Fliegenrute mit Sinkschnur
Wenn die Wassertemperaturen im Forellensee im Winter auf wenige Grad abkühlt sind, ändern sich auch die Spielregeln beim Fliegenfischen mit der Fliegenrute. Oberflächenaktivität? Fehlanzeige. Schnelles Einstrippen? Meist wirkungslos. Wer im Winter am Forellensee erfolgreich sein möchte, muss nicht nur tief, sondern auch langsam fischen. Genau hier spielt das Fliegenfischen mit der Sinkschnur und einer speziellen Booby Montage seine größten Stärken am Forellensee aus.

Bild: Kahlstadt
Die Forellen konnten der Booby-Fliege auch bei Minus 1 Grad nicht widerstehen.
Mit der Booby tief hinunter
Im Winter halten sich die Forellen häufig sehr grundnah auf. Oft stehen sie nur 5 bis 15 cm über dem Boden. Das hat einen einfachen Grund: Dort ist die Wassertemperatur am höchsten. Klassische Nymphen oder Streamer lassen sich zwar tief anbieten, doch kaum eine Montage erlaubt es, die exakte Höhe so konstant zu halten wie die Kombination aus Gewicht und auftreibender Fliege. Ich setze im Winter bei der Fliegenrute am Forellensee auf eine Sinkschnur oder eine Schwimmschnur mit sinkender Spitze. An diese kommt ein kräftiges Vorfach von etwa 80 bis 100 cm Länge, mit einer Stärke von 0,35 bis 0,40 mm. Dadurch streckt sich die Montage besser und sinkt sauber ab. Am Ende dieses Vorfachs befestige ich eine Cheburashka-Kugel mit einem Gewicht zwischen 0,6 und 1 g. Erst danach folgt das eigentliche Tippet: 20 bis 30 cm lang, etwa 0,18 mm stark. Ganz am Ende sitzt die eigentliche Geheimwaffe am Forellensee, eine Booby Fliege.

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Das sieht kalt aus! Das ist kalt!
Die Booby Fliege im Winter
Booby Fliegen treiben auf. Genau das macht sie in Verbindung mit einem Gewicht so interessant. Nach dem Auswurf lasse ich die komplette Montage zunächst bis auf den Grund absinken. Erst dann beginnt das eigentliche Spiel: Ich ziehe die Schnur in kleinen Zügen von etwa 10 bis 30 cm ein, gefolgt von deutlichen Stopps. Diese Pausen sind beim Fliegenfischen mit dem Booby im Forellensee entscheidend und dürfen ruhig 2 bis 10 Sekunden dauern. Während des Zuges wird die Booby Fliege durch das Gewicht nach unten gezogen. In der anschließenden Pause steigt sie langsam wieder nach oben. Und zwar exakt so hoch, wie es die Länge der Vorfachspitze zulässt. So schwebt der Köder immer wieder knapp über dem Grund, genau dort, wo die Forellen stehen. Das Besondere: Die Fliege bleibt auch in den Stopps „lebendig“. Sie bewegt sich minimal, steigt langsam auf und wirkt auf die trägen Winterfische oft verführerischer als jede hektische Aktion.

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Fliegenfischen im Winter mit Sinktip Schnur und Booby.
Zeitlupe ist Trumpf
Gerade im Winter gilt mit der Fliegenrute am Forellensee: weniger ist mehr. Kaltes Wasser bedeutet niedrige Körpertemperatur bei den Fischen. Das bewirkt eine deutlich reduziertere Nahrungsaufnahme und Reaktionsgeschwindigkeit. Wer jetzt zu schnell fischt, angelt oft an den Forellen vorbei. Mit der beschriebenen Montage lässt sich der Köder extrem langsam führen. Manchmal reicht es schon, die Schnur nur leicht zu spannen und der Fliege Zeit zu geben. Viele Bisse kommen genau in der Pause, wenn die Booby im Forellensee langsam aufsteigt oder scheinbar regungslos im Wasser steht.

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Boobys kann man im Angelladen kaufen oder selbst binden.
Booby Fliege beim UL-Angeln
Das Prinzip funktioniert im Winter am Forellensee nicht nur an der Fliegenrute. Auch beim UL-Angeln lässt sich die Booby Fliege im Forellensee sehr effektiv einsetzen. Hier binde ich ebenfalls eine Cheburashka ans Ende der Hauptschnur und ergänze sie mit einem 20 bis 30 cm langen Vorfach, an dessen Ende die Booby sitzt. Die Führung ist nahezu identisch: auswerfen, absinken lassen, kurze Züge, lange Stopps. Der große Vorteil gegenüber klassischen Spoons liegt darin, dass diese Montage auch komplett stehen bleiben kann. Während Spoons dann zu Boden sinken, schwebt die Booby weiter über Grund und bleibt im Sichtfeld der Forellen. Gerade an schwierigen Tagen, wenn die Fische extrem passiv sind, ist das ein unschätzbarer Vorteil.
Fliegenrute oder UL-Rute?
Natürlich gibt es auch Unterschiede. Mit der Spoon- oder UL-Rute lassen sich diese Montagen längst nicht so weit werfen wie mit der Fliegenrute. Der Grund liegt im Gewicht: Eine Fliegenschnur bringt bei einer Rute der Klasse 5 rund 10 g auf die Waage. Beim UL-Angeln ist es mit dem Gewicht der Cheburashka-Perle dagegen oft nur etwa 1 g. Das Gerade wenn die Forellen weiter draußen stehen, ist die Fliegenrute im Winter am Forellensee daher klar im Vorteil. Sie erlaubt es, große Wasserflächen im Forellensee mit der Booby systematisch abzusuchen und die Montage präzise in der gewünschten Tiefe zu präsentieren.

Bild: Kahlstadt
Cheburashka 1 g. Rechts die 0,37 mm starke Verbindung zur Fliegenschnur, links das 0,18 mm starke Tippet.
Bonus-Tipp
Zum Schluss noch ein Hinweis, den man eigentlich nicht weiterverraten sollte: Ein Hauch Duftöl kann im Winter den entscheidenden Unterschied machen. Aromen wie Kadaver, Käse oder Knoblauch erhöhen die Bissausbeute der Booby Fliege im Forellensee spürbar. Gerade bei sehr langsamer Führung haben die Forellen Zeit, den Köder wahrzunehmen, und dann auch zu nehmen. Ich konnte mich davon erst kürzlich wieder selbst überzeugen. Wer im Winter erfolgreich Fliegenrute im Forellensee angeln möchte, sollte also keine Angst vor Tiefe, Gewicht und langen Pausen haben. Mit der richtigen Montage und viel Geduld lässt sich auch in der kalten Jahreszeit gezielt und erfolgreich auf Forellen fischen. Weiter Infos gibt es auf dem Youtube-Kanal von Michael Kahlstadt.






