Eine Wathose soll ihren Träger beim Angeln zuverlässig trocken halten und zugleich ausreichend Bewegungsfreiheit bieten. Doch Begriffe wie Wassersäule, Atmungsaktivität, mehrlagiges Gewebe, Neoprenfüßlinge, Profilsohle oder Filzsohle machen die Auswahl nicht gerade einfach.
Welche Wathose die richtige ist, hängt vor allem vom Einsatzgebiet ab: Fischen Sie überwiegend im Winter, legen Sie lange Strecken zurück oder steigen Sie nur für kurze Zeit ins Wasser? Ebenso wichtig sind die richtige Größe, passende Watschuhe und eine sorgfältige Pflege. Denn selbst eine hochwertige Wathose kann frühzeitig undicht werden, wenn sie schlecht sitzt, feucht gelagert oder unnötig stark beansprucht wird.
Welche Wathose passt zu meiner Fischerei?
Bei modernen Wathosen dominieren zwei Materialien: Neopren und atmungsaktive Laminate. Beide Varianten halten Wasser ab, unterscheiden sich jedoch deutlich bei Wärmeleistung, Gewicht und Tragekomfort.
Neopren-Wathosen für kaltes Wasser
Neopren enthält viele kleine, geschlossene Gaszellen und besitzt dadurch eine isolierende Wirkung. Je nach Einsatzbereich werden Wathosen aus unterschiedlich starkem Neopren angeboten. Dickere Ausführungen halten besonders warm, sind jedoch schwerer und schränken die Beweglichkeit stärker ein.
Neopren-Wathosen eignen sich vor allem für kaltes Wasser, die Winterfischerei und Einsätze, bei denen sich der Angler wenig bewegt. Da das Material nicht atmungsaktiv ist, kann sich bei längeren Fußmärschen oder hoher körperlicher Anstrengung Feuchtigkeit im Inneren sammeln. Wer bereits auf dem Weg zum Wasser stark schwitzt, kann später schneller auskühlen.
Atmungsaktive Wathosen für aktive Angler
Atmungsaktive Wathosen bestehen aus einem mehrlagigen Laminat. Herzstück ist eine wasserdichte und zugleich dampfdurchlässige Membran, die mit schützenden textilen Schichten verbunden wird.
Die Membran verhindert, dass flüssiges Wasser von außen eindringt. Gleichzeitig kann ein Teil der im Inneren entstehenden Feuchtigkeit als Wasserdampf nach außen gelangen. Das funktioniert besonders gut, wenn zwischen der warmen Innenseite und der kühleren Außenseite ein Temperatur- und Feuchtigkeitsgefälle besteht. Vollständig verhindern kann eine atmungsaktive Wathose das Schwitzen jedoch nicht.
Die Angaben zu drei-, vier- oder fünflagigen Materialien beschreiben den Aufbau des Laminats. Mehr beziehungsweise robustere Außenschichten können die Widerstandsfähigkeit erhöhen, bringen aber häufig zusätzliches Gewicht mit. Viele Hersteller verstärken deshalb vor allem stark beanspruchte Bereiche wie Knie und Gesäß.
Die Wassersäule gibt an, welchem hydrostatischen Druck ein Material standhalten soll. Ein Wert von 10.000 Millimetern entspricht rechnerisch dem Druck einer zehn Meter hohen Wassersäule. Für die Haltbarkeit einer Wathose sind allerdings nicht nur dieser Laborwert, sondern auch die Verarbeitung der Nähte, der Schutz der Membran und die Passform entscheidend.
Empfehlung: Für sehr kaltes Wasser und wenig bewegungsintensive Einsätze bleibt Neopren eine gute Wahl. Atmungsaktive Wathosen sind vielseitiger und eignen sich mit der passenden Funktionsunterwäsche auch für die kalte Jahreszeit.
Tipps für den Wathosenkauf
Sitzt, wackelt und hat Luft
Wann sitzt eine Wathose eigentlich richtig? Das ist nicht nur eine Frage des Komforts. Eine zu enge oder zu weite Wathose kann stärker beansprucht werden und dadurch schneller verschleißen.
Zu klein

Bild: Nikolaj Korsholm
Schön Körperbetont, aber diese Wathose ist eindeutig zu klein, die Nähte werden daher schneller undicht.
Spannt das Material beim Hinknien stark über Knien oder Gesäß, ist die Wathose zu klein. Auch die Naht im Schritt darf bei einem großen Ausfallschritt nicht unter deutlicher Spannung stehen. Dauerhafte Zugbelastung beansprucht Nähte, Verklebungen und das Laminat.
Probieren Sie die Wathose deshalb mit jener Unterbekleidung an, die Sie später beim Angeln tragen möchten. Gehen Sie in die Hocke, knien Sie sich hin und machen Sie einige große Schritte.
Zu groß

Bild: Nikolaj Korsholm
Bewegungsfreiheit ist gut, doch diese Hose ist zu groß. Dadurch scheuert sich das Material auf.
Eine zu große Wathose wirft starke Falten. Beim Gehen können die Materiallagen aneinanderreiben, besonders im Bereich der Knie und an den Beininnenseiten. Diese Scheuerstellen können das Außenmaterial und langfristig auch das Laminat beschädigen.
Zu große Neoprenfüßlinge sitzen zudem schlecht im Watschuh und können dort Falten bilden oder verrutschen.
Perfekt passend

Bild: Nikolaj Korsholm
Daumen hoch – diese Wathose sitzt perfekt!
Eine gut sitzende Wathose bietet genügend Platz für Unterbekleidung und erlaubt freie Bewegungen, ohne starke Falten zu werfen. Beim Hinhocken darf das Material leicht unter Spannung geraten, sollte aber weder an den Knien noch im Schritt deutlich ziehen.
Achten Sie beim Kauf nicht nur auf die Konfektionsgröße. Körperumfang, Innenbeinlänge und Schuhgröße beziehungsweise Größe der Neoprenfüßlinge müssen ebenfalls passen.
Wathose mit Füßlingen oder integrierten Stiefeln?
Wathosen werden als Stockingfoot-Modelle mit Neoprenfüßlingen oder als Bootfoot-Ausführung mit fest verbundenen Stiefeln angeboten.
Wathosen mit Neoprenfüßlingen
Bei einer Stockingfoot-Wathose werden separate Watschuhe über die Neoprenfüßlinge gezogen. Diese Kombination bietet meist einen besseren Halt, lässt sich genauer an den Fuß anpassen und eignet sich besonders für längere Fußmärsche sowie anspruchsvolles Gelände.
Der Nachteil: Das An- und Ausziehen dauert länger, und zusätzlich zur Wathose müssen passende Watschuhe gekauft werden.
Wathosen mit integrierten Stiefeln
Bootfoot-Wathosen besitzen fest angeschweißte oder angesetzte Gummistiefel. Sie lassen sich schnell anziehen und sind praktisch, wenn nur kurze Strecken zurückgelegt werden oder häufig zwischen verschiedenen Angelplätzen gewechselt wird.
Da der Stiefel nicht individuell geschnürt werden kann, sitzt er meistens weniger präzise. Für lange Märsche und schwieriges Gelände sind separate Watschuhe daher meist komfortabler und sicherer.
Empfehlung: Für längere Wege und regelmäßiges Watfischen eignet sich eine atmungsaktive Wathose mit Neoprenfüßlingen und separaten Watschuhen. Für kurze Einsätze kann eine Bootfoot-Wathose die praktischere Lösung sein.
Filzsohle, Gummisohle oder Hybrid?
Welche Sohle den besten Halt bietet, hängt vom Gewässer und vom Untergrund ab. Neben klassischen Filz- und Gummisohlen sind inzwischen auch Hybridsohlen sowie Modelle mit Spikes oder Aluminiumstegen erhältlich.
Filzsohlen
Filzsohlen bieten unter Wasser häufig sehr guten Halt auf glatten, algenbewachsenen Steinen und felsigem Grund. Auf Schlamm, Schnee, feuchtem Gras und längeren Wegen an Land sind sie dagegen weniger geeignet. Außerdem saugt sich Filz mit Wasser voll und benötigt vergleichsweise lange zum Trocknen.
Ein weiterer Punkt ist die Gewässerhygiene: Im feuchten Filz können kleine Organismen, Algen und Krankheitserreger haften bleiben und in andere Gewässer übertragen werden. Filzsohlen sind deshalb in einigen Ländern, Regionen und Schutzgebieten verboten. Informieren Sie sich vor einer Angelreise über die örtlichen Vorschriften und reinigen sowie trocknen Sie Watschuhe und Wathose nach jedem Gewässerwechsel gründlich.
Gummisohlen
Profilierte Gummisohlen sind vielseitig, lassen sich leichter reinigen und eignen sich besonders für längere Fußmärsche, schlammige Ufer und wechselnden Untergrund. Wie gut sie auf nassen Steinen greifen, hängt von der Gummimischung und dem Sohlenprofil ab. Hochwertige, speziell für das Watfischen entwickelte Sohlen können auch auf felsigem Grund guten Halt bieten.
Spikes und Hybridsohlen
Sowohl Filz- als auch Gummisohlen lassen sich bei vielen Watschuhen mit Spikes oder Stollen ergänzen. Sie verbessern den Halt auf bestimmten felsigen Untergründen, können jedoch auf Bootsböden Schäden verursachen oder auf einzelnen Oberflächen selbst rutschig sein. Hybridsohlen verbinden beispielsweise einen Filzkern mit einer profilierten Gummiumrandung.
Empfehlung: Eine allgemein beste Sohle gibt es nicht. Für wechselnde Gewässer, längere Wege und Angelreisen ist eine gut profilierte Gummisohle meist die vielseitigste Wahl. Wer überwiegend in einem heimischen, felsigen Fluss watet, kann mit Filz weiterhin sehr guten Halt finden – sofern Filzsohlen dort erlaubt sind.
So hält die Wathose länger
Eine Wathose kann viele Angelsaisons überstehen, wenn sie richtig gepflegt und gelagert wird.
Nach jedem Einsatz sollte sie vollständig trocknen – außen und innen. Drehen Sie eine Stockingfoot-Wathose dazu vorsichtig auf links und hängen Sie sie an einem gut belüfteten Ort auf. Bleibt Feuchtigkeit im Inneren, können unangenehme Gerüche und Schimmel entstehen.
Nach dem Angeln im Meer sollten Sie die Wathose und die Watschuhe gründlich mit Süßwasser abspülen. Salz, Sand und Schmutz können sich im Gewebe, an Reißverschlüssen und in den Nähten festsetzen.
Auch atmungsaktive Wathosen sollten regelmäßig entsprechend der Pflegeanleitung des Herstellers gewaschen werden. Schmutz, Schweiß und Körperfette können die Funktion des Außenmaterials beeinträchtigen. Verwenden Sie nur geeignete Waschmittel und beachten Sie unbedingt das Pflegeetikett.
Vermeiden Sie außerdem den Kontakt mit Dornen, Stacheldraht und scharfkantigen Steinen. Besonders die Beininnenseiten, Knie und der Bereich um die Neoprenfüßlinge sind anfällig für Abrieb und kleine Löcher. Weitere Hinweise zur Pflege und zum Schutz stark beanspruchter Stellen finden Sie in unserem Beitrag „Pflege der Wathose“.
Sicherheit beim Watfischen
Bei einer hüfthohen oder brusthohen Wathose gehört ein fest sitzender Watgürtel zur Grundausstattung. Er reduziert bei einem Sturz die Menge des eindringenden Wassers. In starker Strömung sind außerdem ein Watstock und Schuhe mit gutem Halt empfehlenswert. Prüfen Sie vor dem Einstieg Strömung, Wassertiefe und Untergrund. Eine Wathose schützt vor Wasser und Kälte, ersetzt aber keine vorsichtige Routenwahl.
Die richtige Wathose ist eine Frage des Einsatzes
Wer eine Wathose kaufen möchte, sollte sich nicht allein an Preis, Marke oder Materialstärke orientieren. Entscheidend sind das bevorzugte Revier, die Jahreszeit, die zurückzulegenden Wege und eine passende Größe. Für die meisten aktiven Angler ist eine atmungsaktive Wathose mit Neoprenfüßlingen und separaten Watschuhen die vielseitigste Lösung. Neopren bleibt dagegen eine gute Wahl für sehr kaltes Wasser und längere Phasen mit wenig Bewegung. Richtig angepasst, gepflegt und vollständig getrocknet, begleitet eine gute Wathose ihren Besitzer über viele Angeltage.

Bild: Nikolaj Korsholm
Auch wenn sie aus der Mode gekommen sind, viele erfahrene Kaltwasserfischer schwören nach wie vor auf Neopren-Wathosen, denn diese sind angenehm zu tragen, halten warm und sind robust.
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