Afros statt Forellen
Jedes Jahr dasselbe Bild: Sobald die Wassertemperaturen im Forellensee deutlich über 20 Grad klettern, müssen viele Betreiber den Forellenbesatz einstellen. Denn Salmoniden können bei solchen Temperaturen nicht überleben. Für Michael Kahlstadt beginnt dann die spannendste Phase der Saison, weil dann im Forellensee die wärmeliebenden Afrowelse besetzt werden.
Afrowelse mögen Hitze
Afrowelse sind echte Hitzespezialisten. Sie vertragen mühelos Wassertemperaturen, bei denen Salmoniden längst aufgeben würden, und kommen sogar in nahezu sauerstoffarmem Wasser gut klar. Der Grund liegt in ihrer besonderen Atmung: Zusätzlich zu den Kiemen verfügen sie über eine Art Lunge (liegt unter dem Schädeldach), mit der sie Luft direkt von der Oberfläche aufnehmen können. Genau das macht man sich beim Fangen zunutze. Wer aufmerksam aufs Wasser schaut, erkennt die feinen Luftblasen, die ein Afro nach dem Atemzug beim Abtauchen hinterlässt. Diese Blasenspur ist oft der zuverlässigste Hinweis darauf, wo sich die Afrowelse im Forellensee gerade aufhalten.
Die richtige Tiefe
In den frühen Morgenstunden und zur Dämmerung halten sich Afrowelse bevorzugt in den flachen Randzonen vom Forellensee auf. Dort jagen sie aktiv und kommen häufig zum Luftholen hoch. Das sind beste Bedingungen, um sie über die Blasenspur aufzuspüren. Tagsüber, wenn die Sonne hochsteht, ziehen sich die Fische dagegen oft in tiefere Bereiche zurück. Dann lohnt es sich, eher im unteren Drittel der Wassersäule zu fischen, statt den Köder direkt auf den Grund zu legen. Denn ein frei im Wasser schwebender Köder wird deutlich besser genommen.
Krach machen
Wer keine Bisse bekommt, sollte nicht stur an einer Stelle verharren: Afrowelse im Forellensee sind ständig in Bewegung, deshalb gehört aktives Umsetzen und Suchen einfach zur Taktik dazu. Da die Fische gut hören können und überhaupt nicht scheu sind, kann es sogar hilfreich sein, die Fische mit möglichst tiefen und dumpfen Geräuschen anzulocken. Man kann zum Beispiel in der Nähe der Pose mit einem kräftigen Kescherstab im Wasser rühren und damit Aufmerksamkeit erzeugen.
Das passende Gerät
Für den Drill ist robustes Gerät notwendig, denn Afrowelse im Forellensee sind echte Kraftpakete und geben besonders kurz vor dem Kescher noch einmal richtig Gas. Ich angle mit Ruten zwischen 2,70 und 3,30 m Länge und einem Wurfgewicht um die 25 bis 30 g, dazu eine mittelgroße Stationärrolle, bespult mit einer 0,22er Monofilschnur. Als Bissanzeiger kommen kleine Waggler zum Einsatz, die sich mit Gummi- oder Kautschukstoppern flexibel auf der Hauptschnur verschieben lassen. So kann ich die Tiefe je nach Tageszeit und Fängigkeit schnell anpassen. Der 2er bis 6er Haken sollte kräftig und sehr scharf sein und ohne Vorfach und Wirbel direkt an die Hauptschnur geknotet werden. Diese einfache Montage hat den Vorteil, dass die Pose so eingestellt werden kann, dass ich damit sowohl im 30 cm flachen Uferbereich als auch in der Teichmitte fischen kann. Ganz wichtig: Vor dem Anschlag unbedingt die Bremse korrekt einstellen, sonst hat man bei den kraftvollen Fluchten keine Chance.
Köder mit Duftspur
Afrowelse im Forellensee sind zwar Allesfresser, aber bei der Köderwahl überraschend wählerisch, wenn es um den Geruch geht. Bewährt haben sich große Dendrobenas, Streifen vom Köderfischfilet (etwa 5 mm breit und 5 cm lang), Krabbenstücke sowie Stücke von geräuchertem Lachs. Je intensiver die Duftspur ist, desto besser die Chancen. Deshalb kombiniere ich gerne mehrere Köder. Zum Beispiel ein kleines Garnelenstück mit ein bis zwei Dendrobenas (Bewegung und Geruch). Auch ein Tropfen der FTM Afrowels-Tunke auf dem Köder kann den entscheidenden Unterschied machen.. Wer die Punkte Tageszeit, Tiefe, Gerät und Köder immer im Blick behält, hat gute Karten auf drillreiche Stunden, während andere Angler am Forellenteich frustriert auf das Ende der Hitzewelle warten. Mehr Eindrücke vom Fang der Afrowelse gibt es auch auf meinem YouTube-Kanal MikesBigTrouts.

Bild: Kahlstadt
Afrowels in Angelseen sind meist zwischen 50 und 70 cm groß. In ihrer Heimat erreichen sie bis etwa 2 m Länge.

Bild: Kahlstadt
Aus Afrowels lassen sich leckere Filets schneiden.

Bild: Kahlstadt
Dendrobena mit Afrowels-Tunke. Das bringt deutlich mehr Fisch als geruchlose Köder. Afrowelse folgen immer Duftspur.

Bild: Kahlstadt
Heiß, heißer, Afrowels, ein erfolgreicher Morgen am Angelsee mit Ricarda Langius.






