Da sitzt man entspannt beim Schleienangeln, die Method-Feeder-Rute liegt perfekt auf den Ablagen, und plötzlich knallt es. Keine vorsichtigen Zupfer, sondern ein rabiater Run. Wenn dann statt der erhofften Tinca ein übermütiger Satzkarpfen oder gar ein großes Karpfen-Kaliber einsteigt, ist Holland in Not, die Rute im schlimmsten Fall auf Tauchstation. Genau für diese brenzligen Situationen habe ich mir die Freilaufrolle Ryobi Caspro FS 2500 genauer angeschaut. Mein Fazit vorweg: Für das Geld bekommt man eine absolute Spitzenrolle, die genau dann funktioniert, wenn es darauf ankommt.
Zwei Rollen und eine 300-Meter-Spule 0,28er
Laut den Herstellerangaben fasst die CNC-Aluminiumspule offiziell 200 Meter einer 0,25 mm Monofilschnur. Für mein Schleien-Ansitz habe ich mich für eine etwas kräftigere 0,28er Monofil entschieden, als Sicherheitsreserve.

Bild: M. Werner
Ein wirklich sauberes Wickelbild, in diesem Fall mit 0,28er. 150 Meter dieser Stärke passen locker drauf, bei einer 0,25mm sind es 200 Meter. Ebenfalls auf dem Bild zu erkennen, die Kugellager. Bei dieser Rolle sind es 7 plus 1.
Das Schöne an der 2500er Größe ist, dass ich eine 300-Meter-Spule 0,28er sehr gut auf zwei dieser Rollen aufteilen konnte. Mit jeweils gut 150 Metern haut das wunderbar hin. Das ist nicht nur wirtschaftlich, sondern bietet im Ernstfall auch mehr als genug Reserve, wenn der Karpfen nach dem Biss erst einmal kompromisslos Schnur nimmt. Doch nun zum eigentlichen Test.
Der Freilauf: Funktionsweise und Einstellung im Detail
Das Herzstück dieser Rolle (und die Lebensversicherung für Deine Ruten) ist das feinfühlig einstellbare Freilaufsystem. Aber wie funktioniert das System eigentlich genau und wie stellt man es optimal ein? Eine Freilaufrolle besitzt im Grunde zwei voneinander unabhängige Bremssysteme: die normale Kampfbremse (Frontbremse) und die Freilaufbremse im Heck. Nach dem Auswerfen und Straffen der Schnur legst Du den Freilaufhebel am Heck der Rolle um. In diesem Moment wird das Getriebe von der Frontbremse entkoppelt. Der Fisch kann nun beim Biss Schnur von der Spule ziehen, ohne auf den großen Widerstand der Hauptbremse zu stoßen. Die Rute bleibt auf dem Ständer. Sobald Du die Kurbel der Ryobi Caspro bewegst, springt der Freilaufhebel automatisch mit einem satten Klacken um. Schon eine Vierteldrehung reicht aus!
Alternativ kann man auch den Freilaufhebel umlegen. So oder so: Das System schaltet blitzartig auf die normale Frontbremse um, und Du stehst sofort im direkten Fischkontakt!Am hinteren Ende der Rolle befindet sich das Einstellrad für die Freilauf-Stärke. Als Grundregel gilt hierbei: Stell den Freilauf so leicht wie möglich, aber so straff wie nötig ein. Bei stehendem Wasser und vorsichtigen Fischen drehst Du das Rädchen fast ganz auf, damit der Fisch absolut keinen Widerstand spürt. Gibt es allerdings Strömung, Wind oder treibendes Kraut, drehst Du den Freilauf stückweise härter, bis die Schnur stramm bleibt und nicht von allein durch den Windzug von der Spule gezogen wird. Das Leben kann so einfach sein …
Wie macht sich die Rolle in der Praxis und die Bremse im Drill?
Wenn der Freilauf erst einmal ausgeschaltet ist, greift die Frontbremse – und die ist bei der Caspro FS 2500 eine Wucht. Die wasser- und staubdichte Carbon-Bremse liefert eine maximale Bremskraft von stolzen 8 kg! Die japanischen Ingenieure haben bei der Bremse dieser Rolle echt was hingelegt, denn eine Bremskraft von 8 Kilogramm sprengt natürlich die Leistungsfähigkeit jeder Feeder-Rute, bringt jedoch auch größere Karpfen ins Schwitzen. Letzteres bitte nicht allzu wörtlich nehmen. In der Praxis bedeuteten die große Bremsscheibe und die maximal mögliche Bremskraft: kein Ruckeln und kein gefährliches Anlaufen. Die Bremse arbeitet absolut grundsolide und lässt im Drill nicht den Hauch von Kritik zu. Ein echtes Qualitätsmerkmal in dieser Preisklasse. Eine bemerkenswert gute Rolle für „kleines Geld“.

Bild: M. Werner
Heckansicht der Ryobi Caspro FS 2500, die Bedienung des Freilaufs ist denkbar einfach und gut beschriftet: Der Freilauf kann weniger (LESS) oder mehr (MORE) eingestellt werden, wichtig für strömende Gewässer. Die Beschriftung darüber lässt erkennen, ob die Bremse (DRAG) oder der Freilauf (FREESPOOL) aktiviert ist.
Method Feedern und der Trick mit dem Clip
Der Schnurclip eignet sich bekanntlich perfekt, um den Futterplatz immer zielsicher auf exakt derselben Distanz zu treffen. Bei der Ryobi Caspro ist der Metall-Schnurclip gefedert, ein wirklich gutes Detail! Aber Achtung: Sobald der Korb im Wasser gelandet ist, die Schnur am besten direkt aus dem Clip ausklippen! Bleibt die Schnur im Clip, nützt nämlich auch der beste Freilauf nichts!!! Wie ich darauf komme? Könnte sein, dass mir das schon mal passiert ist. Könnte sein …Unterm Strich überzeugte Ryobi Caspro FS 2500 beim Testfischen voll und ganz, man bekommt wirklich viel Rolle für sein Geld – und darum erhält diese Rolle von uns das Blinker Gütesiegel!

Bild: M. Werner
Beim Fischen auf Schleien und kleinere Karpfen machte die Ryobi Caspro FS 2500 eine überaus gute Figur.
Freilaufrolle Ryobi Caspro FS 2500 auf einen Blick
Modell: Ryobi Caspro FS 2500
Kugellager: 8-Lager-System (7 Edelstahl-Kugellager, 1 Edelstahl-Walzenlager)
Übersetzung: 1 : 5,0
Gewicht: 360 g
Bremskraft: 8 kg (Carbon-Bremse)
Ausstattung: CNC-Aluminiumspule, CNC-Kurbel, unendliche Rücklaufsperre, gefederter Metall-Schnurclip
Auszeichnung: Blinker Gütesiegel
Preis: um die 60 €
Bezug über: Fachhandel, Bezug über World Fishing Tackle (WFT)






