Der Angelsportverein Albertshofen e.V. ist Gewässer-Verbesserer des Monats

Ausgezeichnet wird der Verein für ein Projekt, das Gewässerpflege und Messtechnik verbindet: eine schwimmende, vollständig solarautarke Wasserstrahlbelüftung samt einem eigenen Messnetz, das ihre Wirkung belegt. Geplant, gebaut, programmiert und betrieben wurde die Anlage von Vereinsmitgliedern in Eigenleistung.

Bild: Angelsportverein Albertshofen e.V.

Einfach selber machen: Der Angelsportverein Albertshofen e.V. zeigt, dass selbst ein kleiner Angelverein komplexe technische Lösungen in Eigenregie umsetzen kann.

Der Angelsportverein Albertshofen e.V. aus dem unterfränkischen Landkreis Kitzingen wurde am 16. Juli 1980 gegründet. Heute zählt er 58 Mitglieder, darunter acht Jugendliche. Das Vereinsgewässer ist im Ort als „Anglersee“ bekannt: ein flacher Binnensee von rund 20.400 Quadratmetern Wasserfläche, direkt am Main gelegen und über je ein Rohr im Norden und im Süden mit dem Fluss verbunden. Seit der Gründung kümmern sich die Mitglieder um Fischbestand, Ufer und Gewässer, und die feste Anglerhütte am See ist bis heute der Treffpunkt des Vereins.

Ein flacher See unter Hitzedruck

Die mittlere Wassertiefe des Sees liegt bei nur etwa 1,30 Metern. Genau das wird in heißen Sommern zum Problem: Flaches Wasser erwärmt sich schnell, und je wärmer es wird, desto weniger Sauerstoff kann es physikalisch binden. Gleichzeitig steigt der biologische Sauerstoffverbrauch. Beide Kurven laufen in Hitzeperioden gegeneinander, und die kritischen Minima treten nicht mittags auf, sondern in den Stunden vor Sonnenaufgang, wenn die Wasserpflanzen keinen Sauerstoff mehr produzieren, die Zehrung aber weiterläuft.

Hinzu kommen zwei örtliche Faktoren. Am Grund liegt eine flächige Faulschlammschicht von rund 25 Zentimetern Stärke, die dauerhaft Sauerstoff zehrt und bei hohen Temperaturen besonders aktiv ist. Und die Beschattung der Wasserfläche hat spürbar abgenommen, seit der Biber in den vergangenen Jahren mehrere große Ufergehölze gefällt hat. Der Wasseraustausch mit dem Main wiederum entsteht im Wesentlichen durch den Sog- und Schwellbetrieb der Binnenschifffahrt. Nachts, wenn die Schifffahrt weitgehend ruht, kommt er nahezu zum Erliegen, also genau dann, wenn der See ihn am dringendsten bräuchte.

Eine Belüftungsstation aus Vereinshand

Statt abzuwarten, hat der Verein im Sommer 2026 eine schwimmende Belüftungsstation gebaut und sie am 28. Juli 2026 in Betrieb genommen. Die Plattform misst rund 1,80 mal 2,40 Meter, ruht auf vier Pontons und ist an vier Punkten mit je drei Ankersteinen im Sediment fixiert. Ihre Energie liefert eine Photovoltaik-Inselanlage mit rund 900 Watt Peak, ein LiFePO₄-Speicher von etwa 2,4 Kilowattstunden überbrückt Wolkenphasen und den Nachtbetrieb. Ein Netzanschluss ist nicht vorhanden und auch nicht nötig.

Für die Belüftung sorgen zwei Rohrpumpen mit 25.000 und 50.000 Litern Stundenleistung, die je nach verfügbarer Energie gestaffelt zugeschaltet werden. Sie fördern Wasser und werfen es an der Oberfläche als Strahl aus, wo es mit der Luft in Kontakt kommt. Entscheidend ist dabei weniger der reine Sauerstoffeintrag als die Durchmischung des Wasserkörpers: Sie verhindert, dass sich bei Windstille Temperaturschichten und darunter sauerstoffarme Zonen ausbilden. Der Eintrag erfolgt bewusst oberflächennah und schlammschonend, damit der Faulschlamm am Grund nicht aufgewirbelt wird. Das ist der Fehler, der bei unsachgemäßer Belüftung flacher Gewässer mehr schadet als nützt.

Bild: Angelsportverein Albertshofen e.V.

Beide Pumpen im Betrieb: Das geförderte Wasser wird an der Oberfläche als Strahl ausgeworfen und nimmt dabei Sauerstoff auf.

160 Kilowattstunden Sonne, 19.600 Kubikmeter Wasser

Bis Ende September 2026 haben die beiden Pumpen in rund 610 Betriebsstunden etwa 160 Kilowattstunden Solarstrom in rund 19.600 Kubikmeter gefördertes Wasser umgesetzt. Das entspricht etwa drei Vierteln des gesamten Seevolumens, bewegt ohne eine einzige Kilowattstunde aus dem Netz. Zwei DC-Energiezähler erfassen den Verbrauch jeder Pumpe einzeln, sodass sich am Verbrauchsprofil aus der Ferne erkennen lässt, ob eine Pumpe verstopft ist oder eine Störung vorliegt.

Messen statt vermuten

Das Besondere an dem Projekt ist der Wirkungsnachweis. Der Verein belüftet nicht nach Gefühl, sondern hat sich die Datengrundlage selbst geschaffen. Dafür steht im Norden des Sees eine zweite, eigenständige Messstation mit identischer Sensorik, die bereits seit dem 9. Juni 2026 misst und bewusst nicht belüftet wird. Beide Stationen erfassen alle zehn Minuten die Wassertemperatur oben und unten sowie den gelösten Sauerstoff und funken die Werte per Mobilfunk an einen vereinseigenen Server. Bis Ende September 2026 sind so über 20.000 Datensätze zusammengekommen.

Bild: Angelsportverein Albertshofen e.V.

Die vereinseigene Auswertungsoberfläche stellt die Sauerstoffkurven beider Stationen gemeinsam mit Lufttemperatur, Regen und Sonnenschein dar.

Damit verfügt der Verein über etwas, das in der Praxis selten ist: einen unbelüfteten Referenzpunkt und einen belüfteten Wirkbereich im selben Gewässer, zeitgleich gemessen. Die Sensorpositionen sind an beiden Stationen gleich, zehn Zentimeter unter der Oberfläche, der Sauerstoffsensor bei 55 Zentimetern und der untere Temperaturfühler bei 90 Zentimetern. Die Standorte unterscheiden sich dagegen bewusst: Die Referenzstation steht in der flachen Nordzone bei nur rund 0,85 Metern Wassertiefe, die Belüftungsstation im tieferen Südteil bei etwa 1,60 Metern.

Was die Daten zeigen

Die Hitzeperiode von Ende Juli bis Mitte August 2026 hat deutlich gemacht, wie angespannt die Lage im See ist. An der unbelüfteten Referenzstation sanken die nächtlichen Sauerstoffminima von rund sieben Milligramm je Liter schrittweise ab, bis auf einen Tiefstwert von 0,71 Milligramm je Liter am 19. August 2026. Werte in dieser Größenordnung sind für Fische akut kritisch. Im Wirkbereich der Belüftungsstation fiel das Tagesminimum im gesamten Messzeitraum dagegen nie unter 5,7 Milligramm je Liter. Am zugespitztesten zeigte sich der Unterschied am 16. August 2026, als dort 11,7 Milligramm je Liter gemessen wurden, während die Referenz bei 1,0 Milligramm je Liter lag.

Der Verein ordnet diese Zahlen selbst vorsichtig ein, und das gehört zur Qualität des Projekts. Die Referenzstation bildet gezielt die kritische Flachwasserzone ab, also jenen Bereich, in dem Sauerstoffkrisen zuerst auftreten; ihre Werte sind als Frühwarnwerte des empfindlichsten Seeteils zu lesen, nicht als Mittelwert des gesamten Wasserkörpers. Ihr unterer Temperaturfühler liegt bereits im Faulschlamm und dokumentierte während der Hitzeperiode eine mittlere Sedimenttemperatur von rund 29 Grad mit Spitzen bis 35,6 Grad. Bei solchen Temperaturen läuft die mikrobielle Zehrung im Schlamm auf Hochtouren, was die nächtlichen Einbrüche unmittelbar darüber erklärt. Der Kernbefund bleibt davon unberührt: Wo gepumpt wird, bleiben die Werte stabil.

Ein Betrieb als kontrolliertes Experiment

Statt sich auf eine Betriebsweise festzulegen, entwickelt der Verein die Steuerung als Versuchsreihe. In der ersten Phase vom 28. Juli bis zum 16. August 2026 liefen die Pumpen gezielt nachts und in den frühen Morgenstunden, also dann, wenn der Sauerstoffgehalt am niedrigsten ist, gestützt auf den Batteriespeicher. Seit dem 17. August 2026 läuft der Gegenversuch mit maximalem Pumpenbetrieb tagsüber bei vollem Solarertrag. Eine abschließende Bewertung steht bewusst noch aus, weil der Strategiewechsel mit dem Ende der Hitzeperiode zusammenfiel und die Erholung der Nachtminima von der allgemeinen Abkühlung überlagert ist. Beide Strategien sollen in der kommenden Saison unter vergleichbaren Bedingungen wiederholt werden.

Bild: Angelsportverein Albertshofen e.V.

Das Dashboard zeigt beide Stationen in Echtzeit, vom gelösten Sauerstoff über die Wassertemperaturen bis zu Ladezustand und Pumpenleistung.

Auch die Technik ist auf Weiterentwicklung angelegt. Energieversorgung, Steuerung, Messtechnik und Belüftung sind getrennte Baugruppen mit Standardschnittstellen. Die Plattform ließe sich deshalb später auf feinblasige Diffusorbelüftung umrüsten oder um weitere Messgrößen wie pH-Wert, Trübung oder Leitfähigkeit ergänzen, ohne dass die übrigen Komponenten angetastet werden müssten. Aufbau, Stückliste und Messkonzept dokumentiert der Verein und stellt sie interessierten Vereinen zur Verfügung.

Ein Modell für tausende Vereinsgewässer

Flach, verschlammt und zunehmend hitzebelastet: Was den Anglersee kennzeichnet, trifft auf viele Vereinsgewässer in Deutschland zu. Sommerliche Sauerstoffkrisen sind dort kein Ausnahmefall mehr, sondern eine wiederkehrende Belastung, die Fischbestände und Wirbellose gleichermaßen trifft. Der ASV Albertshofen zeigt, dass ein kleiner Verein darauf mit überschaubaren Mitteln reagieren kann, und dass sich die Wirkung belegen lässt, statt sie zu behaupten. Die Materialkosten von 3.132 Euro netto sind finanziert, davon trägt die Gemeinde Albertshofen 1.500 Euro als Zuschuss. Sämtliche Planungs-, Bau-, Elektronik- und Programmierleistungen, einschließlich zweier Sonarvermessungen des Sees und einer eigenen Tiefenkarte, haben Vereinsmitglieder ehrenamtlich erbracht; die örtliche IT-Firma unterstützt das Projekt kostenfrei mit Fachwissen zu IoT und Webentwicklung.

Dass dieses Engagement über den Verein hinaus wirkt, zeigt die Beteiligung der Gemeinde ebenso wie der Umgang mit den Messdaten, die vor Ort sichtbar und erklärbar bleiben. Bau, Betrieb und Auswertung werden in die Jugendarbeit eingebunden, sodass Gewässerökologie am eigenen See mess- und begreifbar wird.

„Wir wollten nicht länger zusehen, wie unserem See in jedem Hitzesommer die Luft ausgeht. Dass wir mit zwei Messstationen schwarz auf weiß zeigen können, was die Belüftung bewirkt, ist uns dabei genauso wichtig wie die Anlage selbst. Was wir dabei lernen, geben wir gerne an andere Vereine weiter, denen es mit ihrem Gewässer ähnlich geht.“

(Julian Kraus, Projektleiter des Angelsportvereins Albertshofen e.V.)

Bild: Angelsportverein Albertshofen e.V.

Der See des ASV Albertshofen, im Hintergrund die ausgebrachte Belüftungsstation.

Angler für die Natur

Angler sind über ihre Vereine und Verbände nicht nur zur Nutzung von Fischen berechtigt, sondern als Eigentümer oder Pächter von Fischereirechten auch zu deren Hege und Pflege gesetzlich verpflichtet.

Jahr für Jahr werden deutschlandweit Millionen ehrenamtliche Arbeitsstunden von Anglerinnen und Anglern scheinbar im Verborgenen geleistet. So werden unter Anderem Gewässer renaturiert, Brutplätze für Fische eingerichtet, Maßnahmen zum Artenschutz ergriffen und Ufer vom Müll bereinigt. „Es ist uns ein Anliegen mit dem Projekt Gewässer-Verbesserer das vielfältige ehrenamtliche Engagement der organisierten Anglerinnen und Angler in Deutschland mehr in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.“, so Klaus-Dieter Mau, Präsident des Deutschen Angelfischerverbandes.

Fisherman’s Partner, die Zeitschrift Blinker und der DAFV sagen herzlichen Glückwunsch und wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal bei allen Teilnehmern ganz herzlich für das ehrenamtliche Engagement und die Verdienste um die Hege und Pflege unserer Gewässer bedanken.

Macht mit!

Auch in den kommenden Monaten werden wieder Auszeichnungen vergeben. Auf der Webseite https://gewaesser-verbesserer.de könnt ihr eure Umweltprojekte einreichen. Ausgewählte Projekte werden mit einer Zuwendung in Höhe von 500 Euro von Fisherman’s Partner für die Vereinskasse unterstützt. Macht mit und zeigt uns euer Projekt!

Der Deutsche Angelfischerverband e.V. (DAFV)

Der Deutsche Angelfischerverband e.V. besteht aus 23 Landes- und Spezialverbänden mit ca. 9.000 Vereinen, in denen mehr als 500.000 Mitglieder organisiert sind. Der DAFV ist der Dachverband der Angelfischer in Deutschland. Er ist gemeinnützig und anerkannter Naturschutz- und Umweltverband. Der Sitz des Verbandes ist Berlin. Er ist im Vereinsregister unter der Nummer 32480 B beim Amtsgericht Berlin Charlottenburg eingetragen und arbeitet auf Grundlage seiner Satzung.

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