Top-Fliege für Meerforellen: Seeringelwurm-Muster
Bald ist es wieder soweit und die Seeringelwürmer sind los. Eine spannende Fliege und sein Bericht dazu schickte uns Andreas Jendrichowski – und hier ist er, „Der Langeländer“.
Die Idee war, eine attraktive Seeringelwurm-Imitation zu binden, die bei sehr kalten Wassertemperaturen unter 6 Grad zuverlässig Fische fängt. Auch bei sehr langsamer Führungsweise und Stopps bewegt sich die Fliege attraktiv und verführerisch fort. Sie gibt eine reale Silhouette in Form, Farbe und Größe im Wasser ab.

Bild: A.Jendrichowski
„Der Langeländer“ heißt diese überzeugende Imitation eines Seeringelwurms.
Warum der „Langeländer“ so effektiv ist
Artentypische Merkmale des Seeringelwurms, wie die schwarzen Beißwerkzeuge am Kopf und die zahlreichen kleinen Beinchen rechts und links des Körpers, sind bewusst größer gebunden, um einen stärkeren Kontrast und eine größere Eigendynamik in die Fliege zu bekommen.
Das Interessante an dieser Fliege ist die Bindeweise. Um ein langsames Bewegungsverhalten im Wasser zu erzeugen, habe ich die Körperhechel so eingebunden, dass nur rechts und links die Fibern aus dem Körper herausschauen. So gleitet die Fliege langsam, wie auf Flügeln, durch das Wasser. Der lange und dünne Schwanz aus braunen Marabu-Federn verstärkt noch diesen Effekt. Die richtige Bebleiung der Fliege ist von großer Bedeutung.
Mit dieser Fliege ist es möglich, einen Fischplatz sehr langsam und gründlich zu befischen. Häufig erfolgt in der Absinkphase der Biss. Obwohl sie einen langen Schwanz besitzt, kommt es zu wenigen Fehlbissen. Der „Langeländer“ wird meist ohne Misstrauen inhaliert, und der Haken greift sicher im Maul.
Bei langsamer Führungsweise gewinnt meiner Meinung nach die Optik einer Fliege zunehmend an Bedeutung. Eine realistisch gebundene Fliege, langsam geführt, wird in bestimmten Situationen häufig ohne Scheu von den Meerforellen genommen.
„Der Langeländer“ fängt oft große Fische
Diese Fliege habe Andreas zum ersten Mal im Frühjahr 2013 auf der Insel Langeland gebunden. Mit ein wenig Phantasie ähnelt diese einer Wurst, dem „Langelænder“, die auf der Insel angeboten wird. Deshalb heißt sie „Der Langeländer“.
Beim zweiten Angelversuch konnte er mit dieser Fliege bei sehr kalten Wassertemperaturen im Frühjahr an der Westküste Langelands eine große blanke Meerforelle von 75 cm und 4,5 kg sicher mit der Fliegenrute landen. Einer dänischen Zeitung war dieser Fisch und der Fliege einen Artikel wert.
Der „Langeländer“ hat in den vergangenen Jahren schon eine Vielzahl an großen Meerforellen zum Biss verführt, von denen einige Fische zwischen 60 und 75 cm lang waren.
Durch ihre Eigenschaften fischt sie auch gut bei schwachem Licht und in der Nacht. Dort fängt sie, an den richtigen Fischplätzen, auch regelmäßig schöne Dorsche.
Eine klasse Fliege, die anfangs noch Kinderkrankheiten hatte. Der lange Schwanz verfing sich regelmäßig im Hakenbogen. Wenn man die Schwanzwurzel des Marabu jedoch leicht nach oben bindet, dann fischt sie nahezu störungsfrei.
Der „Langeländer“ ist eine ausgereifte Fliege zum Fliegenfischen, gerade unter schwierigen Bedingungen kommen ihre Stärken zur Geltung. Der „Langeländer“ fängt zuverlässig bei sehr kalten Wassertemperaturen im März/April Meerforellen und hat einen festen Platz in der Fliegenbox. Die Kombination aus Bewegung, Silhouette und Farbgebung machen den „Langeländer“ zu einer echten Waffe an der Küste.
Fliegenbinde-Materialien für die Seeringelwurm-Fliege
Hakengröße: Gr. 4 / F16 Gamakatsu
Bindfaden: Mono
Schwanz: lange Marabufeder-Segmente, braun
Körper: Synthetik Dubbing (braun) und zwei Latexstreifen (braun), passend in Form geschnitten
Beschwerung: 2 x 0,35 Bleistränge, lang, 1 x 0,35 Bleistrang kurz
Außerdem: 20 cm Monofil (0,22 mm), wasserfester Stift (schwarz), schwarze Chenille, Gr. M
Hechel: schwarze Hahnenhechel, mittellang
Fliegen binden – Schritt-für-Schritt zum Seeringelwurm
1. Die Grundwicklung mit Mono auf der gesamten Länge des Hakenschenkels ausführen und mit Bindelack sichern.
2. Danach zwei Bleistränge von 0,35 nebeneinander unterhalb und mittig des Hakenschenkels auf 2/3 der Länge einbinden. Den kurzen Bleistrang mittig und unterhalb der anderen beiden im vorderen Drittel des Hakenschenkels platzieren und mit Bindegarn fixieren. Anschließend alles mit Klarlack sichern.
3. Als Schwanz werden lange Marabufeder-Segmente (braun) eingebunden. Tipp: Die Federn befeuchten, das ist besser bei der Verarbeitung.
4. Zwei braune Latexstreifen, ca. 4 mm breit, zurechtschneiden. Die Länge des Hakenschenkels dient als Vorlage.
5. Die Latexstreifen werden senkrecht zur Hakenspitze knapp hinter dem Marabu-Schwänzchen eingebunden. Das kann ein wenig kniffelig sein, dies ist mit der schwierigste Teil der Fliege.
6. Ein Stück Monofil (20 cm lang, ca. 0,22 mm stark) am Hakenbogen einbinden. Mit einem wasserfesten Stift schwarz färben. Mit diesem werden nachher die einzelnen Körpersegmente nachgebildet.
7. Ebenfalls wird eine schwarze mittellange Hahnenhechel mit der Spitze voran am Schwanzende eingebunden.
8. Das braune Synthetik Dubbing wird gleichmäßig von hinten nach vorne bis etwa einen Zentimeter vor dem Hakenöhr eingebunden.
9. Anschließend wird die Hahnenhechel in gleichmäßigen Abständen ebenfalls bis etwa einen Zentimeter vor dem Hakenöhr eingebunden.
10. Nun teilt man die Fibern der Hahnenhechel zu den Seiten, also rechts und links, gleichmäßig auf.
11. Jetzt werden unter ein wenig Zug die beiden Latexstreifen nach vorne eingebunden. Erst die Unterseite, dann die Oberseite.
12. Die schwarz eingefärbte Monoschnur wird vorsichtig zwischen den Hechelfibern durchgeführt und die Segmentierung der Fliege gewunden. Vorne abfangen und einbinden.
13. Der Kopf des Seeringelwurms wird mit schwarzer Chenille, Gr. M, geformt.
14. Nach dem Abschlussknoten und etwas Lack ist die Fliege fertig.
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