Das Hobby zum Beruf gemacht

Angeln ist zweifellos eine der schönsten Nebensachen der Welt. Für die meisten ist und bleibt Angeln „nur“ ein Hobby. Das Interesse am Angeln eröffnet aber auch berufliche Möglichkeiten. Weniger bekannt dürfte sein, dass man sich auch im Rahmen der
Hochschulausbildung mit der Angelfischerei beschäftigen kann. Angeln als
Uni-Fach? Bis zum April ist es doch eigentlich noch etwas hin…

Für Daniel Hühn gehört das elektrische Kontrollfischen zum Beruf. privat

Von Prof. Dr. Robert Arlinghaus Wenn man genau hinschaut, findet man tatsächlich Lehrangebote, die sich zumindest teilweise mit den biologischen, sozialen und wirtschaftlichen Aspekten der Angelfischerei wissenschaftlich auseinandersetzten. Dies geschieht, zugegeben ein wenig versteckt, im Rahmen eines deutschlandweit einzigartigen fischereibiologischen Studiengangs an der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin. Hier lernen Studierende des auf Englisch angebotenen Masterstudiengangs Fishery Science & Aquaculture (Fischereiwissenschaften und Fischzucht) die wissenschaftlichen Grundlagen der fischereilichen Bewirtschaftung von Fischbeständen sowie die biologische, betriebwirtschaftliche und technische Grundlagen der Fischzucht. Speziell seit meiner Berufung auf den Lehrstuhl für Binnenfischerei-Management wird auch die Angelfischerei verstärkt in den ansonsten eher auf die Berufsfischerei ausgerichteten Lehrplan integriert. Für passionierte Angler unter Euch, die noch auf der Suche nach einem interessanten Studiengang sind, eröffnet das ganz neue Möglichkeiten. Drängende im Studienplan behandelte Fragen aus der Angelfischerei-Forschung umfassen z.B.: Welche wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung hat die Angelfischerei in Deutschland und weltweit? Welche Auswirkungen hat die Beangelung auf Fisch und Gewässer? Wie könnte ein professionelles Management der Angelfischerei aussehen? Die meisten werden sich jetzt verwundert die Augen reiben, aber einige der Älteren unter den Lesern können sich vielleicht noch daran erinnern, dass ich bereits vor mehr als 13 Jahren, damals selbst noch Student, im Jahre 1997 auf der Junganglerseite des Blinker auf diese unübliche Möglichkeit hingewiesen habe, sein Hobby zum Beruf zu machen. In der Tat stellte sich kürzlich heraus, dass viele frische Absolventen des fischereilichen Masterstudiengangs in Berlin erst durch den besagten Blinky-Artikel auf die außergewöhnliche Studienmöglichkeit aufmerksam wurden und sich dann tatsächlich entschieden, in die Hauptstadt zu ziehen. Dass dies eine gute Entscheidung war, zeigt ein kurzer Blick auf die Lebensläufe dieser ehemaligen Blinky-Leser.

Auch Christian Schomaker hat einen Weg gefunden, sein Hobby zum Beruf zu machen. privat

Auch Christian Schomaker hat einen Weg gefunden, sein Hobby zum Beruf zu machen. privat

Von der Uni in die Bundesgeschäftsführung Philipp Freudenberg zog im Jahre 2002 aus Schleswig-Holstein nach Berlin. Ein Studium in Berlin mit der Angelpassion zu verbinden? Das war für Philipp eine reizvolle Vorstellung. Philipp fertigte im Rahmen seines Studiums zwei wissenschaftliche Arbeiten zur Angelfischerei an. Zunächst untersuchte er die Unterschiede zwischen in Angelvereinen organisierten und nichtorganisierten Anglern. Diese Studie wurde vom Deutschen Anglerverband (DAV) mit einem Förderpreis ausgezeichnet. Im Rahmen seiner Masterarbeit beschäftigte sich Philipp dann mit der Bedeutung des Angelhobbys für Menschen mit Behinderung. Heute arbeitet er als Bundesgeschäftsführer beim DAV in Berlin und vertritt die Interessen der Anglerschaft. Ein weiteres Beispiel für einen passionierten Angler, der auszog, in Berlin das wissenschaftliche Handwerkszeug zu lernen, ist Thomas Klefoth. Gebürtig aus einem kleinen Ort bei Osnabrück in Niedersachsen befasste sich Thomas in seiner ebenfalls mit einem DAV-Förderpreis ausgezeichneten Masterarbeit mit den Auswirkungen des Fangen-und-Zurücksetzens auf das Verhalten und das Wachstum von Hechten. Dazu stattete er Hechte mit Peilsendern aus und beangelte sie intensiv über einen Zeitraum von fast sieben Monaten. Heute arbeitet Thomas als Doktorand am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in einem Projekt zur Angelei, das er selbst entwickelt hat, gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Dass er zur Beantwortung seiner Untersuchungsfrage öfters mal angeln muss, ist für den passionierten Angler kein Problem… (wer wird ihm das verdenken). Tobias Rapp zog im Jahr 2002 von Baden-Württemberg nach Berlin, um das Studium aufzunehmen. Im Rahmen seiner Bachelorarbeit untersuchte er in einer Laborstudie die toxische Effekte, die in Angelfuttermitteln enthaltene Konservierungsstoffe auf Fischeier ausüben. Zurzeit schreibt Tobias seine Masterarbeit über die Auswirkung der Hälterung von Karpfen in Karpfensäcken auf Physiologie und Verhalten der Fische nach dem Zurücksetzen. Die Daten für diese Feldstudie nahm er in Kanada auf, wo er ein Semester als Gaststudent forschend (und angelnd) verbrachte. Immer nah am Fisch Mit Jan Hallermann aus Rheinland-Pfalz hat sich ein weiterer leidenschaftlicher Angler dazu entschieden, sein Hobby zum Beruf zu machen. Nachdem er bereits einige Semester Medizin studiert hatte, tauschte er doch noch den weißen Kittel gegen die grünen Gummistiefel. Der ambitionierte Karpfen- und Raubfischangler legte schon immer besonderen Wert auf den schonenden Umgang mit der Kreatur Fisch. Und um besser verstehen zu können, was in den Fischen während und nach dem Fang vorgeht, befasste er sich sowohl in seiner Bachelorarbeit als auch in seiner Masterarbeit mit angelfischereilichen Themen. So konnte er in seiner Bachelorarbeit Wege aufzeigen, wie man mit untermaßigen Zander nach dem Fang am schonendsten umgeht. Aber auch die im Rahmen seiner Masterarbeit laufenden Laborversuche zur Stressreaktion von Karpfen während der Hälterung im Karpfensack werden zum Umdenken anregen. Nach dem Abitur die Freizeitinteressen mit einem Studium zu verbinden? Auch für Daniel Hühn ein Traum! In einer Literaturarbeit setzte sich Daniel zunächst intensiv mit dem Thema Fangen-und-Zurücksetzten in der Angelfischerei auseinander. Die Arbeit war so gut, dass sie einen DAV-Förderpreis erhielt. Seine Masterarbeit fertigte er im Bereich der Fischzucht an. Er studierte Behandlungsmethoden für Fischparasiten bei der Äsche. Heute ist Daniel Doktorand am IGB in Berlin und beschäftigt sich mit den biologischen und genetischen Auswirkungen von Besatzmaßnahmen in Angelgewässern. Für Christian Schomaker aus Niedersachsen erschien der Blinky-Artikel gerade noch rechtzeitig. Sein Vorhaben, Biologie zu studieren, wurde kurzerhand verworfen. 1998 nahm er das Studium an der Humboldt-Universität auf. In seiner Abschlussarbeit befasste er sich mit den Fischgemeinschaften der Auegewässer im Nationalpark Unteres Odertal. Dies ist ein Beispiel dafür, dass Studierende des fischereilchen Studiengangs in Berlin nicht nur angelfischereiliche Themen für ihre Abschlussarbeiten wählen. Schließlich gibt es auch in der Fischökologie noch vieles zu erforschen. Heute ist Christian wissenschaftlicher Mitarbeiter am IGB. Obwohl er in seiner Freizeit als aktiver Angler eher an Stillgewässern anzutreffen ist, führt er in seiner Arbeitszeit in erster Linie fischereibiologische Untersuchungen an Fließgewässern und Wasserstraßen durch. Ohne Zweifel eine schöne Art, neue Angelreviere zu entdecken.

Studium und Arbeit

Informationsmöglichkeiten Studienvoraussetzung ist in der Regel die Hochschulreife. Danach steht ein 3-jähriges Bachelorstudium in Agrarwissenschaften oder einer verwandten Naturwissenschaft wie Biologie an, was an vielen Universitäten in Deutschland absolviert werden kann. Ist dieser Abschluss erreicht, kann gute Noten vorausgesetzt der in englischer Sprache angebotene 2-jährige Masterstudiengang Fishery Science and Aquaculture an der Humboldt-Universität in Berlin angeschlossen werden. Während dieser 2 Jahre werden allgemeine Grundlagen der fischereilichen Lehre vermittelt, und es gibt Spezialvorlesungen zur Angelfischerei. Der Studiengang muss mit der Masterarbeit zu einem selbstgewählten Thema abgeschlossen werden. Angler unter den Studierenden wählen meist wen wundert’s anglerische Themen. Dazu müssen wissenschaftliche Experimente geplant und selbständig durchgeführt werden. Die Ergebnisse werden dann in einer schriftlichen Abschlussarbeit zusammengefasst, ob in Deutsch oder Englisch ist den Studierenden selbst überlassen. Nach Beendigung des Studiums steht dem frischgebackenen Fischereiexperten ein vielfältiges Tätigkeitsfeld zur Verfügung. Detaillierte Informationen zu Studieninhalten und Ansprechpartner finden sich unter www.agrar.hu-berlin.de. Ein Blick sollte man auch auf www.igb-berlin.de werfen, weil die meisten Lehrenden des fischereilichen Masterstudiengangs an dieser außeruniversitären Einrichtung angestellt sind. Detaillierte Beispiele für Forschungsarbeiten zur Angelfischerei, die von Studierenden angefertigt werden, finden sich unter www.adaptfish.igb-berlin.de. Einsatzmöglichkeiten Die Absolventen des Masterstudienganges Fishery Science and Aquaculture finden vielfältige Einsatzmöglichkeiten in Forschungs- und Lehreinrichtungen, Fischereiverwaltungen, Landwirtschaftskammern, Beratungsdiensten, Ingenieurbüros, Wasserwirtschaftsbehörden, Umweltämtern, größeren Fischerei- und Fischzuchtunternehmen, Futtermittelbetrieben, Fischgesundheitsdiensten, Fachverbänden sowie als Berater in der Entwicklungshilfe. Die Berufswahl hängt in der Regel von den persönlichen Eigenschaften und Neigungen des Studierenden ab, weil die meisten Arbeitsplätze Nischenarbeitsplätze sind. Besonders gute Chancen auf einen Arbeitsplatz hat, wer bereit ist, auch ins Ausland zu gehen.


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ANGELSEE aktuell ist das einzige Magazin im deutschsprachigen Raum für die stetig wachsende Zahl der Angler, die an Angelseen, auch Forellenteiche genannt, ihre Köder auswerfen.
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