Man muss es deutlich sagen: Wir Angler sind Naturschützer der ersten Stunde. Aber was uns die Politik da gerade mit dem „Aktionsplan Ostseeschutz“ und den neuen Schutzzonen an der Ostsee vor die Füße geworfen hat, hat einen schlimmeren Beigeschmack als ein in die Wattwurm-Tunke gefallenes Fischbrötchen.
Seit diesem Frühjahr sind drei große neue Meeresschutzgebiete in Schleswig-Holstein aktiv, und in Gebieten wie der Sagas-Bank, dem Stoller Grund und der Geltinger Bucht wird es für uns ernst. Die große Frage, die mir jeden Tag in der Redaktion gestellt wird: „Darf ich da überhaupt noch rein?“ Die Antwort ist ein klassisches „Ja, aber…“ – und dieses „Aber“ entscheidet darüber, ob dein Angeltag entspannt endet oder mit einem teuren Ticket der Wasserschutzpolizei. Und daher gleich der Experten-Tipp von Michael Werner, Blinker Chefredakteur, vorweg: „Verlasst euch nicht auf euer Bauchgefühl oder darauf, dass „da ja keine Schilder im Wasser stehen“. Mein Rat: Checkt über das Handy (Karten oder Maps) oder über die Karte im Echolot, wo ihr gerade unterwegs seid. Spart Geld und schont die Nerven.“
Die gute Nachricht für Ufer- und Watangler
Fangen wir mit dem Positiven an. Nach langem Hin und Her zwischen Politik, Naturschutz- und Angelverbänden und anderen Gruppen, auch wir haben uns zu Wort gemeldet, konnte Schlimmeres verhindert werden:
Angeln vom Ufer: Ist in den neuen Schutzzonen in Schleswig-Holstein grundsätzlich weiterhin erlaubt.
Watangeln: Wer mit der Wathose im Wasser steht, darf seine Fliege oder den Blinker weiterhin Richtung Horizont feuern. Das Ufer und die ufernahen Zonen wurden bewusst für die Öffentlichkeit offen gehalten.
Die schlechte Nachricht: Das Aus für viele Bootsangler
Wenn du aber ein Boot unter dem Hintern hast, wird es kompliziert. In den sogenannten Nullnutzungszonen oder Gebieten mit Fischereiausschluss sieht es so aus:
Boot mit Motor: In den Kernzonen der Schutzgebiete ist das Angeln vom motorisierten Boot aus tabu. Oft ist sogar das reine Befahren außerhalb der Fahrwasser eingeschränkt.
Boot ohne Motor (Kajak, Belly Boot): Hier liegt der Teufel im Detail. In vielen der neuen Zonen gilt der Fischereiausschluss für jegliche Form der Fischerei. Das heißt: Auch wer lautlos paddelt, darf dort keine Schnur im Wasser haben.
Was früher oft noch unter Bootsanglern ein Geheimtipp für Meerforellen, ist heute ein „No-Go-Area“. Das GPS ist mittlerweile wichtiger als der beste Küstenwobbler im Kasten. Wer hier schläft, zahlt Lehrgeld!
Schutzzonen an der Ostsee: Warum nicht jede Schutzzone gleich ist
Achtung: Die Regeln in Mecklenburg-Vorpommern (z.B. Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft) sind oft noch strenger als die neuen Schutzzonen in Schleswig-Holstein! Dort darfst du oft nur an ausdrücklich ausgewiesenen Angelstränden vom Ufer aus fischen. Informiere dich also penibel genau, auf welcher Seite der Landesgrenze du stehst.

Bild: MEKUN Schleswig-Holstein
Die Schutzgebiete liegen in verschiedenen Bereichen entlang der schleswig-holsteinischen Ostsee.
Zusammenfassung: Was ist wo erlaubt?
| Angelart | In neuen SH-Schutzzonen (2026) | In MV-Kernzonen |
|---|---|---|
| Vom Ufer | Erlaubt Nur an Angelstränden | Erlaubt Nur an Angelstränden |
| Watangeln | Erlaubt Nur an Angelstränden | Erlaubt Nur an Angelstränden |
| Belly Boot / Kajak | Oft verboten (Zonierung prüfen!) | Verboten |
| Motorboot | In Kernzonen verboten | Verboten |
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