Flüsse, Seen und Teiche geraten durch extreme Wetterlagen zunehmend unter Druck. Lange Trockenperioden und hohe Wassertemperaturen können im Sommer zu Sauerstoffmangel führen, während lang anhaltende Eisbedeckung im Winter ebenfalls Probleme verursacht. Besonders naturferne Gewässer können solche Belastungen nur schlecht abpuffern – mit möglichen Folgen für Fische und andere Wasserlebewesen. Um Angelvereine auf diese Herausforderungen vorzubereiten, bildet der Anglerverband Niedersachsen (AVN) jedes Jahr ehrenamtliche Gewässerwarte aus. 2026 haben insgesamt 55 Teilnehmerinnen und Teilnehmer die einwöchige Intensivausbildung abgeschlossen. Die letzte Gruppe beendete ihren Lehrgang am 28. August.

Bild: © F. Möllers / Anglerverband Niedersachsen
Die Vollzeitausbildung beinhaltet auch theoretischen Input mit wissenschaftlichen Erkenntnissen.
Gewässerwarte erkennen Probleme oft zuerst
Gewässerwarte beobachten die Entwicklung der Vereinsgewässer und sind häufig die Ersten, die Veränderungen bemerken. Bei sinkenden Wasserständen, Sauerstoffmangel oder einem drohenden Fischsterben können sie die Situation einschätzen, Sofortmaßnahmen einleiten und weitere Fachleute oder Behörden hinzuziehen.

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Das Fischartenvorkommen im Fließgewässer gibt Aufschluss über den ökologischen Zustand des Gewässers. Bild vom Kurs im Mai 2026.
„Angler sind wichtige Partner für den Gewässerschutz“, betont Lehrgangsleiter Dr. Matthias Emmrich. Nach seinen Worten bemerken Angelvereine oftmals als Erste, wenn mit einem Gewässer etwas nicht stimmt. Die Grundlagen für die richtigen Reaktionen vermittelt der AVN in seinen Lehrgängen. Das Engagement kommt nicht nur den Fischbeständen zugute. Auch Pflanzen, Insekten, Amphibien, Vögel und andere Arten am und im Wasser profitieren von strukturreichen und möglichst naturnahen Lebensräumen.
Von Elektrofischerei bis Wasseranalyse
Der Gewässerwartelehrgang verbindet wissenschaftliche Grundlagen mit praktischen Übungen. Auf dem Programm stehen unter anderem Fisch- und Gewässerökologie, Wasseranalysen, Elektrofischerei, Fischbestandsmanagement sowie der richtige Umgang mit Fischsterben. Darüber hinaus beschäftigen sich die Teilnehmer mit Renaturierungen von Fließgewässern, der naturnahen Gestaltung von Baggerseen, Pflanzen- und Krebskunde sowie einem nachhaltigen Fischbesatz.

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Einführung in die Elektrofischerei als schonende Methode zur Fischbestandsuntersuchung.
Der Lehrplan wurde von Biologinnen und Biologen des AVN ausgearbeitet. Unterstützt wird die Ausbildung durch Fachleute des LAVES, Dezernat Binnenfischerei, und der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Die Grundidee: Je vielfältiger und naturnäher ein Gewässer ist, desto mehr Lebensräume bietet es. Solche Gewässer sind häufig zugleich besser in der Lage, Hitze, Trockenheit und andere Extremereignisse abzufedern.
Ehrenamtliche aus 24 Regionen
Die Absolventinnen und Absolventen kommen aus insgesamt 24 Landkreisen, kreisfreien Städten und der Region Hannover. Der Schwerpunkt liegt in Niedersachsen, vertreten sind aber auch Bremen sowie der Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt und der Kreis Steinfurt in Nordrhein-Westfalen. In ihren Vereinen sollen die neuen Gewässerwarte nun konkrete Verbesserungen anstoßen und begleiten. Dafür brauchen sie nach Ansicht des Lehrgangsleiters Rückhalt – sowohl im eigenen Verein als auch von Genehmigungsbehörden, Politik und Bevölkerung. Denn Maßnahmen, die Fischen und Gewässern helfen, werden nicht immer sofort als Naturschutz erkannt.
Zweimal jährlich eine Intensivausbildung
Der AVN bietet den fünftägigen Gewässerwartelehrgang in der Regel zweimal jährlich an. Die knapp 30 Plätze pro Kurs werden über die Mitgliedsvereine und AVN-Regionsleiter vergeben; eine direkte Anmeldung von Privatpersonen ist nicht möglich. Der Lehrgang ist als Weiterbildung anerkannt und kann grundsätzlich als Bildungsurlaub beantragt werden. Weitere Informationen zum Gewässerwartelehrgang gibt es beim Anglerverband Niedersachsen.






