Wie viel Zuchtlachs steckt in Wildlachs aus Norwegen?

Ausbrüche aus Netzgehegen bedrohen die Zukunft der norwegischen Wildlachse. Die neueste Untersuchung des Norwegischen Instituts für Naturforschung (NINA) offenbart das Ausmaß der genetischen Einkreuzung – bringt aber auch vorsichtigen Optimismus.

Wildlachs-Gen-Analyse am Fluss: Forscher in Norwegen werteten Proben von über 70.000 Lachsen aus.

Bild: Eva Thorstad/NINA

Gen-Analyse am Fluss: Forscher in Norwegen werteten Proben von über 70.000 Lachsen aus.

Forscher des Norwegischen Instituts für Naturforschung (NINA) haben Schuppenproben von über 70.000 Lachsen analysiert, um zu untersuchen, wie viel Zuchtlachs genetisch im Wildlachs nachweisbar ist. In einem aktuellen Bericht werden die Ergebnisse genutzt, um 263 Lachsbestände in vier Kategorien einzuteilen. Sie sind danach unterteilt, wie große genetische Veränderungen nachgewiesen wurden:

Grün (Zustand sehr gut bis gut): 86 Bestände (32,7 Prozent)

Gelb (Zustand moderat): 85 Bestände (32,3 Prozent)

Orange (Zustand schlecht): 19 Bestände (7,2 Prozent)

Rot (Zustand sehr schlecht): 73 Bestände (27,8 Prozent)

Untersuchungsergebnisse genetischer Zustand der Wildlachse in Norwegen 2026

Bild: NINA (deutsche Übersetzung/Grafikbearbeitung: Redaktion)

Der genetische Zustand der norwegischen Lachsbestände (2026). Insgesamt wurden 263 Lachsbestände untersucht.

Eine Einkreuzung bedeutet, dass sich entwichene Zuchtlachse mit Wildlachsen paaren, sodass Zuchtlachs-Gene im Wildlachs nachgewiesen werden. Diese genetischen Spuren tragen dazu bei, die Eigenheiten des Wildlachses zu verwischen. Die Ergebnisse werden als eines von zwei Kriterien verwendet, um den Zustand der wilden Bestände des Atlantischen Lachses (Salmo salar) zu messen.

Vorsichtiger Optimismus

Der vorherige Bericht stammte aus dem Jahr 2023. Seitdem hat sich der Anteil der Bestände in der roten Kategorie von 30,8 Prozent auf 27,8 Prozent verringert, und der Anteil in der orangen Kategorie ist von 8,4 Prozent auf 7,2 Prozent gesunken. Der Anteil in der gelben Kategorie ist gestiegen, während der Anteil in der grünen Kategorie unverändert geblieben ist. Unter den 39 Beständen, die die Kategorie gewechselt haben, erreichten 25 einen besseren Zustand. Verschlechtert hat sich der Zustand bei 14 Beständen.

„Soweit sich überhaupt eine Tendenz erkennen lässt, sieht es nach einer Verbesserung aus. Es ist jedenfalls positiv, dass die zwei nationalen Lachsflüsse Lærdalselva und Repparfjordelva von der roten in die gelbe Kategorie gewechselt sind“, sagt NINA-Seniorforscher Sten Karlsson

Ein einziger Ausbruch kann katastrophal sein

Die Ergebnisse der Wildlachs-Untersuchung scheinen damit übereinzustimmen, dass in den letzten Jahren weniger entwichene Zuchtlachse in den Flüssen beobachtet wurden. Wenn keine weiteren Zuchtlachse hinzukommen, nimmt das Erbgut von Zuchtlachsen in den Wildlachsbeständen im Laufe der Zeit ab. Gleichzeitig weist Karlsson darauf hin, dass bereits ein einziger größerer Ausbruch aus einem Netzgehege für einen oder mehrere Wildlachsbestände in Norwegen katastrophal sein kann. „Die Einkreuzung mit entwichenen Zuchtlachsen macht den Wildlachs weniger anpassungsfähig an zukünftige Umweltveränderungen. Sie bedroht auch die Produktivität des Wildlachses, indem sie direkt auf das Erbgut wirkt“, berichtet Karlsson.

Quelle: Norsk institutt for naturforskning (NINA)

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