Herbstfischerei mit „Pupil“ und „Student“
Die „Pupil“ wird in den USA als kleine Imitation einer schwarzen Köcherfliege gesehen und nicht als Steinfliege. Der „Student“ imitiert eine gerade auftauchende und flügelentfaltende Eintagsfliege. Diese Form ähnelt sehr stark der britischen „Shuttle Cock“, die jedoch als schlüpfende Mückenpuppe im stehenden Wasser eingesetzt wird. Meine vor Jahren vorgestellte „Umbrella Cock“ ist ja nur eine Weiterentwicklung. Ich habe den „Student“ ursprünglich als emergierende Mini-Eintagsfliege gebunden, die sich im Herbst beim Schlupf der kleinsten Baetis-Art als unschlagbar erwies. Aus Bequemlichkeit habe ich die amerikanische Namensgebung beibehalten, wobei meine Versionen sich von den US-Vorbildern schon wesentlich entfernt haben.
Wenn die Fische mit spitzen Lippen nehmen
„Sipping“ ist – im Gegensatz zum „Gulping“ (Schlucken) – eine Nahrungsaufnahmeform, bei welcher der Fisch eine Schwebeposition (knapp unter der Wasseroberfläche) einnimmt und diese auch beibehält. Er verharrt darunter und schert auch nicht nach der Seite aus. Dabei befindet er sich nur wenige Zentimeter hinter jener Stelle, an der man den Ring sieht. Auf diese Art und Weise kann er die antreibenden Insekten genau inspizieren. Wenn es passt, braucht der Fisch nur den Kopf etwas zu heben, sein Maul zu öffnen und mit „spitzen Lippen“ die Nahrung einzusaugen.
Dieses Steiggeschehen ist mit keiner Vorwärtsbewegung verbunden. Die Strömung transportiert die Nahrung praktisch direkt vor seine Nase. Dies macht nur dann Sinn, wenn sich genügend Fliegen auf dem Wasser befinden. Das Förderband der Strömung transportiert hier sowohl bereits geschlüpfte Duns, Floating Nymphs und auch Emerger in den unterschiedlichsten Entwicklungsstadien genau vor das Maul. Dieses „Schlürfsteigen“ passiert auch bei einem Spinnerfall oder beim Schwärmen kleiner schwarzer geflügelter Ameisen, die vor allem oft im August auf der Wasseroberfläche landen.

Bild: Albert Pesendorfer
Die kleine Baetis fuscatus wird oft übersehen, sie spielt aber im Herbst eine wichtige Rolle.
Die CDC erscheint mir einfach riesig
Ich wate langsam in die Strömung hinaus, jedoch oberhalb der aufs Fressen konzentrierten Fische. Es ist mir klar, dass dies ein herausfordernder Moment ist, einen Fisch auch an den Haken zu bekommen. Das Sichtfenster des Fisches ist klein und jeder Windhauch kann die punktgenaue Ablage sozusagen „verwehen“.
Ich knote am 0,14er Vorfach eine kleine CDC-Fliege an und serviere diese. Mein Muster erscheint riesig im Vergleich zu den natürlichen Vorbildern und wird auch verweigert. Also wechsle ich auf einen „Student“ in Miniaturausführung der Hakengröße 20, der als Sichtflügel ein kleines Büschel Polypropylen hat, damit ich ihn besser sehen kann. Die Fliege treibt ab und verschwindet in einem Ring. Unnötig zu erwähnen, dass das Drillspektakel der schönen Regenbogenforelle natürlich den ganzen Schwarm in alle Richtungen verjagt hat und das Fangglück an dieser Stelle für diesen Tag wohl vorbei ist.
Das ist der entscheidende Wurf zum Erfolg
Die Präsentation der Fliege beim Fliegenfischen macht, so sagt man, 90 Prozent des Erfolgs aus und nur etwa 10 Prozent die Fliege. Ich bin nicht unbedingt dieser Meinung, doch passt das Muster und entspricht es der Größe, Farbe und Gestalt des Insekts, so erhöht man seine Chancen deutlich.
In einer Situation, in der man oberflächenaktive Fische anwerfen muss, ist bei gleichzeitig niedrig gehaltener Silhouette darauf zu achten, die steigenden Fische nicht zu überwerfen. Im Klartext: Die zielgenaue Präsentation bei kurz gehaltener Andrift-Distanz ist die halbe Miete.
Nach der Auswahl eines Fisches muss der Wurf nach hinten in einem hoch ansteigenden Bogen ausgeführt werden. Der Wurf geht dann schräg nach unten, wobei die Fliege, ohne aufzuklatschen, nur wenige Zentimeter vor dem Ring zart aufsetzen sollte. Dieses genaue Werfen kann man übrigens auf der Wiese trainieren, indem man als Ziel einen Teller verwendet. Wenn man mehrere kleine Teller platziert und diese auch mit wenigen Zwischenwürfen trifft, so ist man für „Sipping Risers“ bestens gerüstet. Dies sind übrigens Würfe, wie sie Caster auch trainieren.

Bild: Albert Pesendorfer
Kaum ein anderer Fisch liebt winzige Fliegen so sehr wie unsere Äsche. Die „Schüler“ und „Studenten“ sind daher ein sehr passendes Angebot für diesen schönen Fisch.
Bindeweise RM Pupil
- Auf einem Barbless-Haken der Größe 14 wird mit brauner Bindeseide ein kugelförmig dicklicher Thorax gewunden.
- Darauf wird noch aus einigen dunkelbraunen String Fuzzy Fibers ein fächerförmig nach hinten abstehender Abdomen-Schwanzbereich gebildet.
- Diese Fasern sollten dabei gespreizt über das Haken-Ende hinausreichen und erhöhen so die Schwimmfähigkeit.
- Anschließend werden zwei anthrazitfarbene CDC-Federn (dark blue dun) als Flügel über das Öhr stehend eingebunden, dann seitlich nach hinten geklappt und ebenfalls fixiert.
- Der fertige Pupil.

Bild: Albert Pesendorfer
Winzige Steinfliegen, die Needle Flies, gehören zum Herbst wie das bunte Laub und die Kastanien.
Bindeweise RM Student
- Auf einem Barbless-Haken der Größe 20 oder 22 wird mit gelber Bindeseide ein Körper gewunden.
- Als Flügelmaterial wird ein kurzes Büschel weißes Ghost Fiber Coarse oder eine CDC-Federspitze, über das Öhr stehend, eingebunden.
- Der Thorax wird anschließend als hellbraune Dubbing-Kugel dahinter angebracht und daraufhin wird die Fliege mit einem Whip-Finisher abgeschlossen.
- Der fertige Student.
So sieht sie aus, die passende Imitation der zarten Eintagsfliegen, die wir jetzt am Wasser finden.Roman Moser
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