Neue Wolgazander-Studie: Verbreitung und Biologie

Seit über 15 Jahren ist der Wolgazander (Sander volgensis) in Niedersachsen nachgewiesen und breitet sich in Norddeutschland aus. Der Anglerverband Niedersachsen (AVN) hat über 1.100 Fänge aus sechs Bundesländern ausgewertet und liefert erstmals umfassende Einblicke in Verbreitung, Biologie und Populationsentwicklung

Wolgazander am Gummifisch im Drill

Bild: Olivier Portrat

Wolgazander im Drill: Eingesendete Fänge liefern in einer neuen Studie wertvolle Einblicke in die Biologie und Verbreitung der Art.

Der Anglerverband Niedersachsen (AVN) hat im Rahmen eines mehrjährigen Projektes über 1.100 Wolgazander-Fänge aus 11 Gewässern in sechs Bundesländern zusammengetragen und wissenschaftlich ausgewertet. Damit liegt erstmals eine breit angelegte Datensammlung zur Verbreitung des Wolgazanders vor. Man kann davon ausgehen, dass das Verbreitungsgebiet noch größer ist.

Biologische Untersuchungen von eingesandten Fischen

Mehr als 200 eingesandte Wolgazander wurden zusätzlich einer detaillierten biologischen Untersuchung unterzogen. Die Fische stammten von engagierten Anglerinnen und Anglern, die ihre Fänge dem Verband für wissenschaftliche Zwecke zur Verfügung stellten. Im Rahmen dieser Untersuchungen wurden zentrale Aspekte der Art erfasst, darunter Altersstruktur, Wachstum, Reproduktionsmerkmale, Ernährungsgewohnheiten sowie die Bestandsentwicklung. Die gewonnenen Daten liefern wichtige Einblicke in die Population des Wolgazanders und ermöglichen eine fundierte Bewertung seines Vorkommens.

Wolgazander vs. Zander – Merkmale im Überblick

Wolgazander vs. Zander – Merkmale im Überblick

Bild: Wolgazander: Eric Otten, Zander: AVN

Die Unterscheidung ist durch mehrere auffällige Merkmale möglich.

MerkmalWolgazanderZander
Maximalgröße (1)selten > 60 cm> 100 cm
Körperform (2)etwas gedrungenschlank
Hundszähne (3)neinja
Pigmentierung (4)deutliche Querstreifen unterhalb der Seitenlinieweniger ausgeprägte Querstreifen
Rückenflossen (5)1. Flosse höher als 2.beide Flossen etwa gleich hoch
Zwischenkiefer (6)bis zum Augedeutlich dahinter
Schnauze (7)rundspitz zulaufend
Kiemendeckel/Wangen (8)Kiemendeckel beschuppt, Wangen kaumKiemendeckel & Wangen dicht beschuppt
Augendurchmesser/Kopflänge (9)größer (Faktor 4,2–4,8)kleiner (Faktor 5,3–5,6)
Schuppen (10)größerkleiner
Seitenlinie (11)66–83 Schuppen80–97 Schuppen

Wolgazander: Altersstruktur und Wachstum

Die Analysen zeigten, dass die Altersstruktur der untersuchten Wolgazanderpopulationen unterschiedlich ausfällt. Das Wachstum der Wolgazander liegt im Vergleich zum heimischen Zander meist darunter, wobei Fische über 55 Zentimeter selten sind. Diese Informationen liefern Anhaltspunkte zur Dynamik der Bestände und ihrer Entwicklung über die Jahre.

Reproduktion und Laichverhalten

Untersucht wurden auch die Reproduktionsmerkmale der Wolgazander. Sie legen ihre Eier in Wasserpflanzen, auf Steinen oder Totholz ab und zeigen kaum Brutpflege. Die Laichzeit variiert je nach Region und Temperatur, typischerweise von April bis Juni bei Wassertemperaturen zwischen zehn und 22 Grad Celsius. Weibchen setzen ihre Eier in mehreren Portionen ab, wobei die Anzahl stark vom Alter und Ernährungszustand abhängt und zwischen etwa 44.000 und über 350.000 Eiern pro Weibchen liegt.

Ernährungsgewohnheiten des Wolgazanders

Die Untersuchung der Nahrung zeigte, dass der Wolgazander überwiegend kleinere Fische und Wirbellose frisst. Diese Erkenntnisse helfen, seine ökologische Rolle in den Gewässern besser zu verstehen und mögliche Auswirkungen auf lokale Fischbestände abzuschätzen.

Wolgazander-Bestandsentwicklung

Die Analyse der Bestandsentwicklung auf Basis der eingesandten Fänge liefert wertvolle Hinweise auf die Populationsdynamik der Art. Darüber hinaus erlauben die Daten Rückschlüsse darauf, wie sich die Wolgazander in den untersuchten Gewässern etablieren und verbreiten. Insbesondere wird deutlich, ob sich die Art langfristig behaupten kann und in welchem Ausmaß eine weitere Ausbreitung stattfindet. Somit tragen die Ergebnisse wesentlich zum Verständnis der aktuellen Entwicklung bei.

Quellen & Hintergrund

  • Wissenschaftliche Originalpublikation: Emmrich, M., Maday, A., Lang-ner, J., Klefoth, T. (2026): DerWolgazander (Sander volgensis,Gmelin 1789) – eine Literaturübersicht und aktuelle Erkenntnisse zur Verbreitung in Deutschland. Zeitschrift für Fischerei 6: Artikel 1:1-21. DOI: 10.35006/fischzeit.2026.41

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