„Kältestarr sitzen sie auf dem reinen Weiß des Schnees“
„Da schau, eine Sedge“, sagt Hannes und zeigt hinaus aufs Wasser. Ungläubig folge ich seinem Blick. Ende Februar? Unmöglich. Doch tatsächlich steigt über der schnellen Strömung der stetige Schwirrflug eines relativ großen Insekts auf, das sich zwei bis drei Meter über der Wasseroberfläche hocharbeitet.
Schnell fällt auf: Der Flügelschlag ist ungewöhnlich langsam. Für eine Köcherfliege fast zu behäbig. Sedges fliegen hektischer, zielstrebiger, meist direkt in Richtung Ufervegetation. Doch davon ist kaum etwas vorhanden – nur dürres Astwerk, kahle Sträucher, vereinzelt blaugrüne Brombeerblätter.
Plötzlich verharrt das Insekt im Schwirrflug, legt dann die Flügel schräg nach hinten und gleitet im Sturzflug auf die Wasseroberfläche. Eiablage? Kaum berührt es das Wasser, taucht es wieder auf, gewinnt an Höhe – und wiederholt das Schauspiel. Der Verdacht ist bestätigt.
„Das ist keine Sedge“, sagen wir gleichzeitig. „Das ist eine Steinfliege bei der Eiablage.“

Bild: A. Pesendorfer
Ein leichter Nebelhauch liegt auf dem winterlichen Fluss. Am Übergang vom ruhigen Wasser zur Strömung erfolgte der Biss auf die kleine Winter-Steinfliege. An milden Wintertagen sind, neben einigen Mückenarten, die kleinen „Winter Stones“ besonders aktiv.
Des Rätsels Lösung: die February Red
Wenig später liefert ein weiterer Fund die eindeutige Bestätigung. Aus dem Astgewirr einer Weide steigt eine große, graue Fliege auf. Mit einem schnellen Griff halte ich sie in der Hand. Vier gleich große, über einen Zentimeter lange Flügel mit hell-dunkler Querbänderung, graubraune Färbung, zwei kurze Cerci – eindeutig: eine Steinfliege.
Es ist die February Red, eine Vertreterin der Familie Taeniopterigidae. Trotz ihres Namens wirkt sie im Flug eher grau als rot – ein Grund, warum sie leicht übersehen wird. Besonders ist ihr Auftreten: Diese Art fliegt bereits im Winter und wird ab Februar regelmäßig am Wasser beobachtet. Eine echte Winterfliege, geboren in Kälte, Schnee und Nebel.

Bild: R. Moser
Die kleine Taeniopteryx Nymphe ist während der kalten Jahreszeit fängig.
Die Winzlinge der kalten Jahreszeit
Neben den Taeniopterigidae sind es vor allem kleine Steinfliegenarten, die selbst bei Schnee aktiv sind – bekannt als „Tiny Winter Blacks“. Dazu zählen die Needle Flies (Leuctridae) mit ihrem anthrazitfarbenen, schlanken Erscheinungsbild und die etwas größere Willow Fly.
Für Fliegenfischer sind entsprechende Imitationen unverzichtbar: Dünn gebundene Muster mit dunklen CDC-Federn gelten als äußerst fängig, etwa die bekannte Fratnik F-Fly. Auch die Gattung Capnia zählt zu den klassischen Winterfliegen – reine „Schneefliegen“, die oft nur wenige Millimeter groß sind.
Ebenfalls erwähnenswert sind die Nemouridae, die sogenannten Little Brown Stoneflies, die von Februar bis Mai in kleineren Bächen und Flüssen vorkommen.

Bild: R. Moser
Schwärmen die kleinen Winter-Steinfliegen, dann fängt diese Quadwing.
Für diese Winzlinge brauchen Sie wache Augen
Die Beobachtungen zeigen: Für viele Insekten gibt es keine Winterpause. An milderen Tagen sind Mücken und Steinfliegen selbst in der kalten Jahreszeit aktiv. Es lohnt sich zum Fliegenfischen immer vorher der aufmerksame Spaziergang am Wasser. Denn der Winter am Fluss ist alles andere als leblos – man muss nur genau hinschauen.
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