über ihre Vereine und Verbände nicht nur zur Nutzung von Fischen berechtigt, sondern als Eigentümer oder Pächter von Fischereirechten auch zu deren Hege und Pflege gesetzlich verpflichtet. Jahr für Jahr werden deutschlandweit Millionen ehrenamtliche Arbeitsstunden von Anglerinnen und Anglern scheinbar im Verborgenen geleistet. So werden unter Anderem Gewässer renaturiert, Brutplätze für Fische eingerichtet, Maßnahmen zum Artenschutz ergriffen und Ufer vom Müll bereinigt. „Es ist uns ein Anliegen mit dem Projekt Gewässer-Verbesserer das vielfältige ehrenamtliche Engagement der organisierten Anglerinnen und Angler in Deutschland mehr in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.“, so Klaus-Dieter Mau, Präsident des Deutschen Angelfischerverbandes. Fisherman’s Partner, die Zeitschrift Blinker und der DAFV sagen herzlichen Glückwunsch und wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal bei allen Teilnehmern ganz herzlich für das ehrenamtliche Engagement und die Verdienste um die Hege und Pflege unserer Gewässer bedanken.
Macht mit!
Auch in den kommenden Monaten werden wieder Auszeichnungen vergeben. Auf der Webseite https://gewaesser-verbesserer.de könnt ihr eure Umweltprojekte einreichen. Ausgewählte Projekte werden mit einer Zuwendung in Höhe von 500 Euro von Fisherman’s Partner für die Vereinskasse unterstützt. Macht mit und zeigt uns euer Projekt!
Der Deutsche Angelfischerverband e.V. (DAFV)
Der Deutsche Angelfischerverband e.V. besteht aus 23 Landes- und Spezialverbänden mit ca. 9.000 Vereinen, in denen mehr als 500.000 Mitglieder organisiert sind. Der DAFV ist der Dachverband der Angelfischer in Deutschland. Er ist gemeinnützig und anerkannter Naturschutz- und Umweltverband. Der Sitz des Verbandes ist Berlin. Er ist im Vereinsregister unter der Nummer 32480 B beim Amtsgericht Berlin Charlottenburg eingetragen und arbeitet auf Grundlage seiner Satzung.
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